Die Wut ist spürbar, die Verzweiflung greifbar. «Die bleierne Zeit», Margarethe von Trottas Meisterwerk, wirft einen schonungslosen Blick auf die Zerrissenheit einer Familie im Angesicht des Terrorismus der Roten Armee Fraktion (RAF). Ein Film, der unter die Haut geht und Fragen aufwirft, die bis heute nachhallen.

| Titel | Die Bleierne Zeit |
|---|---|
| Originaltitel | Marianne and Juliane |
| Regie | Margarethe von Trotta |
| Drehbuch | Margarethe von Trotta, Christiane Ensslin |
| Besetzung | Jutta Lampe, Barbara Sukowa, Rüdiger Vogler |
| Genre | Drama |
| Laufzeit | 106 Minuten |
| Kinostart | 18. September 1981 |
| Plattform | Diverse VoD-Anbieter |
| FSK | 16 |
| Produktion | Bioskop-Film |
| Verleih | Studiocanal |
Unser Eindruck: Ein erschütterndes und brillantes Porträt einer Zeit, in der Ideologien Familien entzweiten und die Bundesrepublik in Atem hielten.
Eine Geschichte von Schwestern, Ideologien und Verrat
Margarethe von Trotta inszeniert in «Die bleierne Zeit» ein intimes Familiendrama vor dem Hintergrund der politisch aufgeladenen 1970er Jahre in Deutschland. Der Film, der auch unter dem internationalen Titel «Marianne and Juliane» bekannt ist, erzählt die Geschichte zweier Schwestern, Marianne und Juliane, deren Lebenswege unterschiedlicher nicht sein könnten. Marianne, eine radikale Terroristin, kämpft im Untergrund für ihre politischen Ideale, während Juliane als Journalistin versucht, die Welt durch ihre Arbeit zu verändern. Ihre unterschiedlichen Überzeugungen führen zu einer tiefen Entfremdung, die durch Mariannes Verhaftung und den späteren Selbstmord in der Haft noch verstärkt wird.
Der Film vermeidet es, einfache Antworten zu geben oder moralische Urteile zu fällen. Stattdessen beleuchtet er die komplexen Motive und inneren Konflikte der Charaktere. Die Kameraarbeit ist dabei von einer nüchternen Beobachtung geprägt, die den Fokus auf die emotionalen Auswirkungen der politischen Ereignisse legt. Der Film ist inspiriert von der Geschichte der Ensslin-Schwestern, Gudrun Ensslin war eine der führenden Köpfe der RAF, und Christiane Ensslin, die am Drehbuch mitschrieb.
Film-Fakten
- «Die bleierne Zeit» gewann 1981 den Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig.
- Der Film ist inspiriert von der Lebensgeschichte der Ensslin-Schwestern, Gudrun und Christiane.
- Die Dreharbeiten fanden unter anderem in Stuttgart, Hamburg und Paris statt.
- Jutta Lampe wurde für ihre Darstellung der Juliane mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.
Wie die Vergangenheit die Gegenwart prägt
Was «Die bleierne Zeit» von anderen Filmen über die RAF unterscheidet, ist der Fokus auf die persönlichen Beziehungen und die psychologischen Folgen des Terrorismus. Es geht nicht um spektakuläre Aktionen oder politische Manifeste, sondern um die Zerrissenheit einer Familie, die durch Ideologien und Gewalt auseinandergerissen wird. Der Film zeigt, wie die Vergangenheit die Gegenwart prägt und wie traumatische Erfahrungen das Leben der Überlebenden beeinflussen. (Lesen Sie auch: Die Bleierne Zeit: Terror, Schuld und die…)
Die Leistung der Schauspielerinnen Jutta Lampe und Barbara Sukowa ist herausragend. Sie verkörpern die beiden Schwestern mit einer Intensität und Glaubwürdigkeit, die den Zuschauer tief berührt. Insbesondere Sukowa, die Marianne mit einer Mischung aus Radikalität und Verletzlichkeit spielt, hinterlässt einen bleibenden Eindruck.
Wie Die Zeit berichtet, ist «Die bleierne Zeit» ein wichtiger Beitrag zur Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und ein Mahnmal gegen jede Form von politischem Extremismus. Der Film zeigt, dass Gewalt niemals eine Lösung sein kann und dass die Folgen von Terrorismus für die Betroffenen und die Gesellschaft verheerend sind.
Der Originaltitel des Films, «Marianne und Juliane», betont die persönliche Beziehung der Schwestern, während der internationale Titel «Die bleierne Zeit» den historischen Kontext hervorhebt.
Was unterscheidet «Die bleierne Zeit» von anderen RAF-Filmen?
Im Gegensatz zu Filmen, die sich auf die Aktionen und Ideologien der RAF konzentrieren, rückt «Die bleierne Zeit» die emotionalen und psychologischen Auswirkungen des Terrorismus in den Vordergrund. Der Film beleuchtet die persönlichen Beziehungen der Charaktere und zeigt, wie politische Ereignisse das Leben der Einzelnen beeinflussen. Während Filme wie «Der Baader Meinhof Komplex» (2008) die Ereignisse aus einer eher distanzierten Perspektive betrachten, taucht «Die bleierne Zeit» tief in die Gefühlswelt der Protagonisten ein.
Die Kameraarbeit von Franz Rath ist von einer zurückhaltenden Ästhetik geprägt, die den Fokus auf die schauspielerischen Leistungen und die emotionalen Nuancen der Geschichte legt. Der Schnitt von Dagmar Hirtz trägt dazu bei, die Spannung aufzubauen und die inneren Konflikte der Charaktere zu verdeutlichen. Die Musik von Nicolas Economou unterstreicht die melancholische Atmosphäre des Films und verstärkt die emotionale Wirkung der Bilder. (Lesen Sie auch: Bester Reacher Bösewicht: Werner Herzog Stiehlt Allen…)
Filme wie «Stammheim» (1986) von Reinhard Hauff, der sich mit dem Stammheim-Prozess gegen die RAF-Mitglieder auseinandersetzt, bieten einen anderen Blickwinkel auf die Thematik. «Die bleierne Zeit» hingegen konzentriert sich auf die persönlichen Schicksale und die Frage nach Schuld und Verantwortung. Wer «Deutschland im Herbst» (1978) kennt, eine Gemeinschaftsarbeit verschiedener Regisseure, die die Stimmung in Deutschland während des «Deutschen Herbstes» einfängt, wird hier eine ähnliche Atmosphäre wiederfinden, jedoch fokussierter auf die individuellen Auswirkungen.
Für wen lohnt sich «Die bleierne Zeit»?
«Die bleierne Zeit» ist ein Film für Zuschauer, die sich für deutsche Geschichte, politische Dramen und komplexe Familiengeschichten interessieren. Wer Filme wie «Das Leben der Anderen» (2006) oder «Sophie Scholl – Die letzten Tage» (2005) mochte, wird auch von «Die bleierne Zeit» berührt sein. Der Film ist kein leichtes Unterhaltungsprogramm, sondern eine anspruchsvolle Auseinandersetzung mit einem schwierigen Kapitel der deutschen Vergangenheit.
Wer sich für die Hintergründe der RAF und die politischen Bewegungen der 1970er Jahre interessiert, sollte sich auch mit den historischen Fakten auseinandersetzen. Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet umfangreiche Informationen zu diesem Thema. Die Webseite der Bundeszentrale bietet einen guten Einstieg in die Thematik.

Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet der Titel «Die bleierne Zeit»?
Der Titel bezieht sich auf die bedrückende Atmosphäre und die politische Lähmung der 1970er Jahre in Deutschland, die von Terrorismus, Angst und Misstrauen geprägt waren. Er symbolisiert eine Zeit, in der die Gesellschaft von einer schweren Last erdrückt wurde.
Welche Rolle spielt die Musik in dem Film?
Die Musik von Nicolas Economou unterstreicht die melancholische und bedrückende Atmosphäre des Films. Sie verstärkt die emotionalen Auswirkungen der Bilder und trägt dazu bei, die innere Zerrissenheit der Charaktere zu verdeutlichen.
Wie authentisch ist die Darstellung der RAF in dem Film?
Der Film ist keine dokumentarische Darstellung der RAF, sondern eine fiktive Auseinandersetzung mit den Motiven und Folgen des Terrorismus. Er ist inspiriert von der Lebensgeschichte der Ensslin-Schwestern, vermeidet es aber, historische Ereignisse eins zu eins nachzubilden.
Welche Botschaft möchte Margarethe von Trotta mit dem Film vermitteln?
Von Trotta möchte zeigen, wie politische Ideologien Familien entzweien und das Leben der Einzelnen zerstören können. Sie plädiert für eine offene Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und warnt vor den Gefahren von politischem Extremismus.
Wo kann man «Die bleierne Zeit» streamen?
Der Film ist auf verschiedenen Video-on-Demand-Plattformen verfügbar, darunter beispielsweise Amazon Prime Video und Apple TV. Die Verfügbarkeit kann jedoch je nach Region variieren. Es empfiehlt sich, die aktuellen Angebote der Streaming-Dienste zu prüfen. (Lesen Sie auch: The Boys Ende Kritik: War das Finale…)
Ein Film, der noch lange nachwirkt
«Die bleierne Zeit» ist ein Film, der auch nach über 40 Jahren nichts von seiner Relevanz verloren hat. Er ist ein Mahnmal gegen jede Form von politischem Extremismus und eine eindringliche Erinnerung daran, wie wichtig es ist, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Margarethe von Trotta hat mit diesem Werk ein Meisterwerk geschaffen, das noch lange nachwirkt und zum Nachdenken anregt. Die Bild-URL kino-zeit.de/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2026-05/7gwjt2idkrhe5ev0cs4xuw9jusi.jpg?itok=ydQXKCWl zeugt von der visuellen Kraft des Films.



