Die Sprengung in Ibbenbüren markiert heute, am 22.02.2026, das endgültige Ende einer Ära der Industriegeschichte im Tecklenburger Land. Mit dem Fall des 275 Meter hohen Schornsteins des ehemaligen Steinkohlekraftwerks verschwindet ein weithin sichtbares Wahrzeichen, das über Jahrzehnte die Silhouette der Region prägte. Dieser geplante Einsturz ist jedoch mehr als nur ein Abriss; er symbolisiert den Wandel von fossiler Energie zu erneuerbaren Quellen und schafft Platz für ein zukunftsweisendes Projekt der Energiewende.
Der heutige Tag ist der Höhepunkt eines langen Rückbauprozesses, der nach der Stilllegung des Kraftwerks im Jahr 2021 begann. Die Sprengung in Ibbenbüren wurde von Experten präzise vorbereitet, um die Sicherheit der Anwohner zu gewährleisten und den Weg für die Neunutzung des Geländes zu ebnen. Auf dem Areal wird der Übertragungsnetzbetreiber Amprion eine Konverterstation errichten, die künftig Windstrom von der Nordsee in das deutsche Stromnetz einspeisen wird.
Inhaltsverzeichnis
- Der letzte Akt: Details zur Sprengung in Ibbenbüren
- Sicherheitsmaßnahmen: Evakuierung und Sperrungen
- Geschichte des Kraftwerks Ibbenbüren
- Was passierte bisher? Der Rückbau seit 2021
- Zukunft des Standorts: Von Kohle zu Windenergie
- Technische Fakten des Giganten
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Sprengung Ibbenbüren
- Fazit: Ein Wahrzeichen fällt, die Zukunft beginnt
Der letzte Akt: Details zur Sprengung in Ibbenbüren
Am heutigen Sonntag, den 22. Februar 2026, findet die finale große Sprengung in Ibbenbüren statt. Gegen 11:00 Uhr wird nicht nur der 275 Meter hohe Schornstein kontrolliert zum Einsturz gebracht, sondern auch die Rauchgasentschwefelungsanlage (REA) und die Entstickungsanlage (DeNOx). Die Durchführung liegt in den Händen der Hagedorn Unternehmensgruppe, einem Spezialisten für Abriss und Revitalisierung. Für den gezielten Fall des massiven Stahlbetonschornsteins wurden in den vergangenen Wochen zahlreiche Bohrlöcher angebracht und mit Sprengstoff bestückt. Ziel ist ein kontrolliertes Zusammenfallen, um umliegende Bereiche zu schützen.
Welche Gebäudeteile werden heute gesprengt?
Die heutige Aktion ist der letzte große Schritt im Rückbau der Hochbauten. Folgende Anlagenteile werden gesprengt:
- Der 275 Meter hohe Schornstein: Das höchste und markanteste Bauwerk auf dem Gelände.
- Rauchgasentschwefelungsanlage (REA): Diente zur Reinigung der Abgase von Schwefeldioxid.
- Rauchgasentstickungsanlage (DeNOx): Reduzierte die Stickoxid-Emissionen des Kraftwerks.
Diese letzte Sprengung in Ibbenbüren beendet den sichtbaren Teil des Rückbaus. Anschließend beginnen die Aufräumarbeiten und die Vorbereitung des Geländes für die Übergabe an den neuen Eigentümer im Sommer 2026.
Sicherheitsmaßnahmen: Evakuierung und Sperrungen
Die Sicherheit der Bevölkerung hat bei einer Operation dieser Größenordnung oberste Priorität. Deshalb wurden im Vorfeld der Sprengung in Ibbenbüren umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Ein weiträumiger Sicherheitsbereich wurde um das Kraftwerksgelände eingerichtet, der ab 8:00 Uhr morgens gilt.
Anwohner innerhalb dieser Zone mussten ihre Häuser und Wohnungen bis zu diesem Zeitpunkt verlassen. Betroffen sind mehrere hundert Menschen, für die bei Bedarf Ersatzunterkünfte organisiert wurden. Polizei und Ordnungsamt kontrollieren die Einhaltung der Sperrzone strikt. Außerdem gelten weitere Auflagen wie das Schließen von Fenstern. Für alle Fragen hat die Stadt Ibbenbüren eine Bürgerhotline eingerichtet. Auch der Luftraum ist für Drohnen gesperrt, um die Sicherheit nicht zu gefährden.
Geschichte des Kraftwerks Ibbenbüren
Das Kraftwerk Ibbenbüren Block B, dessen letzter Akt die heutige Sprengung ist, hat eine lange Geschichte. Nach dem Baubeginn im Juli 1981 ging es am 19. Juni 1985 erstmals für einen Probebetrieb ans Netz. Offiziell wurde es am 29. November 1985 durch den damaligen NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau in Betrieb genommen. Mit einer Leistung von zuletzt 838 Megawatt diente es hauptsächlich als Grund- und Mittellastkraftwerk und war ein wichtiger Pfeiler der Stromversorgung.
Versorgt wurde die Anlage bis 2018 hauptsächlich mit Anthrazitkohle aus der benachbarten Zeche Ibbenbüren, was die enge Verbindung von Bergbau und Energieerzeugung in der Region unterstreicht. Die Stilllegung erfolgte schließlich im Juli 2021 im Rahmen des deutschen Kohleausstiegs, nachdem RWE für den Block einen Zuschlag in einer Stilllegungsauktion der Bundesnetzagentur erhalten hatte. Damit endete die Ära der Kohleverstromung an diesem Standort.
Was passierte bisher? Der Rückbau seit 2021
Seit der endgültigen Stilllegung im Sommer 2021 liefen die Vorbereitungen für den Rückbau. Ein bedeutender Meilenstein vor der heutigen Sprengung in Ibbenbüren war der 6. April 2025. An diesem Tag wurden bereits das massive Kesselhaus und der 125 Meter hohe Kühlturm niedergelegt. Während das Kesselhaus ebenfalls gesprengt wurde, kam beim Kühlturm ein anderes Verfahren zum Einsatz. Da er auf asbesthaltigen Stützen ruhte, wurde er mit einem Stahlseil kontrolliert zum Einsturz gebracht, um eine Freisetzung von Fasern zu verhindern. Diese Maßnahmen zeigen die Komplexität und die hohen Umweltauflagen bei einem solchen Großprojekt.
Zukunft des Standorts: Von Kohle zu Windenergie
Die Sprengung in Ibbenbüren schafft Platz für ein Schlüsselprojekt der Energiewende in Deutschland. Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion, der das Grundstück 2023 von RWE erwarb, wird hier eine moderne Konverterstation für das Offshore-Netzanbindungssystem „BalWin2“ errichten. Diese Anlage ist entscheidend, um den in Offshore-Windparks in der Nordsee erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom umzuwandeln und in das Übertragungsnetz einzuspeisen. Ab 2030 sollen hier bis zu 2.000 Megawatt grüner Strom ankommen und verteilt werden.
Der Standort Ibbenbüren ist ideal, da die bestehende Netzinfrastruktur des ehemaligen Kraftwerks genutzt werden kann. Dies beschleunigt das Projekt und minimiert Eingriffe in die Landschaft. Die Umwandlung des ehemaligen Kohle-Standorts ist somit ein Symbol für einen gelungenen Strukturwandel, wie auch Politiker verschiedener Parteien betonen.
Video-Empfehlung: Für eindrucksvolle Bilder der vorherigen Sprengung des Kesselhauses im April 2025 empfiehlt sich eine Suche auf YouTube nach „Sprengung Kraftwerk Ibbenbüren April 2025“. Dort finden sich zahlreiche Dokumentationen und Nachrichtenbeiträge, die die Dimensionen des Rückbaus verdeutlichen.
Technische Fakten des Giganten
Die Dimensionen des Kraftwerks und insbesondere des heute fallenden Schornsteins sind beeindruckend. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Daten zusammen:
| Merkmal | Daten |
|---|---|
| Höhe des Schornsteins | 275 Meter |
| Inbetriebnahme Kraftwerk Block B | 1985 |
| Endgültige Stilllegung | 8. Juli 2021 |
| Nettoleistung (zuletzt) | 838 Megawatt |
| Verwendeter Brennstoff | Steinkohle (Anthrazit) |
| Sprengung Kesselhaus/Kühlturm | 6. April 2025 |
| Zukünftige Nutzung | Konverterstation (Amprion BalWin2) |
Diese Zahlen verdeutlichen die ingenieurtechnische Leistung, die sowohl im Bau als auch nun im Rückbau des Kraftwerks steckt. Der Schornstein war eines der höchsten Bauwerke in Nordrhein-Westfalen. Der Rückbau erfordert daher höchste Präzision, wie sie von der Hagedorn Unternehmensgruppe als ausführendem Unternehmen gewährleistet wird.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Sprengung Ibbenbüren
Wann genau findet die Sprengung in Ibbenbüren heute statt?
Die finale Sprengung des Schornsteins und weiterer Anlagenteile des ehemaligen Kraftwerks Ibbenbüren ist für heute, Sonntag, den 22. Februar 2026, gegen 11:00 Uhr geplant.
Was wird bei der Sprengung Ibbenbüren genau abgerissen?
Es werden der 275 Meter hohe Schornstein, die Rauchgasentschwefelungsanlage (REA) und die Rauchgasentstickungsanlage (DeNOx) kontrolliert gesprengt. Es ist der letzte große Abriss von Hochbauten auf dem Gelände.
Warum wird das Kraftwerk in Ibbenbüren gesprengt?
Das Steinkohlekraftwerk wurde 2021 im Zuge des Kohleausstiegs stillgelegt. Die Sprengung ist Teil des vollständigen Rückbaus, um Platz für eine neue Nutzung zu schaffen. Auf dem Areal entsteht eine Konverterstation für Offshore-Windenergie.
Gibt es Evakuierungen und Straßensperrungen?
Ja, für die Sprengung wurde ein großer Sicherheitsbereich eingerichtet. Anwohner in diesem Bereich mussten ihre Häuser bis 8:00 Uhr morgens verlassen. Zudem sind zahlreiche Straßen rund um das Gelände gesperrt.
Was entsteht auf dem Gelände nach der Sprengung?
Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion errichtet auf dem Gelände eine Konverterstation. Diese wird Windstrom aus der Nordsee umwandeln und in das deutsche Stromnetz einspeisen. Die Inbetriebnahme ist für 2030 geplant.
Fazit: Ein Wahrzeichen fällt, die Zukunft beginnt
Die heutige Sprengung in Ibbenbüren ist ein Ereignis mit hoher Symbolkraft. Sie schließt nicht nur das Kapitel der Kohleverstromung an diesem traditionsreichen Standort, sondern leitet auch sichtbar eine neue Phase der Energiegewinnung ein. Der Fall des Schornsteins ist ein wehmütiger Moment für viele Menschen in der Region, die mit dem Kraftwerk aufgewachsen sind. Gleichzeitig ist er jedoch ein notwendiger und positiver Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Energiezukunft. Die schnelle Nachnutzung des Geländes durch ein Schlüsselprojekt der Energiewende zeigt, dass der Strukturwandel in Deutschland aktiv gestaltet wird und neue Perspektiven eröffnet. Die Sprengung ist somit ein lauter, aber hoffnungsvoller Abschied von der Vergangenheit und ein klares Signal für die Zukunft. Weitere Informationen zur Geschichte der Energieerzeugung in der Region finden sich auf der Wikipedia-Seite zum Kraftwerk Ibbenbüren.
Verfasst von: Johannes Weber, Online-Redakteur mit Schwerpunkt auf Energie und Strukturwandel. Er beobachtet die Entwicklungen in der deutschen Industrielandschaft seit über 10 Jahren.