Die Bleierne Zeit der frühen Bundesrepublik, geprägt von Terrorismus und gesellschaftlicher Zerrissenheit, wird in Margarethe von Trottas gleichnamigem Film eindringlich dargestellt. Der Film, inspiriert von den Schwestern Christiane und Gudrun Ensslin, beleuchtet die unterschiedlichen Lebenswege und die tiefe Verbundenheit zweier Frauen in einer politisch turbulenten Ära. Er wirft Fragen nach Radikalisierung, Verantwortung und dem Preis der Ideale auf.

Film-Fakten
- Intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Terrorismus
- Inspirierend durch die Lebensgeschichte der Ensslin-Schwestern
- Prägend für das deutsche Kino der 1980er Jahre
- Thematisiert die Frauenrolle in der Politik
| Titel | Die Bleierne Zeit |
|---|---|
| Originaltitel | Die Bleierne Zeit |
| Regie | Margarethe von Trotta |
| Drehbuch | Margarethe von Trotta |
| Besetzung | Jutta Lampe, Barbara Sukowa, Rüdiger Vogler |
| Genre | Drama, Politfilm |
| Laufzeit | 106 Minuten |
| Kinostart | 1981 |
| FSK | 16 |
| Produktion | bioskop Film, Pro-ject Filmproduktion |
| Verleih | Arthaus |
Unser Eindruck: Ein bewegendes und nachdenklich stimmendes Meisterwerk, das die deutsche Geschichte auf eindringliche Weise beleuchtet.

Schwestern im Schatten der RAF
Margarethe von Trotta, bekannt für ihre Filme über starke Frauenfiguren, schuf mit «Die bleierne Zeit» ein Werk, das die deutsche Nachkriegsgeschichte aus einer sehr persönlichen Perspektive betrachtet. Der Film erzählt die Geschichte von Juliane und Marianne, zwei Schwestern, deren Leben durch die Ereignisse der 1970er Jahre und den Terrorismus der Roten Armee Fraktion (RAF) grundlegend verändert wird. Juliane, eine engagierte Journalistin, versucht, die Motive ihrer Schwester Marianne zu verstehen, die sich dem Untergrund angeschlossen hat.
Marianne, gespielt von Barbara Sukowa, verkörpert die Radikalität und den Idealismus der RAF-Generation. Ihre Schwester Juliane, dargestellt von Jutta Lampe, repräsentiert die rationale und analytische Auseinandersetzung mit den politischen Umständen. Die unterschiedlichen Lebenswege der Schwestern führen zu Spannungen, aber auch zu einem tiefen Verständnis füreinander. Die Geschichte ist lose an die Biografien der Ensslin-Schwestern angelehnt, vermeidet aber eine bloße Nacherzählung der historischen Ereignisse. Stattdessen konzentriert sich der Film auf die emotionalen und psychologischen Auswirkungen des Terrorismus auf die Familien der Beteiligten.
Der Originaltitel des Films, «Marianne und Juliane», wurde später in «Die bleierne Zeit» geändert, um den historischen Kontext stärker zu betonen. (Lesen Sie auch: Die neue Netflix-Serie der Stranger Things-Macher ist…)
Wie inszeniert von Trotta die Zerrissenheit?
Von Trotta gelingt es, die komplexe Thematik des Terrorismus und seiner Folgen auf eine sehr persönliche und berührende Weise zu inszenieren. Sie vermeidet eine einfache Verurteilung der RAF und ihrer Mitglieder, sondern versucht, die Motive und die Hintergründe der Radikalisierung zu beleuchten. Der Film zeigt die Zerrissenheit der Gesellschaft, die zwischen dem Wunsch nach Veränderung und der Angst vor Gewalt hin- und hergerissen ist. Die Kameraarbeit von Franz Rath ist ruhig und beobachtend, sie fängt die Atmosphäre der bleiernen Zeit präzise ein. Der Schnitt von Dagmar Hirtz trägt dazu bei, die Spannung zwischen den unterschiedlichen Perspektiven der Schwestern zu verdeutlichen.
Die Musik von Nicolas Economou unterstreicht die emotionalen Momente des Films, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Von Trotta setzt filmische Mittel gezielt ein, um die innere Welt der Charaktere zu ergründen. Die Dialoge sind prägnant und authentisch, sie spiegeln die unterschiedlichen Weltanschauungen der Schwestern wider. Der Film verzichtet auf spektakuläre Action-Szenen, stattdessen konzentriert er sich auf die psychologischen Auswirkungen des Terrorismus auf die Protagonisten. Die politische Dimension des Films wird durch die Einblendung von Archivmaterial und Nachrichtensendungen verdeutlicht. Wie Die Zeit berichtet, ist «Die bleierne Zeit» ein Schlüsselwerk des Neuen Deutschen Films.
Die schauspielerischen Leistungen
Jutta Lampe und Barbara Sukowa liefern in «Die bleierne Zeit» herausragende schauspielerische Leistungen ab. Lampe verkörpert die Journalistin Juliane mit großer Intensität und Glaubwürdigkeit. Sie zeigt die innere Zerrissenheit einer Frau, die versucht, ihre Schwester zu verstehen, ohne deren Taten zu billigen. Sukowa spielt die radikale Marianne mit einer Mischung aus Verletzlichkeit und Entschlossenheit. Sie macht die Ideale und die Verzweiflung einer Generation spürbar, die sich von der Gesellschaft verraten fühlt. Rüdiger Vogler überzeugt in der Rolle des Ehemanns von Juliane, der versucht, seine Frau in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen.
Die Nebenrollen sind ebenfalls hervorragend besetzt, was zur Authentizität des Films beiträgt. Die Schauspieler verkörpern ihre Figuren mit großer Sorgfalt und Detailgenauigkeit. Die Chemie zwischen den Darstellern ist spürbar, was die emotionalen Beziehungen zwischen den Charakteren verstärkt. Die schauspielerischen Leistungen sind ein wesentlicher Grund für die nachhaltige Wirkung des Films. Sie machen die Geschichte der Schwestern Juliane und Marianne zu einem bewegenden und unvergesslichen Erlebnis.
Margarethe von Trotta recherchierte intensiv für «Die bleierne Zeit» und führte zahlreiche Gespräche mit Angehörigen von RAF-Mitgliedern und Opfern des Terrorismus. (Lesen Sie auch: Nach Mega-Erfolg von Michael: Neue Netflix-Serie beleuchtet…)
Welche Bedeutung hat der Film heute?
«Die bleierne Zeit» ist auch heute noch ein hochaktueller Film, der wichtige Fragen nach politischer Radikalisierung, gesellschaftlicher Verantwortung und dem Umgang mit Gewalt aufwirft. Er erinnert an eine Zeit, in der die Bundesrepublik Deutschland von Terrorismus und gesellschaftlicher Polarisierung geprägt war. Der Film regt dazu an, sich mit den Ursachen und den Folgen des Terrorismus auseinanderzusetzen und über die Bedeutung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit nachzudenken. Er ist ein wichtiger Beitrag zur deutschen Erinnerungskultur und ein Mahnmal gegen jede Form von politischem Extremismus.
Der Film hat auch eine Bedeutung für die Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau in der Politik und in der Gesellschaft. Er zeigt, wie Frauen in den 1970er Jahren für ihre politischen Überzeugungen kämpften und dabei oft mit großen Widerständen konfrontiert wurden. Die Geschichte der Schwestern Juliane und Marianne ist ein Beispiel für die unterschiedlichen Wege, die Frauen in dieser Zeit beschritten haben. Der Film ist ein Plädoyer für Toleranz, Verständnis und die Bereitschaft zum Dialog, auch über ideologische Grenzen hinweg. Laut dem Deutschen Historischen Museum (DHM) prägte die RAF die bundesdeutsche Geschichte nachhaltig.
Für wen lohnt sich «Die bleierne Zeit»?
«Die bleierne Zeit» ist ein Film für alle, die sich für die deutsche Geschichte, politische Themen und starke Frauenfiguren interessieren. Wer Filme wie «Deutschland im Herbst» oder «Der Baader Meinhof Komplex» mochte, wird auch von diesem Werk begeistert sein. Der Film ist anspruchsvoll und regt zum Nachdenken an, er ist aber auch emotional berührend und spannend erzählt. Er ist ein Muss für alle, die sich mit der deutschen Vergangenheit auseinandersetzen wollen und einen Einblick in die Zerrissenheit der bleiernen Zeit suchen. Der Film ist ein wichtiges Zeitdokument, das auch heute noch relevant ist.
Wer sich für die Thematik interessiert, sollte sich auch mit den historischen Hintergründen der RAF auseinandersetzen. Es gibt zahlreiche Bücher, Dokumentationen und Artikel, die die Geschichte des Terrorismus in der Bundesrepublik Deutschland beleuchten. Ein tiefergehendes Verständnis der historischen Zusammenhänge kann dazu beitragen, die Motive und die Handlungen der Protagonisten in «Die bleierne Zeit» besser zu verstehen. Der Film ist ein Ausgangspunkt für eine weiterführende Auseinandersetzung mit einem wichtigen Kapitel der deutschen Geschichte. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb.de) bietet umfangreiches Material zum Thema.

Häufig gestellte Fragen
Worauf basiert der Film «Die bleierne Zeit»?
Der Film ist lose an die Lebensgeschichten der Schwestern Christiane und Gudrun Ensslin angelehnt. Gudrun Ensslin war eine der prominentesten Figuren der Roten Armee Fraktion (RAF), während ihre Schwester Christiane sich als Journalistin mit den politischen Verhältnissen auseinandersetzte.
Welche Themen behandelt der Film «Die bleierne Zeit»?
Der Film thematisiert die politischen Unruhen der 1970er Jahre in Deutschland, den Terrorismus der RAF und die Auswirkungen dieser Zeit auf die Gesellschaft und das persönliche Leben der Protagonisten. Im Zentrum steht die Beziehung zweier Schwestern mit unterschiedlichen politischen Ansichten.
Welche Auszeichnungen hat der Film «Die bleierne Zeit» erhalten?
Der Film wurde mit dem Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig ausgezeichnet. Zudem erhielt er mehrere Deutsche Filmpreise, darunter den Preis für den besten Film und die beste Regie. Er gilt als eines der wichtigsten Werke des Neuen Deutschen Films.
Wo kann man den Film «Die bleierne Zeit» sehen?
Der Film ist auf verschiedenen Streaming-Plattformen verfügbar und kann auch als DVD oder Blu-ray erworben werden. Zudem wird er gelegentlich im Fernsehen gezeigt oder in Programmkinos aufgeführt. Informationen zu aktuellen Verfügbarkeiten finden sich online. (Lesen Sie auch: Kultserie Netflix: Scrubs-Star Erobert Jetzt die Charts!)
Wer führte Regie bei dem Film «Die bleierne Zeit»?
Margarethe von Trotta führte Regie bei «Die bleierne Zeit». Sie ist eine der bedeutendsten deutschen Filmemacherinnen und bekannt für ihre Filme über starke Frauenfiguren und gesellschaftspolitische Themen. Zu ihren weiteren bekannten Werken gehören «Rosa Luxemburg» und «Hannah Arendt».
In «Die bleierne Zeit» gelingt Margarethe von Trotta ein eindringliches Porträt einer zerrissenen Gesellschaft und der persönlichen Schicksale, die von den politischen Ereignissen geprägt wurden. Der Film ist ein wichtiger Beitrag zur Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und ein Mahnmal gegen jede Form von politischem Extremismus.



