Als Präsidentin der Europäischen Kommission steht Ursula von der Leyen auch am 24.03.2026 im Zentrum der europäischen Politik. Seit ihrem Amtsantritt 2019 und ihrer Wiederwahl im Juli 2024 hat sie die Agenda der EU maßgeblich geprägt. Ihre zweite Amtszeit ist von großen Herausforderungen wie der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, der Sicherheitspolitik und der digitalen Transformation Europas bestimmt.
Ursula von der Leyen ist eine deutsche Politikerin der Christlich Demokratischen Union (CDU). Vor ihrer Wahl zur Kommissionspräsidentin hatte sie verschiedene Ministerposten in der deutschen Bundesregierung inne, zuletzt als Verteidigungsministerin. Ihre politische Agenda für die EU bis 2029 umfasst Wohlstand, Sicherheit und die Verteidigung der Demokratie.
Das Wichtigste in Kürze
- Wiederwahl 2024: Ursula von der Leyen wurde am 18. Juli 2024 vom Europäischen Parlament mit 401 Stimmen für eine zweite Amtszeit als EU-Kommissionspräsidentin wiedergewählt.
- Top-Prioritäten: Ihre politischen Leitlinien für 2024-2029 fokussieren auf die Stärkung von Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit in Europa.
- Aktuelle Agenda 2026: Wichtige Themen sind die Unterstützung der Ukraine, die Stärkung des EU-Binnenmarktes («One Europe, One Market») und die Reaktion auf globale Krisen.
- Karriere in Deutschland: Vor ihrer EU-Karriere war sie Bundesministerin für Familie (2005-2009), Arbeit (2009-2013) und Verteidigung (2013-2019).
- European Green Deal: Sie treibt weiterhin die Umsetzung des Europäischen Grünen Deals voran, um Europa bis 2050 klimaneutral zu machen.
- Digitalgesetze: Die Durchsetzung des Digital Services Act (DSA) und des Digital Markets Act (DMA) zur Regulierung von Online-Plattformen ist ein zentraler Punkt ihrer Amtszeit.
Wiederwahl und Prioritäten 2024-2029
Im Juli 2024 sicherte sich Ursula von der Leyen eine zweite fünfjährige Amtszeit an der Spitze der Europäischen Kommission. Mit 401 von 719 möglichen Stimmen erhielt sie im Europäischen Parlament eine solide Mehrheit. In ihrer Antrittsrede skizzierte sie ihre Vision für die kommenden Jahre, die sie unter das Motto «ein stärkeres Europa, das Wohlstand bringt, Menschen beschützt, die Demokratie verteidigt» stellte.
Ein zentrales Anliegen ist die Steigerung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Angesichts des intensiven globalen Wettbewerbs, insbesondere durch staatlich subventionierte Konkurrenten, betonte sie die Notwendigkeit, dass Europa «einen Gang hochschalten» müsse. Dies soll durch die Vollendung der Kapitalmarktunion und massive Investitionen in Schlüsselbereichen wie Digitalisierung und strategische Technologien erreicht werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Umsetzung des Fahrplans «Ein Europa, ein Markt», der bis Ende 2027 den Verwaltungsaufwand reduzieren und den Binnenmarkt vertiefen soll.
Aktuelle Herausforderungen für Ursula von der Leyen 2026
Das Jahr 2026 ist für die Kommission unter Ursula von der Leyen von mehreren geopolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen geprägt. Die fortwährende Unterstützung der Ukraine bleibt eine der höchsten Prioritäten. Von der Leyen hat sich wiederholt für eine starke finanzielle und militärische Hilfe für die Ukraine ausgesprochen, um das Land in die Lage zu versetzen, aus einer Position der Stärke Friedensverhandlungen zu führen. Gleichzeitig äußerte sie sich im Februar 2026 zurückhaltend bezüglich eines festen EU-Beitrittsdatums für die Ukraine bis 2027 und betonte, dass feste Fristen nicht möglich seien.
Zudem erfordert die instabile Lage im Nahen Osten eine Neuausrichtung der EU-Außenpolitik. Von der Leyen plädiert für eine stärker interessengeleitete Außenpolitik, um die EU widerstandsfähiger und souveräner zu machen. Innenpolitisch steht die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit im Fokus. Erst kürzlich, am 24. März 2026, wurde ein weitreichendes Freihandelsabkommen mit Australien unterzeichnet, um Handelsbeziehungen zu diversifizieren und Abhängigkeiten zu verringern.
Der politische Werdegang von Ursula von der Leyen
Ursula von der Leyen, geboren am 8. Oktober 1958 in Brüssel, begann ihre politische Karriere erst relativ spät. Die promovierte Ärztin und Mutter von sieben Kindern trat 1990 der CDU bei. Ihre Laufbahn nahm ab 2003 als niedersächsische Sozialministerin Fahrt auf.
Unter Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde sie 2005 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. In dieser Rolle setzte sie sich unter anderem für das Elterngeld und den Ausbau von Krippenplätzen ein. Von 2009 bis 2013 leitete sie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, bevor sie von 2013 bis 2019 als erste Frau an der Spitze des Bundesverteidigungsministeriums stand. Ihre Zeit im Verteidigungsministerium war von Herausforderungen wie der sogenannten «Berater-Affäre» geprägt. Im Juli 2019 wurde sie vom Europäischen Rat überraschend als Kandidatin für das Amt der EU-Kommissionspräsidentin nominiert und anschließend vom Parlament gewählt.
Wichtigste politische Initiativen
Die Präsidentschaft von Ursula von der Leyen ist untrennbar mit mehreren wegweisenden Initiativen verbunden, die die EU nachhaltig verändern sollen.
European Green Deal
Der Europäische Grüne Deal ist das Kernstück ihrer Agenda. Das 2019 vorgestellte Programm zielt darauf ab, Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen. Es umfasst ein breites Spektrum an Maßnahmen, von der Reform des Emissionshandels über strengere CO2-Vorgaben für Fahrzeuge bis hin zur Förderung erneuerbarer Energien. Bis 2026 soll beispielsweise das CO2-Grenzausgleichssystem (CBAM) vollständig einsatzbereit sein, um zu verhindern, dass europäische Klimaschutzanstrengungen durch Importe aus Ländern mit geringeren Umweltstandards unterlaufen werden.
Digitale Transformation: DSA und DMA
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Gestaltung des digitalen Wandels. Mit dem Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) und dem Gesetz über digitale Märkte (Digital Markets Act, DMA) hat die EU unter ihrer Führung einen weltweit beachteten Regulierungsrahmen für die digitale Wirtschaft geschaffen. Der DSA, der seit Februar 2024 vollständig in Kraft ist, soll für sicherere Online-Räume sorgen, indem er Plattformen stärker in die Pflicht nimmt, gegen illegale Inhalte vorzugehen. Jüngste Entscheidungen, wie die Verhängung eines Bußgeldes gegen die Plattform X im Februar 2026, zeigen die konsequente Durchsetzung dieser Regeln. Der DMA zielt darauf ab, die Marktmacht großer «Gatekeeper»-Plattformen zu begrenzen und für faireren Wettbewerb zu sorgen.
Kritik und Kontroversen
Trotz ihrer politischen Erfolge sieht sich Ursula von der Leyen regelmäßig mit Kritik konfrontiert. Im Oktober 2025 gab es im Europäischen Parlament Debatten über potenzielle Misstrauensanträge. Kritiker aus dem rechtskonservativen Lager warfen ihr mangelnde Transparenz und eine verfehlte Klima- und Migrationspolitik vor, während die Linke einen stärkeren Druck auf Israel forderte. Die Anträge erhielten jedoch keine Mehrheit.
Auch Personalentscheidungen sorgten für Kontroversen. Die Ernennung des CDU-Politikers Markus Pieper zum EU-Mittelstandsbeauftragten im Februar 2024 wurde von einigen als parteipolitisch motiviert und als «Absprache unter Freunden» kritisiert. Zudem gab es im Vorfeld der Europawahl 2024 Kritik an ihrer Offenheit für eine Zusammenarbeit mit der rechtskonservativen EKR-Fraktion. Ihre Pläne zur Einrichtung einer neuen Geheimdiensteinheit innerhalb der Kommission stießen im November 2025 ebenfalls auf Bedenken einiger Mitgliedstaaten.
Persönliches Leben und Familie
Ursula von der Leyen wurde als Tochter des ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (CDU) in die Politik hineingeboren. Sie wuchs bis 1971 in Brüssel auf und spricht fließend Deutsch, Französisch und Englisch. Sie ist mit dem Medizinprofessor Heiko von der Leyen verheiratet und hat sieben erwachsene Kinder. Bevor sie in die Politik ging, studierte sie Volkswirtschaftslehre und Medizin und arbeitete als Ärztin.
| Zeitraum | Amt |
|---|---|
| 2003–2005 | Niedersächsische Ministerin für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit |
| 2005–2009 | Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend |
| 2009–2013 | Bundesministerin für Arbeit und Soziales |
| 2013–2019 | Bundesministerin der Verteidigung |
| Seit 2019 | Präsidentin der Europäischen Kommission |
Quelle: Zusammenstellung basierend auf Daten von Wikipedia und Bundeskanzleramt Österreich.
Fazit: Ursula von der Leyen als Gestalterin Europas
Ursula von der Leyen hat sich als eine der einflussreichsten Politikerinnen Europas etabliert. In ihrer zweiten Amtszeit als EU-Kommissionspräsidentin navigiert sie die Union durch komplexe geopolitische und wirtschaftliche Gewässer. Ihre Agenda, die von der grünen und digitalen Transformation bis hin zur Stärkung der europäischen Souveränität reicht, wird den Kurs der EU in den kommenden Jahren maßgeblich bestimmen. Während ihre Führung von vielen als entschlossen und zukunftsorientiert gelobt wird, muss sie sich auch weiterhin kritischen Debatten stellen, um den Zusammenhalt innerhalb der 27 Mitgliedstaaten zu sichern. Die nächsten Jahre werden zeigen, inwieweit ihre Vision eines starken und wettbewerbsfähigen Europas Realität wird.