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Stefan Horngacher beendet nach Olympia 2026 seine Ära als Bundestrainer der deutschen Skispringer. Der Österreicher kritisiert die deutschen Qualifikationsregeln scharf und bedauert besonders das Olympia-Aus von Karl Geiger. Die Nachfolge-Debatte beim DSV läuft auf Hochtouren, während sich Horngacher auf seinen emotionalen Abschied in Predazzo vorbereitet – dem Ort, wo seine Karriere 1991 begann.
Das Wichtigste in Kürze
- Skisprung-Bundestrainer Stefan Horngacher hört nach der kommenden Olympia-Saison auf und beendet damit seine siebenjährige Ära beim DSV
- Horngacher bedauert, seinen aktuell formstärksten Springer Karl Geiger nicht zu Olympia mitnehmen zu dürfen und kritisiert das deutsche Nominierungssystem
- Horngacher begann 1991 in Predazzo seine Sportlerkarriere und kann dort nun seine Trainerkarriere in Deutschland beenden
- Der DSV wird den Nachfolger voraussichtlich im März 2026 bekannt geben, intern und extern wird nach Kandidaten gesucht
- Der DSV möchte Horngacher nach seinem Rücktritt im System halten und seine Erfahrung im Nachwuchsbereich nutzen
Stefan Horngacher: Ein Österreicher prägt den deutschen Skisport
Stefan Horngacher ist ein österreichischer Skisprungtrainer und ehemaliger Skispringer, der seit April 2019 die deutsche Nationalmannschaft trainiert. Der am 20. September 1969 geborene Tiroler hatte selbst eine erfolgreiche aktive Karriere und gewann 1991 bei der Ski-WM Gold im Team-Großschanzenspringen. Nach seiner aktiven Laufbahn wechselte er ins Trainergeschäft und war von 2016 bis 2019 äußerst erfolgreich als Chefcoach der polnischen Mannschaft tätig, mit Kamil Stochs Gesamtweltcupsieg und Olympiagold in Pyeongchang als Höhepunkten.
2019 trat Horngacher die Nachfolge seines überaus erfolgreichen Landsmannes Werner Schuster an. Zu seinen größten Erfolgen beim DSV zählen das Team-Gold bei der Heim-WM 2021 in Oberstdorf und der Einzel-Titel von Karl Geiger bei der Skiflug-WM 2020 in Planica. Die erhoffte Vierschanzentournee blieb jedoch auch unter seiner Regie aus.
Die überraschende Rücktrittserklärung im Oktober 2025
Im Rahmen der Einkleidung des Deutschen Skiverbandes in Nürnberg hat Bundestrainer Stefan Horngacher überraschend angekündigt, seine Ära als Bundestrainer nach der anstehenden Olympia-Saison 2025/2026 zu beenden. Die Ankündigung kam für viele Beobachter völlig unerwartet. DSV-Sportdirektor Horst Hüttel musste zugeben: «Ich muss das erst einmal etwas sacken lassen. Das kam auch für mich etwas überraschend».
Horngacher begründete die überraschende Ankündigung seines anstehenden Rückzugs: «Ich finde es wichtig, dass ich das schon vor Saisonbeginn kommuniziere, damit es währenddessen keine kritischen Fragen gibt – so ist es auch für die Sportler leichter». Für den 56-Jährigen schließt sich in Predazzo ein Kreis: «Ich habe in Predazzo meine Karriere als Sportler begonnen, das war meine erste WM. Jetzt kann ich meine Trainerkarriere in Deutschland in Predazzo beenden, das ist für mich ein sehr runder Abschluss».
Gründe für den Rücktritt
Die Entscheidung ist wohlüberlegt. Horngacher erklärte, er sei nach den Spielen von Cortina zehn Jahre Nationaltrainer gewesen, drei Saisons für das polnische, sieben für das deutsche Männer-Team, «das zehrt an den Kräften. Ich möchte einfach auch mal was anderes machen, vielleicht auch einen Schritt zurück. Deshalb diese Entscheidung». Einen möglichen Faktor könnte auch sein Unmut über die schleppende Aufarbeitung des Anzugsskandals bei der WM 2025 dargestellt haben.
Das Drama um Karl Geiger: Kritik am deutschen System
Besonders emotional wird die Saison für Horngacher durch das Olympia-Aus von Karl Geiger. Für die vom DOSB vorgegebene Norm hätte Geiger bis zum Weltcup-Wochenende in Sapporo mindestens eine Top-Acht-Platzierung oder zwei Plätze unter den besten 15 benötigt, was ihm nicht gelang. Bitter dabei: Der 32-Jährige kam zuletzt in Fahrt und flog beim Heimweltcup in Willingen sogar auf das Podest – doch die deutschen Regularien lassen eine Olympia-Teilnahme nicht zu.
Horngacher übt scharfe Kritik am System: «Für ihn tut mir das echt leid. Da könnte man vielleicht auch mal über unser System in Deutschland nachdenken». Der Bundestrainer verweist auf die flexibleren Regelungen in Österreich: «In Österreich ist es ein bisschen anders. Da können dann mehr die Trainer entscheiden, wer aktuell der Beste ist und zu Olympia fahren soll».
«Es kommt mit Olympia das größte Event und der eine ist halt im November gut und der andere halt knapp vor Olympia. Dann ist als Trainer eigentlich die Frage: Wen nehme ich mit?», so Horngacher frustriert. Das deutsche Olympia-Team besteht aus Philipp Raimund, Felix Hoffmann, Pius Paschke und Andreas Wellinger. Wie in unserem Artikel über Philipp Raimund berichtet, gehört der junge Springer zu Deutschlands größten Medaillenhoffnungen bei Olympia 2026.
Die aktuelle Saison: Ein Balanceakt für Horngacher
Für Horngacher ist die letzte Saison als Bundestrainer der deutschen Skispringer eine Herausforderung: «Es kostet aktuell sehr viel Energie und Kraft. Definitiv». Die Vierschanzentournee verlief enttäuschend für die deutschen Routiniers, während junge Springer wie Felix Hoffmann und Philipp Raimund überzeugten.
Auch die Skiflug-WM in Oberstdorf Ende Januar 2026 brachte nicht den erhofften Erfolg. Im Team reichte es nur zu Rang vier, im Einzel war Raimund als abgeschlagener 13. der Klassenbeste. Dennoch bleibt Horngacher optimistisch für Olympia und formuliert ambitionierte Medaillenziele für sein Team.
Die Nachfolge-Debatte: Wer wird neuer Bundestrainer?
DSV-Sportdirektor Horst Hüttel kündigte an: «Es wird sicherlich nicht vor Olympia passieren, aber wahrscheinlich im März. Wir reden mit mehreren Leuten, schauen aber natürlich zunächst mal unsere Leute an, schon aus Gründen der Wertschätzung». Die Suche läuft auf Hochtouren, sowohl interne als auch externe Lösungen sind denkbar.
Die Kandidaten im Überblick
Thomas Thurnbichler (36), zuvor Polen-Coach mit scharfem Blick für den Nachwuchs, ist derzeit B-Kader-Trainer und gilt als Topfavorit. Andreas Mitter, der derzeitige Horngacher-Assistent, war schon Cheftrainer in Finnland und ist ein wichtiger Faktor hinter dem Aufstieg von Felix Hoffmann. Auch Heinz Kuttin (55), einst Österreichs Männer-Chefcoach, arbeitet erfolgreich als Frauen-Bundestrainer.
Weitere Namen in der Diskussion sind Martin Schmitt, der als Talentscout und «Leitender Trainer Nachwuchs» beim DSV firmiert und seinen Trainerschein mit einem Schnitt von 1,0 gemacht hat, sowie Werner Schuster, Horngachers erfolgreicher Vorgänger. Ein spannender Hinweis kam von Hüttel selbst: Es sei sehr gut möglich, dass «der neue Bundestrainer in den nächsten zwei Wochen in Predazzo an der Schanze stehen wird» – was auf einen aktiven Trainer bei Olympia hindeutet.
| Kandidat | Aktuelle Position | Stärken |
|---|---|---|
| Thomas Thurnbichler | B-Kader-Trainer DSV | Nachwuchsarbeit, Ex-Polen-Coach |
| Andreas Mitter | Co-Trainer DSV | Erfahrung als Cheftrainer (Finnland) |
| Heinz Kuttin | Frauen-Bundestrainer DSV | Erfolgreich, Ex-Österreich-Coach |
| Martin Schmitt | Nachwuchs-Chef DSV | Legende, Trainerschein 1,0 |
| Werner Schuster | Nachwuchs-Chef DSV | Sehr erfolgreich als Bundestrainer |
Horngachers Zukunft: Verbleib beim DSV wahrscheinlich
DSV-Sportdirektor Horst Hüttel kündigte an: «Wir werden schauen, dass Stefan Horngacher weiter bei uns im System bleibt und seine Erfahrung am Stützpunkt, im Landesskiverband oder Nachwuchs einbringt». Horngacher selbst deutete an: «Zum Beine hochlegen reicht es noch nicht. Es gibt auch andere Jobs im Deutschen Skiverband. Da werden wir Gespräche führen und sehen, wo die Reise hingeht».
Spekulationen gibt es auch über eine mögliche Rückkehr nach Polen. Ein polnischer Verbandsvertreter äußerte, Horngacher werde «wahrscheinlich Sportdirektor» beim DSV. Horngacher selbst bleibt vage: «Es gibt Gespräche – auch mit dem DSV –, die werden sich in Zukunft aber auch noch ausweiten. Ich vermute, das wird erst nach Olympia richtig interessant. Dann sehen wir, wo die Reise hingeht. Ich will in diesem Sport bleiben. Ob als Trainer oder Funktionär, wird sich zeigen».
Olympia 2026: Der emotionale Abschied steht bevor
Die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo werden für Stefan Horngacher zu einem emotionalen Höhepunkt. In Predazzo gewann der Österreicher 1991 seine erste WM-Medaille, als er mit dem österreichischen Quartett Mannschafts-Gold gewann – 2026 will er die deutschen Herren als Cheftrainer zu einer Medaille in der selben Farbe führen.
«Stef, der Chef» winkte seine Springer in Bischofshofen cool ab, der Ruhepuls blieb auf Zimmertemperatur. Zum emotionalen Wirbelwind wird Stefan Horngacher auch in seinen letzten Wochen als Bundestrainer nicht. Doch hinter der kühlen Fassade verbirgt sich ein Mann, der alles für seine Springer gibt. Mehr zum deutschen Skispringen bei Olympia erfahren Sie in unserem Live-Ticker zum Skispringen heute.
Häufig gestellte Fragen zu Stefan Horngacher
Warum hört Stefan Horngacher als Bundestrainer auf?
Horngacher beendet nach sieben Jahren seine Tätigkeit als Bundestrainer aus persönlichen Gründen. Die zehn Jahre als Nationaltrainer (drei Jahre Polen, sieben Jahre Deutschland) haben an seinen Kräften gezehrt. Er möchte einen Schritt zurücktreten, bleibt aber dem Skisport erhalten. Zudem schließt sich für ihn in Predazzo ein emotionaler Kreis, wo 1991 seine Sportlerkarriere begann.
Wer wird Nachfolger von Stefan Horngacher?
Der DSV wird die Entscheidung voraussichtlich im März 2026 bekannt geben. Als Favoriten gelten Thomas Thurnbichler (derzeit B-Kader-Trainer), Andreas Mitter (Co-Trainer), Heinz Kuttin (Frauen-Bundestrainer) und Martin Schmitt (Nachwuchs-Chef). Auch externe Lösungen sind nicht ausgeschlossen. Der DSV sucht nach Qualität, unabhängig von der Nationalität.
Warum darf Karl Geiger nicht zu Olympia 2026?
Karl Geiger erfüllte die vom DOSB vorgegebene Olympia-Norm nicht rechtzeitig. Er hätte bis zum Stichtag in Sapporo eine Top-8-Platzierung oder zwei Top-15-Platzierungen benötigt, was ihm nicht gelang. Obwohl er danach in Willingen auf das Podest sprang und in Topform kam, war die Nominierungsfrist bereits abgelaufen. Horngacher kritisiert dieses starre System scharf.
Welche Erfolge hatte Stefan Horngacher als Bundestrainer?
Zu Horngachers größten Erfolgen zählen das Team-Gold bei der Heim-WM 2021 in Oberstdorf und der Skiflug-Weltmeistertitel von Karl Geiger 2020 in Planica. Unter seiner Leitung gewannen deutsche Springer zahlreiche Weltcup-Springen. Der erhoffte Tourneesieg blieb jedoch aus. Als Trainer der polnischen Mannschaft führte er Kamil Stoch zuvor zu Olympiagold 2018 und zum Gesamtweltcupsieg.
Wie geht es für Horngacher nach Olympia 2026 weiter?
Horngacher möchte im Skisport aktiv bleiben, ob als Trainer oder Funktionär. Der DSV bemüht sich um einen Verbleib im System, etwa als Sportdirektor oder im Nachwuchsbereich. Es gibt auch Spekulationen über eine Rückkehr nach Polen, doch Horngacher lässt sich alle Optionen offen. Konkrete Entscheidungen will er erst nach Olympia treffen.
Fazit: Das Ende einer Ära im deutschen Skispringen
Stefan Horngacher hinterlässt beim deutschen Skispringen große Fußstapfen. Seine siebenjährige Amtszeit war geprägt von Höhen und Tiefen, doch seine ruhige, professionelle Art und sein taktisches Geschick haben das deutsche Team stabilisiert. Das Drama um Karl Geiger zeigt, wie sehr ihm seine Athleten am Herzen liegen und dass er nicht immer mit dem deutschen System konform geht.
Mit den Olympischen Spielen 2026 in Predazzo endet eine emotionale Reise – genau dort, wo sie 1991 als aktiver Springer begann. Die Nachfolge-Debatte ist in vollem Gange, doch eines ist sicher: Stefan Horngacher wird dem Skisport erhalten bleiben, möglicherweise in neuer Funktion beim DSV. Seine Expertise und Erfahrung sind zu wertvoll, um sie zu verlieren. Für die deutschen Springer gilt es nun, ihrem scheidenden Chef einen würdigen Abschied zu bereiten – am besten mit einer Olympia-Medaille.