Am 11. Februar 2026 hat vor dem Landgericht Saarbrücken der Prozess um die tödlichen Schüsse auf den Polizeibeamten Simon Bohr begonnen. Der 19-jährige Angeklagte Ahmet G. legte zum Prozessauftakt ein Geständnis ab und bestätigte, die tödlichen Schüsse abgegeben zu haben. Die Tat vom 21. August 2025 erschütterte ganz Deutschland und wird als einer der dunkelsten Tage in der Geschichte der saarländischen Polizei bezeichnet.
Das Wichtigste in Kürze
- Am 11. Februar 2026 begann der Mordprozess gegen Ahmet G. wegen der Tötung von Polizist Simon Bohr vor dem Landgericht Saarbrücken.
- Der Angeklagte gestand die tödlichen Schüsse und gab an, Angst um sein Leben gehabt zu haben.
- Simon Bohr wurde am 21. August 2025 nach einem Tankstellenraub in Völklingen erschossen – er hinterlässt Frau und zwei Töchter.
- Nach einem Gerangel entriss der Täter einem Polizeianwärter die Dienstwaffe und feuerte insgesamt 17 Patronen ab.
- Die Anklage lautet auf Mord aus Mordlust und Grausamkeit – dem Angeklagten droht eine hohe Jugendstrafe.
Prozessauftakt: Witwe erscheint vor Gericht
Der Prozess begann unter großer öffentlicher Anteilnahme. Bereits seit 8 Uhr morgens harrten Zuschauer vor dem Landgericht aus, doch nur etwa 100 Personen fanden Platz im größten Saal des Gerichts. Die Witwe von Simon Bohr erschien persönlich zur Verhandlung – begleitet von einer Opferbetreuerin. Sie zeigte sich ausdrücklich bereit, sich der Öffentlichkeit zu zeigen, wie ihre Nebenkläger-Anwältin Rosetta Puma erklärte. Ein starkes Zeichen der Courage in einer Zeit unvorstellbaren Schmerzes.
Als Oberstaatsanwalt Christian Nassiri die Anklageschrift verlas und die letzten Momente ihres Mannes schilderte, kämpfte die Witwe immer wieder mit den Tränen. Der Angeklagte hingegen wirkte während der gesamten Verhandlung weitgehend unbeteiligt und abwesend.
Die tragischen Ereignisse vom 21. August 2025
Mit erschreckenden Details startete der Prozess um die tödlichen Schüsse auf den Polizeibeamten Simon Bohr. Die Staatsanwaltschaft zeichnete ein detailliertes Bild der Geschehnisse jenes Augustabends in Völklingen.
Der Ablauf der Tat
Nach den Erkenntnissen der Ermittler griff sich Ahmet G. am Nachmittag des 21. August ein stumpfes Messer und eine schwarze Boxershorts. Gegen 18 Uhr betrat er maskiert eine Aral-Tankstelle an der Karolingerstraße in Völklingen und bedrohte die Angestellten mit dem Messer. Er erbeutete 580 Euro, steckte sie in den Hosenbund und flüchtete zu Fuß.
Zwei Polizeibeamte – der 34-jährige Polizeioberkommissar Simon Bohr und ein Kommissaranwärter – nahmen sofort die Verfolgung auf. Der Täter kam noch durch eine dunkle Bahnunterführung bis zum Stadtbad, bevor ihn die Polizei stellte. Was folgte, war eine Tragödie, die das gesamte Land erschüttern sollte.
Der tödliche Schusswechsel
Als ein Polizeianwärter sich auf ihn stürzte, konnte Ahmet G. ihm die Dienstwaffe entreißen – eine Heckler & Koch vom Typ SFP9 mit 17 Patronen Kaliber 9 Millimeter. Um 18:05 Uhr und 42 Sekunden feuerte der Täter etwa fünf Mal auf Simon Bohr und den Polizeianwärter. Dem jungen Kollegen rettete die kugelsichere Weste das Leben.
Doch für Simon Bohr kam jede Hilfe zu spät. Simon Bohr ging getroffen zu Boden. Jetzt wäre der richtige Moment für Ahmet G. gewesen, unerkannt zu flüchten. Doch er entschied sich anders. Er ging auf den wehrlosen Beamten zu und gab aus nächster Nähe mehrere Schüsse ab. Gezielt auf die Körperstellen, die nicht von einer Weste geschützt sind. Den letzten Schuss bekam der Polizist mit fast auf den Kopf aufgesetzter Waffe ab.
Um 19:09 Uhr mussten die Notfallmediziner den Kampf um Simon Bohrs Leben schließlich aufgeben. Der Vater zweier Töchter verstarb im Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg an seinen schweren Verletzungen.
Das Geständnis des Angeklagten
Im Prozess um den getöteten Polizeibeamten Simon Bohr hat der angeklagte Ahmet G. ein Geständnis abgelegt. Der 19-Jährige berichtete jedoch nicht selbst über die Tat, sondern ließ seinen Verteidiger Michael Rehberger eine Erklärung verlesen.
Laut dieser Darstellung sei der Angeklagte in Panik geraten, als der große Streifenwagen angefahren sei. Er habe gesehen, dass Simon Bohr auf ihn geschossen hätte und auch etwas verspürt, das ihn getroffen habe. Tatsächlich hatte der Polizeibeamte einen Taser abgefeuert. Der Völklinger sei daraufhin immer weiter in Panik geraten. «Er hatte Angst um sein Leben», erklärte Rechtsanwalt Rehberger.
Der Angeklagte räumte ein, die Waffe aus dem Holster des Polizeischülers gegriffen und geschossen zu haben. Auch die weiteren Schüsse aus nächster Nähe auf Simon Bohr sowie auf die später hinzukommenden Beamten gab er zu. Nachfragen des Gerichts, der Nebenkläger, der Staatsanwaltschaft oder der Gutachter ließ der Angeklagte nicht zu.
Wer war Simon Bohr?
Simon Bohr war Polizist, Vater von zwei Töchtern, Ehemann, Sohn, Bruder und Kollege. Geboren am 20. Februar 1991 in Saarlouis, hatte er sich früh für den Polizeiberuf entschieden. «Ich wollte einen Beruf, der abwechslungsreich, spannend, herausfordernd und vielseitig ist. Schon früh hat mich die Polizei fasziniert – bis heute habe ich meine Entscheidung nie bereut», sagte er in einem Interview mit der Jungen Polizei Saarland.
Als Polizeioberkommissar bei der Polizeiinspektion Völklingen war Simon Bohr bekannt für sein Engagement und seine Menschlichkeit. «Er war ein unglaublich positiver Mensch», sagte Pfarrer Beckers bei der Trauerfeier. «Er war professionell, zuverlässig und zugewandt», fügte Polizeiseelsorger Hubertus Kesselheim hinzu. Er sei selbstlos gewesen, habe sich für jeden eingesetzt und nie schlecht über andere geredet.
Trauer und Gedenken im ganzen Land
Ende August 2025 nahmen mehr als 1.500 bis 2.000 Menschen am Trauermarsch in Saarlouis teil, um Simon Bohr die letzte Ehre zu erweisen. Hunderte Polizisten in Uniform, viele mit weißen Rosen in den Händen, begleiteten den Sarg über 1,6 Kilometer durch die Stadt zum Friedhof Neue Welt. Am 5. September fand eine offizielle Gedenkveranstaltung in der Saarlandhalle statt, an der über tausend Menschen teilnahmen – darunter Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, Ministerpräsidentin Anke Rehlinger und Vertreter aus Politik, Justiz und Kirche.
Nach dem Tod von Simon Bohr wurden der Landespolizeidirektion über 330 mutmaßlich strafrechtlich relevante Hasspostings im Internet bekannt. Das Landeskriminalamt richtete daraufhin die Ermittlungsgruppe «Hate Speech» ein. Am 4. Februar 2026 vollstreckte die Polizei mehrere Durchsuchungsbeschlüsse in insgesamt acht Objekten, davon vier im Saarland sowie jeweils eines in Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.
Ähnlich tragische Fälle von Polizeigewalt bewegen Deutschland immer wieder. Auch die Berichte über den Polizistenmord im Saarland zeigen, wie gefährlich der Polizeiberuf sein kann.
Die rechtliche Bewertung
Die Staatsanwaltschaft wirft Ahmet G. Mord vor. Die Anklage stützt sich auf die Mordmerkmale Grausamkeit und Mordlust. Der Angeklagte soll gezielt auf die nicht geschützten Körperstellen von Simon Bohr geschossen haben, während dieser bereits am Boden lag und wehrlos war. Der letzte Schuss sei mit fast aufgesetzter Waffe auf den Kopf des Polizisten abgegeben worden.
Der Verteidiger Michael Rehberger kündigte an, dass nach seiner Ansicht Jugendstrafrecht angewendet werde, da der Angeklagte zur Tatzeit 18 Jahre alt war. Für den Prozess sind zahlreiche Verhandlungstermine angesetzt. Es wird erwartet, dass das Verfahren mehrere Monate dauern wird.
Tabelle: Chronologie des Falls Simon Bohr
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 21.08.2025, 18:01 Uhr | Raubüberfall auf Aral-Tankstelle in Völklingen |
| 21.08.2025, 18:05 Uhr | Schusswechsel zwischen Polizei und Täter |
| 21.08.2025, 19:09 Uhr | Simon Bohr stirbt im Universitätsklinikum Homburg |
| 30.08.2025 | Trauerfeier und Beisetzung in Saarlouis mit 1.500-2.000 Teilnehmern |
| 05.09.2025 | Offizielle Gedenkveranstaltung in der Saarlandhalle |
| 04.02.2026 | Durchsuchungen wegen Hasspostings in acht Bundesländern |
| 11.02.2026 | Prozessauftakt vor dem Landgericht Saarbrücken – Angeklagter gesteht |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wer war Simon Bohr?
Simon Bohr war ein 34-jähriger Polizeioberkommissar aus Saarlouis, der bei der Polizeiinspektion Völklingen im Saarland tätig war. Er war verheiratet, Vater von zwei Töchtern und wurde von Kollegen als professionell, zuverlässig und zugewandt beschrieben. Am 21. August 2025 wurde er während eines Einsatzes erschossen.
Was geschah am 21. August 2025 in Völklingen?
Am 21. August 2025 überfiel der 18-jährige Ahmet G. eine Tankstelle in Völklingen und erbeutete 580 Euro. Bei der anschließenden Verfolgung durch die Polizei entriss er einem Polizeianwärter die Dienstwaffe und erschoss den Polizeioberkommissar Simon Bohr mit mehreren gezielten Schüssen.
Wann begann der Prozess gegen den Täter?
Der Prozess gegen den 19-jährigen Ahmet G. begann am 11. Februar 2026 vor dem Landgericht Saarbrücken. Der Angeklagte legte zum Prozessauftakt ein Geständnis ab und erklärte über seinen Verteidiger, er habe in der Situation Angst um sein Leben gehabt.
Welche Strafe droht dem Angeklagten?
Die Staatsanwaltschaft wirft Ahmet G. Mord aus Grausamkeit und Mordlust vor. Da er zur Tatzeit 18 Jahre alt war, wird voraussichtlich Jugendstrafrecht angewendet. Im Fall einer Verurteilung wegen Mordes droht ihm eine Jugendstrafe von bis zu zehn Jahren, in besonders schweren Fällen kann auch eine Jugendstrafe von bis zu 15 Jahren verhängt werden.
Wie reagierte die Öffentlichkeit auf den Tod von Simon Bohr?
Der Tod von Simon Bohr löste bundesweit Entsetzen und Trauer aus. An der Trauerfeier in Saarlouis nahmen 1.500 bis 2.000 Menschen teil, darunter hunderte Polizisten in Uniform. Eine offizielle Gedenkveranstaltung mit über tausend Gästen fand in der Saarlandhalle statt, an der auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt teilnahm. Am Tatort legten viele Menschen Blumen nieder.
Warum wird der Fall als besonders schwerwiegend eingestuft?
Die Tat gilt als besonders grausam, weil der Täter auf den bereits am Boden liegenden und wehrlosen Polizisten aus nächster Nähe mehrfach schoss – gezielt auf ungeschützte Körperstellen. Der letzte Schuss wurde mit fast aufgesetzter Waffe auf den Kopf abgegeben. Die Staatsanwaltschaft wertet dies als Hinrichtung und sieht die Mordmerkmale Grausamkeit und Mordlust als erfüllt an.
Fazit: Ein Fall, der Deutschland bewegt
Der Prozess um die Tötung von Simon Bohr ist nicht nur ein juristisches Verfahren, sondern ein Symbol für die Gefahren, denen Polizeibeamte täglich ausgesetzt sind. Simon Bohr wurde nur 34 Jahre alt – er starb im Dienst, während er versuchte, einen Straftäter zu stellen und die Bürger zu schützen. Sein Tod hinterlässt eine tiefe Wunde in den Herzen seiner Familie, seiner Kollegen und der gesamten saarländischen Bevölkerung.
Das Geständnis des Angeklagten zum Prozessauftakt ist ein wichtiger Schritt zur Aufklärung der Tat. Doch es bleiben Fragen: Warum eskalierte die Situation so dramatisch? Hätte die Tragödie verhindert werden können? Die kommenden Verhandlungstermine werden hoffentlich Antworten liefern und der Familie von Simon Bohr zumindest ein Stück Gerechtigkeit bringen.
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Quellen: