„Ich bereue sehr, dass das geschehen ist.“ Diese Worte des Angeklagten hallten im Gerichtssaal, als der Prozess um den sexuellen Missbrauch eines sechsjährigen Mädchens in Rulantica begann. Doch hinter der Fassade des Bedauerns verbergen sich schwere Vorwürfe der Eltern, die im Rulantica Prozess dem Europa-Park Versagen vorwerfen. Hätte die Tat verhindert werden können, wenn das Personal aufmerksamer gewesen wäre?

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Was wird dem Europa-Park im Rulantica Prozess vorgeworfen?
Im Kern des Rulantica Prozesses steht der Vorwurf, dass das Personal des Europa-Parks in Rulantica nicht angemessen auf das Verschwinden des Mädchens reagiert hat. Die Eltern geben an, dass ihre wiederholten Hilferufe ignoriert wurden, keine Durchsagen erfolgten, Videoaufnahmen nicht gesichtet und die Sicherheitskräfte nicht alarmiert wurden. Dies habe es dem Täter ermöglicht, das Bad mit dem Kind zu verlassen.
Ein warmer Augustabend, das Lachen von Kindern, das tosende Wasser – Rulantica, die Wasserwelt des Europa-Parks, verspricht Spaß und Abenteuer für die ganze Familie. Doch für eine Familie aus Südbaden wurde dieser Tag zum Albtraum. Ihre sechsjährige Tochter verschwand spurlos. Was folgte, war eine verzweifelte Suche, die in einem Maisfeld ein schreckliches Ende fand: Das Mädchen wurde Opfer sexuellen Missbrauchs.
Nun, Monate später, steht der mutmaßliche Täter vor dem Landgericht Freiburg. Doch der Prozess wirft nicht nur ein Schlaglicht auf die grausame Tat, sondern auch auf das Verhalten des Europa-Parks und seines Personals. Die Eltern des Opfers erheben schwere Vorwürfe: Hätte die Tat verhindert werden können, wenn das Personal in Rulantica aufmerksamer gewesen wäre?
Rechtsanwalt Thorsten Schulte-Günne, der das Kind als Nebenkläger vertritt, schildert die dramatischen Stunden des Verschwindens. «Wiederholt hätten sich die Eltern nach dem Verschwinden ihrer jungen Tochter an jenem Augustabend an das Personal des Bades gewandt und um Hilfe gebeten.» Doch ihre Hilferufe sollen ungehört verhallt sein.
Eltern-Info
- Achten Sie in Freizeitparks und Schwimmbädern immer auf die Nähe zu Ihren Kindern.
- Vereinbaren Sie einen Treffpunkt für den Fall, dass Sie sich verlieren.
- Prägen Sie Ihren Kindern ein, sich im Notfall an das Personal zu wenden.
- Melden Sie ein vermisstes Kind sofort beim Personal und bestehen Sie auf eine umfassende Suche.
Keine Hilfe, keine Durchsagen?
Laut Schulte-Günne wurden weder Durchsagen gemacht, noch habe die Aufsicht die Videoaufnahmen gesichtet oder die Security alarmiert. Auch die Kasse am Ausgang sei nicht informiert worden. «Hätte das Personal seine Pflichten nicht verletzt, wäre es möglicherweise gar nicht erst zu der Tat gekommen», so Schulte-Günne. (Lesen Sie auch: Rulantica Prozess: Geständnis Erschüttert den Freiburger Gerichtssaal)
Der Europa-Park selbst äußert sich zu den Vorwürfen nicht. «Man äußere sich nicht zu laufenden Gerichtsverfahren», hieß es auf Anfrage. EineStandardformulierung, die die Eltern des Opfers jedoch kaum trösten dürfte.
Die Frage, die nun im Raum steht, ist: Welche Verantwortung trägt der Europa-Park für die Sicherheit seiner Gäste? Und wie hätte die Tat verhindert werden können? Ein Blick auf die Sicherheitsmaßnahmen in Rulantica zeigt, dass der Park durchaus Vorkehrungen getroffen hat. So gibt es beispielsweise ein umfassendes Videoüberwachungssystem und geschultes Personal, das für die Sicherheit der Gäste zuständig ist. Doch offenbar haben diese Maßnahmen im konkreten Fall versagt.
Ein Beispiel aus dem Familienalltag: Stellen Sie sich vor, Sie sind mit Ihren Kindern auf einem belebten Weihnachtsmarkt. Plötzlich ist eines Ihrer Kinder verschwunden. Sie wenden sich an einen der Verkäufer, doch dieser winkt nur ab. «Das Kind wird schon wieder auftauchen», sagt er und widmet sich dem nächsten Kunden. In dieser Situation würden Sie sich hilflos und alleingelassen fühlen. Ähnlich müssen sich die Eltern des Mädchens in Rulantica gefühlt haben.
Der Fall Rulantica wirft ein Schlaglicht auf die Notwendigkeit, Sicherheitsmaßnahmen in Freizeitparks und Schwimmbädern immer wieder zu überprüfen und zu verbessern. Es reicht nicht aus, Kameras zu installieren und Personal einzustellen. Es ist entscheidend, dass das Personal im Ernstfall auch richtig reagiert und die notwendigen Schritte einleitet.
Besprechen Sie mit Ihren Kindern, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie sich in einem Freizeitpark oder Schwimmbad verirren. Vereinbaren Sie einen Treffpunkt und prägen Sie ihnen ein, sich an das Personal zu wenden.
Das Geständnis des Angeklagten
Vor dem Landgericht Freiburg gestand der angeklagte 31-Jährige, das Mädchen aus dem Erlebnisbad gelockt und in einem Maisfeld sexuell missbraucht zu haben. «Ich bereue sehr, dass das geschehen ist. Ich kann mir auch nicht erklären, wie es dazu kommen konnte», ließ der Rumäne über seinen Anwalt erklären. Zu Details und offenen Fragen will er sich im Laufe des Prozesses äußern. Laut Stern hatten sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Kammer zuvor auf einen Strafrahmen verständigt. Wahrscheinlich ist nun laut dem Vorsitzenden Richter eine Haftstrafe zwischen mindestens drei Jahren und neun Monaten sowie höchstens vier Jahren und neun Monaten Gefängnis. Den Eltern des Opfers wurde zum Schutz des Kindes eine Aussage hinter verschlossenen Türen gestattet. (Lesen Sie auch: Entführung Missbrauch im Rulantica Bad: Was Geschah…)
Der Fall Rulantica sorgte im Sommer 2025 bundesweit für Entsetzen. Das Mädchen wurde Stunden später mehrere Kilometer entfernt gefunden. Die Ermittlungen ergaben, dass der Täter das Kind offenbar gezielt angesprochen und unter einem Vorwand aus dem Bad gelockt hatte.
Die Tragödie hätte verhindert werden können, wenn die Sicherheitsvorkehrungen besser funktioniert hätten. Dies ist der Vorwurf der Eltern, der nun im Rulantica Prozess verhandelt wird. Der Fall wirft grundsätzliche Fragen nach der Sicherheit von Kindern in öffentlichen Einrichtungen auf. Wie können solche Taten in Zukunft verhindert werden? Welche Verantwortung tragen Betreiber von Freizeitparks und Schwimmbädern?
Die Politik hat bereits reagiert und fordert eine Überprüfung der Sicherheitskonzepte in Freizeitparks und Schwimmbädern. Das Bundesjustizministerium hat angekündigt, die Gesetze zum Schutz von Kindern und Jugendlichen zu verschärfen. Auch die Betreiber von Freizeitparks und Schwimmbädern sind gefordert, ihre Sicherheitsmaßnahmen zu verbessern.
Welche Konsequenzen hat der Fall Rulantica?
Der Rulantica Prozess könnte weitreichende Konsequenzen haben. Nicht nur für den Täter, der mit einer langen Haftstrafe rechnen muss, sondern auch für den Europa-Park. Wenn das Gericht zu dem Schluss kommt, dass das Personal in Rulantica seine Pflichten verletzt hat, drohen dem Park Schadenersatzforderungen und Imageschäden. Darüber hinaus könnte der Fall dazu führen, dass die Sicherheitsvorkehrungen in Freizeitparks und Schwimmbädern bundesweit verschärft werden.

Es ist wichtig, dass die Verantwortlichen aus diesem Fall lernen und alles daransetzen, solche Tragödien in Zukunft zu verhindern. Denn die Sicherheit unserer Kinder muss oberste Priorität haben. Wie die Polizei Baden-Württemberg immer wieder betont, ist Prävention der Schlüssel zur Verhinderung von Straftaten.
Sprechen Sie offen mit Ihren Kindern über mögliche Gefahren und wie sie sich in Notsituationen verhalten sollen. Sensibilisieren Sie sie für das Thema sexuelle Gewalt und ermutigen Sie sie, sich Ihnen oder anderen Vertrauenspersonen anzuvertrauen, wenn sie sich unwohl fühlen. (Lesen Sie auch: Rulantica Kind Vermisst: Wie Konnte das Mädchen…)
Der Rulantica Prozess ist ein Mahnmal. Er erinnert uns daran, dass wir alle Verantwortung tragen, wenn es um die Sicherheit unserer Kinder geht. Eltern, Betreiber von Freizeitparks und Schwimmbädern, Politik und Gesellschaft – wir alle müssen zusammenarbeiten, um eine sichere Umgebung für unsere Kinder zu schaffen.
Häufig gestellte Fragen
Welche Vorwürfe werden im Rulantica Prozess gegen den Europa-Park erhoben?
Dem Europa-Park wird vorgeworfen, dass das Personal in Rulantica nicht angemessen auf das Verschwinden des Mädchens reagiert hat. Die Eltern bemängeln fehlende Durchsagen, unterlassene Sichtung von Videoaufnahmen und die Nicht-Alarmierung der Sicherheitskräfte.
Wie hat der Europa-Park auf die Vorwürfe im Rulantica Prozess reagiert?
Der Europa-Park hat sich bislang nicht zu den konkreten Vorwürfen geäußert und verweist auf das laufende Gerichtsverfahren. Es wurde lediglich mitgeteilt, dass man sich nicht zu laufenden Verfahren äußern werde.
Welche Strafe droht dem Angeklagten im Rulantica Prozess?
Dem Angeklagten droht eine Haftstrafe zwischen drei Jahren und neun Monaten sowie höchstens vier Jahren und neun Monaten Gefängnis. Dies wurde im Vorfeld zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Kammer vereinbart. (Lesen Sie auch: Kindstod Tirol: Eltern Wegen Mordes an 3-Jährigem…)
Welche Konsequenzen könnte der Rulantica Prozess für den Europa-Park haben?
Sollte das Gericht eine Pflichtverletzung des Personals feststellen, drohen dem Europa-Park Schadenersatzforderungen und Imageschäden. Zudem könnte der Fall zu einer bundesweiten Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen in Freizeitparks führen.
Was können Eltern tun, um ihre Kinder in Freizeitparks besser zu schützen?
Eltern sollten immer in der Nähe ihrer Kinder bleiben, einen Treffpunkt vereinbaren, ihren Kindern einprägen, sich im Notfall an das Personal zu wenden und ein vermisstes Kind sofort beim Personal melden.
Die Tragödie von Rulantica hat tiefe Wunden hinterlassen. Doch sie bietet auch die Chance, aus Fehlern zu lernen und die Sicherheit unserer Kinder zu verbessern. Es liegt an uns allen, dafür zu sorgen, dass sich solche Taten niemals wiederholen. Ein konkreter Tipp für Familien: Üben Sie mit Ihren Kindern regelmäßig, wie sie sich in verschiedenen Notsituationen verhalten sollen. Dies kann ihnen im Ernstfall helfen, richtig zu reagieren und sich selbst zu schützen.



