Der Traum von unvorstellbarer Rechenleistung wird in Garching bei München Realität. Ein neuer Quantencomputer, der am Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) in Betrieb genommen wurde, soll komplexe Probleme lösen, an denen selbst Supercomputer scheitern. Kann der Quantencomputer Garching wirklich den Durchbruch in der Medikamentenforschung oder der Optimierung von Verkehrsflüssen bringen?

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- Der Quantencomputer in Garching: Ein Blick auf die Technologie
- Woher kommt der Quantencomputer Euro-Q-Exa?
- Was sind die Unterschiede zwischen einem klassischen Supercomputer und einem Quantenrechner?
- So funktioniert es in der Praxis
- Welche Vorteile und Nachteile hat die Technologie?
- Vergleich mit Alternativen und Konkurrenzprodukten
- Ausblick auf die technologische Entwicklung
- Häufig gestellte Fragen
Das Wichtigste in Kürze
- In Garching wurde ein neuer Quantencomputer namens Euro-Q-Exa in Betrieb genommen.
- Der Quantencomputer soll als Beschleuniger für klassische Supercomputer dienen.
- Die Technologie basiert auf supraleitenden Qubits und muss extrem gekühlt werden.
- Der Quantencomputer stammt von der finnisch-deutschen Firma IQM.
- Erste Anwendungsbereiche sind chemische Simulationen und logistische Optimierungen.
Der Quantencomputer in Garching: Ein Blick auf die Technologie
Der Quantencomputer Garching, Euro-Q-Exa, ist kein eigenständiges System, sondern wird in den Supercomputer SuperMUC-NG integriert. Das Ziel ist es, die Stärken beider Welten zu kombinieren. Während klassische Supercomputer Informationen als Bits (0 oder 1) verarbeiten, nutzt ein Quantencomputer Qubits. Qubits können dank der Gesetze der Quantenmechanik mehrere Zustände gleichzeitig einnehmen (Superposition) und miteinander verschränkt sein (Verschränkung). Diese Eigenschaften ermöglichen es, bestimmte Berechnungen deutlich schneller durchzuführen als mit klassischen Computern.
Die Funktionsweise von Quantencomputern basiert auf komplexen physikalischen Prinzipien. Die Qubits, die als Informationsträger dienen, sind extrem empfindlich gegenüber Störungen aus der Umwelt. Um sie stabil zu halten, müssen sie auf Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt (minus 273 Grad Celsius) gekühlt werden. Dies geschieht mit aufwendigen Kühlsystemen, die den Quantencomputer wie einen Hightech-Kühlschrank aussehen lassen. Wie Stern berichtet, ist der Strombedarf trotz der Kühlung geringer als der des SuperMUC-NG.
Die Entwicklung von Quantencomputern steckt noch in den Kinderschuhen. Die Anzahl der Qubits, die ein Quantencomputer kontrollieren kann, ist begrenzt. Je mehr Qubits ein Quantencomputer hat, desto komplexere Probleme kann er lösen. Allerdings steigt mit der Anzahl der Qubits auch die Fehleranfälligkeit. Eine große Herausforderung besteht darin, Qubits zu entwickeln, die stabil und zuverlässig arbeiten.
Ein Qubit kann man sich vereinfacht als eine Münze vorstellen, die nicht nur Kopf oder Zahl zeigen kann, sondern auch eine Mischung aus beidem – solange man sie nicht «anschaut». Erst durch die Messung legt sich das Qubit auf einen bestimmten Zustand fest.
Woher kommt der Quantencomputer Euro-Q-Exa?
Der Quantencomputer Euro-Q-Exa wurde von der finnisch-deutschen Firma IQM gebaut. IQM ist eine Ausgründung der Aalto-Universität in Finnland. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung von Quantencomputern auf Basis von supraleitenden Qubits spezialisiert. Die Europäische Union fördert die Entwicklung von Quantencomputern in Europa im Rahmen des EuroHPC Joint Undertaking. Diese Organisation hat auch den Quantencomputer am Leibniz-Rechenzentrum in München mitfinanziert.
Weltweit führend in der Entwicklung von Quantencomputern sind die USA, gefolgt von China. China investiert massiv in die Quantentechnologie und versucht, den Rückstand auf die USA aufzuholen. Auch andere Länder wie Kanada und Australien forschen intensiv an Quantencomputern. Die Technologie gilt als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts und verspricht disruptive Veränderungen in vielen Bereichen. (Lesen Sie auch: Apple Update iOS 26.3: Das steckt im…)
Die Wahl des Standorts Garching für den Quantencomputer ist kein Zufall. Das Leibniz-Rechenzentrum verfügt über eine langjährige Erfahrung im Betrieb von Supercomputern und bietet eine ideale Infrastruktur für die Integration eines Quantencomputers. Zudem ist die Region München ein Zentrum für Forschung und Entwicklung im Bereich der Quantentechnologie.
Was sind die Unterschiede zwischen einem klassischen Supercomputer und einem Quantenrechner?
Klassische Supercomputer verarbeiten Informationen sequenziell, indem sie Bits verwenden, die entweder den Zustand 0 oder 1 annehmen können. Ein Quantencomputer hingegen nutzt Qubits, die gleichzeitig 0 und 1 sein können (Superposition) und miteinander «verschränkt» sein können. Diese Quantenphänomene ermöglichen es, bestimmte Rechenaufgaben exponentiell schneller zu lösen als mit klassischen Computern. Das bedeutet aber nicht, dass Quantencomputer klassische Computer vollständig ersetzen werden. Vielmehr werden sie als Ergänzung eingesetzt, um spezifische Probleme zu lösen, bei denen sie ihre Stärken ausspielen können.
Ein weiterer wichtiger Unterschied liegt in der Fehleranfälligkeit. Qubits sind extrem empfindlich gegenüber Störungen, was die Entwicklung stabiler Quantencomputer zu einer großen Herausforderung macht. Klassische Computer sind deutlich robuster und weniger anfällig für Fehler. Die Programmierung von Quantencomputern erfordert zudem neue Algorithmen und Programmiersprachen, die sich von denen für klassische Computer unterscheiden.
In der Praxis bedeutet dies, dass ein Quantencomputer Garching nicht einfach alle Aufgaben eines Supercomputers übernehmen kann. Stattdessen werden die beiden Systeme Hand in Hand arbeiten. Der Supercomputer übernimmt die Steuerung und Datenverarbeitung, während der Quantencomputer extrem komplexe Teilaufgaben löst, die für klassische Computer zu rechenintensiv wären.
Die Quantenmechanik beschreibt das Verhalten von Materie und Energie auf atomarer und subatomarer Ebene. Phänomene wie Superposition und Verschränkung sind für unsere Alltagserfahrung intuitiv schwer zu verstehen, bilden aber die Grundlage für die Funktionsweise von Quantencomputern.
So funktioniert es in der Praxis
Stellen Sie sich vor, ein Pharmaunternehmen möchte ein neues Medikament entwickeln. Die Entwicklung eines Medikaments ist ein komplexer Prozess, der viele Jahre dauern kann. Ein wichtiger Schritt ist die Simulation der Wechselwirkung von Molekülen, um die Wirksamkeit und Sicherheit des Medikaments vorherzusagen. Diese Simulationen sind extrem rechenintensiv und können selbst Supercomputer an ihre Grenzen bringen. Hier kommt der Quantencomputer ins Spiel. Er kann die Wechselwirkungen von Molekülen deutlich schneller und genauer simulieren als ein klassischer Computer. Dies ermöglicht es dem Pharmaunternehmen, viel schneller vielversprechende Kandidaten für neue Medikamente zu identifizieren und die Entwicklungszeit deutlich zu verkürzen.
Ein weiteres Anwendungsbeispiel ist die Optimierung von Verkehrsflüssen. In Städten mit hohem Verkehrsaufkommen kommt es häufig zu Staus, die zu Zeitverlust und Umweltbelastung führen. Ein Quantencomputer kann helfen, die Verkehrsflüsse zu optimieren, indem er die Routen von Fahrzeugen in Echtzeit berechnet und anpasst. Dies führt zu weniger Staus, kürzeren Fahrzeiten und einer geringeren Umweltbelastung. (Lesen Sie auch: Instagram Suchtpotential: Chef Bestreitet Gefahr vor Gericht)
Auch in der Finanzwelt gibt es zahlreiche Anwendungsbereiche für Quantencomputer. Sie können beispielsweise zur Risikobewertung, zur Portfoliooptimierung oder zur Betrugserkennung eingesetzt werden. Die Möglichkeiten sind vielfältig und das Potenzial ist enorm.
Welche Vorteile und Nachteile hat die Technologie?
Die Vorteile von Quantencomputern liegen in ihrer potenziell enormen Rechenleistung für bestimmte Aufgaben. Sie können Probleme lösen, die für klassische Computer unlösbar sind. Dies eröffnet neue Möglichkeiten in vielen Bereichen, von der Medikamentenforschung über die Materialwissenschaft bis hin zur künstlichen Intelligenz.
Allerdings gibt es auch Nachteile. Die Technologie ist noch in einem frühen Stadium der Entwicklung. Quantencomputer sind teuer, fehleranfällig und schwer zu programmieren. Es wird noch einige Jahre dauern, bis sie in der Praxis breit eingesetzt werden können. Zudem besteht die Gefahr, dass Quantencomputer zur Entschlüsselung heutiger Verschlüsselungsverfahren eingesetzt werden könnten. Dies würde die Sicherheit von Bankdaten, E-Mails und anderen sensiblen Informationen gefährden. Allerdings wird auch an neuen Verschlüsselungsverfahren geforscht, die gegen Angriffe von Quantencomputern resistent sind (Post-Quanten-Kryptographie).
Ein weiterer Nachteil ist die Abhängigkeit von extremen Umweltbedingungen. Die Qubits müssen auf Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt gekühlt werden, was einen hohen technischen Aufwand erfordert. Zudem sind Quantencomputer sehr empfindlich gegenüber Störungen aus der Umwelt, was ihre Stabilität beeinträchtigen kann.

Vergleich mit Alternativen und Konkurrenzprodukten
Neben dem Quantencomputer Euro-Q-Exa in Garching gibt es weltweit weitere Projekte zur Entwicklung von Quantencomputern. Unternehmen wie IBM, Google und Microsoft investieren massiv in die Technologie und haben bereits Prototypen von Quantencomputern entwickelt. IBM bietet beispielsweise den Zugriff auf seine Quantencomputer über die Cloud an. Dies ermöglicht es Forschern und Entwicklern weltweit, mit der Technologie zu experimentieren.
Eine Alternative zu supraleitenden Qubits sind Ionenfallen-Quantencomputer. Diese Technologie verwendet gefangene Ionen als Qubits. Ionenfallen-Quantencomputer gelten als stabiler und weniger fehleranfällig als supraleitende Qubits, sind aber auch langsamer. Es gibt auch andere Ansätze wie photonische Quantencomputer, die Lichtteilchen als Qubits verwenden.
Die verschiedenen Technologien haben ihre Vor- und Nachteile. Es ist noch nicht absehbar, welche Technologie sich langfristig durchsetzen wird. Wahrscheinlich wird es in Zukunft verschiedene Arten von Quantencomputern geben, die für unterschiedliche Anwendungen optimiert sind. (Lesen Sie auch: Deutschland von Oben Quiz: Erkennen Sie die…)
Ausblick auf die technologische Entwicklung
Die Entwicklung von Quantencomputern ist ein dynamischer Prozess. In den kommenden Jahren ist mit großen Fortschritten zu rechnen. Die Anzahl der Qubits wird weiter steigen, die Fehleranfälligkeit wird sinken und die Programmierung wird einfacher werden. Quantencomputer werden in immer mehr Bereichen eingesetzt werden und unser Leben verändern.
Allerdings ist es wichtig, realistische Erwartungen zu haben. Quantencomputer sind keine Allzweckwaffe. Sie sind nicht für alle Rechenaufgaben geeignet. Es wird noch einige Zeit dauern, bis sie in der Praxis breit eingesetzt werden können. Dennoch ist das Potenzial der Technologie enorm und es lohnt sich, die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen.
Häufig gestellte Fragen
Was genau ist ein Quantencomputer und wie unterscheidet er sich von einem herkömmlichen Computer?
Ein Quantencomputer nutzt die Prinzipien der Quantenmechanik, um Informationen zu verarbeiten. Im Gegensatz zu herkömmlichen Computern, die Bits verwenden, nutzen Quantencomputer Qubits, die mehrere Zustände gleichzeitig einnehmen können, was komplexere Berechnungen ermöglicht.
Welche konkreten Anwendungsbereiche gibt es für den Quantencomputer in Garching?
Der Quantencomputer in Garching soll vor allem für chemische Simulationen, logistische Optimierungsaufgaben und die Entwicklung neuer Materialien eingesetzt werden. Er dient als Beschleuniger für klassische Supercomputer.
Wie sicher sind meine Daten angesichts der Entwicklung von Quantencomputern?
Aktuelle Verschlüsselungsmethoden könnten durch Quantencomputer in Zukunft geknackt werden. Daher wird an neuen, quantenresistenten Verschlüsselungsverfahren (Post-Quanten-Kryptographie) gearbeitet, um die Sicherheit von Daten auch in Zukunft zu gewährleisten. (Lesen Sie auch: Pilot Verhaftet Kindesmissbrauch: Schock in Brasilien!)
Warum ist es notwendig, den Quantencomputer in Garching so extrem zu kühlen?
Die Qubits, die als Informationsträger dienen, sind extrem empfindlich gegenüber Störungen. Um sie stabil zu halten und Quanteneffekte nutzen zu können, müssen sie auf Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt gekühlt werden.
Wer hat den Quantencomputer Euro-Q-Exa in Garching entwickelt und gebaut?
Der Quantencomputer wurde von der finnisch-deutschen Firma IQM entwickelt und gebaut. IQM ist eine Ausgründung der Aalto-Universität in Finnland und hat sich auf Quantencomputer mit supraleitenden Qubits spezialisiert.
Die Inbetriebnahme des Quantencomputer Garching ist ein wichtiger Schritt für die Quantenforschung in Deutschland und Europa. Die Technologie hat das Potenzial, viele Bereiche unseres Lebens zu verändern. Es bleibt spannend zu sehen, welche Fortschritte in den kommenden Jahren erzielt werden und welche neuen Anwendungen sich ergeben werden.




