Lesezeit: 6 Minuten
Im Januar 2026 wurden mehrere Medikamente in Deutschland zurückgerufen. Betroffen sind unter anderem Blutdrucksenker, Antidepressiva und Folsäure-Präparate. Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) informiert laufend über aktuelle Chargenrückrufe. Patienten sollten ihre Medikamente prüfen und bei Unsicherheiten die Apotheke kontaktieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Ramipril 089PHARM: Rückruf wegen Bruchfestigkeit der Tabletten (14. Januar 2026)
- Folsäure Hevert 5 mg: Chargenrückruf wegen Verunreinigungen (13. Januar 2026)
- Fluoxetin beta 20: Antidepressivum zurückgerufen (20. Januar 2026)
- Hanosan GmbH: Kompletter Rückruf aller Arzneimittel des Herstellers (5. Januar 2026)
- Naropin Injektionslösung: Chargenrückruf (21. Januar 2026)
- Empfehlung: Betroffene Packungen in der Apotheke abgeben
Arzneimittelrückrufe sind in Deutschland ein etabliertes Verfahren zur Sicherstellung der Patientensicherheit. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) koordiniert die Maßnahmen gemeinsam mit den Landesbehörden und den pharmazeutischen Unternehmen.
Aktuelle Medikamenten-Rückrufe im Januar 2026
Die folgenden Arzneimittel wurden im Januar 2026 vom deutschen Markt zurückgerufen oder sind von Chargenrückrufen betroffen:

Ramipril 089PHARM 5 mg – Blutdrucksenker
Der Hersteller 089Pharm hat erneut das Medikament Ramipril 5 mg Tabletten zurückgerufen. Der Grund: Probleme bei der Bruchfestigkeit der Tabletten. Betroffen sind Packungen mit 20, 50 und 100 Tabletten mit einem Haltbarkeitsdatum bis Juni 2027.
Ramipril gehört zur Gruppe der ACE-Hemmer und ist eines der am häufigsten verschriebenen Medikamente gegen Bluthochdruck in Deutschland. Der Rückruf erfolgt auf Ebene der Großhändler und Apotheken.
Folsäure Hevert 5 mg Tabletten
Der Hersteller Hevert hat mehrere Chargen seiner Folsäure 5 mg Tabletten (Packungsgröße N3, PZN 18293103) zurückgerufen. Der Grund sind festgestellte Verunreinigungen außerhalb der vorgesehenen Spezifikationen.
Folsäure ist ein wichtiges B-Vitamin, das besonders für Schwangere bedeutsam ist. Laut Hersteller besteht für Patienten kein unmittelbares Risiko. Apotheken werden gebeten, nicht abgegebene Packungen an den Großhandel zurückzugeben.
Fluoxetin beta 20 mg Tabletten
Am 20. Januar 2026 wurde ein Chargenrückruf für das Antidepressivum Fluoxetin beta 20 (20 mg Tabletten, 100 Stück) veröffentlicht. Fluoxetin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und wird bei Depressionen verschrieben.
Hanosan GmbH – Kompletter Herstellerrückruf
Ein besonders umfangreicher Rückruf betrifft alle Arzneimittel der Hanosan GmbH. Am 5. Januar 2026 wurden sämtliche Produkte des Herstellers in allen Packungsgrößen vom Markt genommen. Die genauen Gründe wurden nicht öffentlich kommuniziert.
Weitere Rückrufe im Januar 2026
Zusätzlich zu den genannten Präparaten wurden weitere Medikamente zurückgerufen:
Die Naropin Injektionslösungen (2 mg/ml, 5 mg/ml und 10 mg/ml) wurden am 21. Januar 2026 zurückgerufen. BLEO-cell, ein Medikament zur Krebstherapie, wurde am 19. Januar 2026 zurückgerufen. Fingolimod Heumann 0,5 mg Hartkapseln, ein MS-Medikament, wurde ebenfalls am 19. Januar 2026 zurückgerufen. Fosfuro 3000 mg Granulat wurde am 13. Januar 2026 vom Markt genommen. Vihuma Injektionslösungen in verschiedenen Stärken wurden am 12. Januar 2026 zurückgerufen. Atomoxetin Heumann 10 mg Hartkapseln, ein ADHS-Medikament, wurde am 8. Januar 2026 zurückgerufen. Bupropion-neuraxpharm 300 mg wurde am 7. Januar 2026 zurückgerufen. Tenofovirdisoproxil Cipla 245 mg Filmtabletten, ein HIV-Medikament, wurde am 2. Januar 2026 zurückgerufen.
Was bedeutet ein Medikamenten-Rückruf?
Ein Arzneimittel-Rückruf ist eine Maßnahme zum Schutz der Patienten. Er kann verschiedene Ursachen haben:
Qualitätsmängel wie falsche Wirkstoffkonzentrationen oder Verunreinigungen gehören zu den häufigsten Gründen. Auch Produktionsfehler, etwa bei der Bruchfestigkeit von Tabletten, können einen Rückruf auslösen. Kennzeichnungsfehler bei Packungen oder Beipackzetteln sind ebenfalls ein Grund. Mikrobielle Kontaminationen, also Verunreinigungen mit Keimen, und neue Erkenntnisse zu Risiken können ebenfalls Rückrufe notwendig machen.
Die Rückrufe werden in der Regel von den pharmazeutischen Unternehmen eigenverantwortlich initiiert oder von den zuständigen Landesüberwachungsbehörden angeordnet.
Wie läuft ein Rückruf ab?
In Deutschland koordiniert das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Rückrufe gemeinsam mit den Landesbehörden. Der typische Ablauf sieht wie folgt aus:
Zunächst erkennt der Hersteller oder eine Behörde das Problem. Dann erfolgt eine Risikobewertung, bei der die Schwere des Mangels eingeschätzt wird. Die Rückrufebene wird festgelegt, also ob nur Großhändler, auch Apotheken oder sogar Patienten direkt informiert werden müssen. Anschließend werden die Fachkreise informiert, also Großhändler, Apotheken und gegebenenfalls Ärzte. Bei schwerwiegenden Fällen erfolgt auch eine öffentliche Kommunikation über Medien.
Was sollten Patienten tun?
Wenn Sie ein Medikament einnehmen, das von einem Rückruf betroffen ist, sollten Sie folgende Schritte beachten:
Prüfen Sie zuerst die Chargennummer auf Ihrer Packung. Diese finden Sie auf der Verpackung und den Blisterstreifen. Vergleichen Sie die Chargennummer mit den zurückgerufenen Chargen. Wenn Ihre Packung betroffen ist, setzen Sie das Medikament nicht eigenmächtig ab. Kontaktieren Sie Ihre Apotheke oder Ihren Arzt für eine Alternative. Geben Sie betroffene Packungen in der Apotheke ab.
Bei Unsicherheiten können Sie auch die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) oder die Gelbe Liste für aktuelle Informationen konsultieren.
Wo finde ich aktuelle Rückruf-Informationen?
Verschiedene Quellen informieren über aktuelle Medikamenten-Rückrufe:
Die Pharmazeutische Zeitung veröffentlicht alle AMK-Meldungen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bietet offizielle Informationen auf seiner Website. Die Gelbe Liste führt eine aktuelle Übersicht aller Rückrufe. Auch Ihre Apotheke vor Ort kann Sie zu betroffenen Medikamenten beraten.
Häufige Fragen zu Medikamenten-Rückrufen
Was soll ich tun, wenn mein Medikament zurückgerufen wurde?
Setzen Sie das Medikament nicht eigenmächtig ab. Kontaktieren Sie Ihre Apotheke oder Ihren Arzt, um eine Alternative zu erhalten. Betroffene Packungen können Sie in der Apotheke abgeben.
Wie erkenne ich, ob meine Packung betroffen ist?
Vergleichen Sie die Chargennummer auf Ihrer Packung mit den in der Rückrufmeldung genannten Chargen. Die Chargennummer finden Sie auf der Verpackung und oft auch auf den Blisterstreifen.
Sind Medikamenten-Rückrufe gefährlich?
Die meisten Rückrufe erfolgen vorsorglich. Nicht jeder Qualitätsmangel bedeutet eine unmittelbare Gefahr für Patienten. Bei ernsthaften Risiken werden Patienten direkt informiert.
Wer bezahlt das Ersatzmedikament?
Wenn Ihr Medikament von einem Rückruf betroffen ist, erhalten Sie in der Apotheke ein Ersatzpräparat. Die Kosten werden wie gewohnt von Ihrer Krankenkasse übernommen.
Wie oft gibt es Medikamenten-Rückrufe?
Rückrufe sind keine Seltenheit. Im Jahr 2025 gab es in Deutschland mehrere Dutzend Chargenrückrufe. Die meisten betreffen nur bestimmte Produktionschargen, nicht das gesamte Medikament.
Fazit
Medikamenten-Rückrufe sind ein wichtiger Teil der Arzneimittelsicherheit in Deutschland. Die aktuellen Rückrufe im Januar 2026 betreffen verschiedene Medikamentengruppen, von Blutdrucksenkern über Antidepressiva bis hin zu Folsäure-Präparaten.
Patienten sollten ihre Medikamente regelmäßig überprüfen und bei Rückrufen nicht in Panik verfallen. Die meisten Rückrufe erfolgen vorsorglich und bedeuten keine unmittelbare Gefahr. Bei Fragen steht Ihre Apotheke als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung.
Aktuelle Informationen zu Rückrufen finden Sie bei der Pharmazeutischen Zeitung, der Gelben Liste und beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).