Allgemein

Marianengraben: Der tiefste Punkt der Erde erklärt

📖 Lesezeit: 12 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 9. Januar 2026

Der Marianengraben ist der tiefste Punkt der Erde – ein Ort extremer Dunkelheit, eisiger Kälte und unvorstellbarem Druck. Mit einer Tiefe von fast 11.000 Metern würde selbst der Mount Everest hier komplett versinken. Doch trotz dieser lebensfeindlichen Bedingungen existieren bizarre Kreaturen in den Tiefen des Grabens. Hier erfährst du alles über den geheimnisvollsten Ort unseres Planeten.

🌊 Marianengraben auf einen Blick

Tiefe: ca. 10.984 Meter (Challengertief)

Länge: ca. 2.400 Kilometer

Lage: Westlicher Pazifik, östlich der Marianen

Druck: über 1.070 bar (ca. 1 Tonne pro cm²)

Temperatur: 1–4 °C

Was ist der Marianengraben?

Der Marianengraben (auch Marianenrinne genannt) ist ein Tiefseegraben im westlichen Pazifischen Ozean und beherbergt die tiefste bekannte Stelle der Weltmeere. Er liegt östlich der Marianen-Inseln, etwa 2.000 Kilometer östlich der Philippinen und südlich von Japan.

Mit einer Länge von etwa 2.400 Kilometern und einer maximalen Breite von 69 Kilometern erstreckt sich der Graben halbkreisförmig durch den Pazifik. Seine Form erinnert an eine gigantische Sichel, die sich von den Bonin-Inseln im Norden bis zu den Karolinen im Süden zieht.

Der Name stammt von den nahegelegenen Marianen-Inseln, die wiederum nach der spanischen Königin Maria Anna von Österreich (spanisch: Mariana de Austria) benannt wurden. Die größte Insel der Marianen ist Guam – ein US-amerikanisches Außengebiet.

💡 Wusstest du? Am 18. Januar 2009 erklärte US-Präsident George W. Bush den Marianengraben zum nationalen Monument der Vereinigten Staaten – eine der letzten Amtshandlungen seiner Präsidentschaft.

Wie tief ist der Marianengraben?

Die tiefste Stelle des Marianengrabens – und damit der gesamten Erde – ist das Challengertief. Verschiedene Messungen haben unterschiedliche Ergebnisse geliefert, die zuverlässigste Messung aus dem Jahr 2014 ergab eine Tiefe von 10.984 Metern (±25 m).

Jahr Messmethode Gemessene Tiefe
1875 Lotung (HMS Challenger) 8.164 m
1899 Drahtlotung (USS Nero) 9.660 m
1951 Echolotung (HMS Challenger II) 10.899 m
1957 Sowjetische Messung 11.034 m (umstritten)
2014 Moderne Vermessung 10.984 m (±25 m)
2019 Tauchgang Victor Vescovo 10.928 m

Um diese Tiefe zu veranschaulichen: Der Mount Everest mit seinen 8.849 Metern würde komplett im Marianengraben versinken – und es blieben noch über 2.000 Meter Wasser darüber! Würde man den Eiffelturm (330 m) übereinanderstapeln, bräuchte man 33 Türme, um vom Grund des Grabens die Wasseroberfläche zu erreichen.

Entstehung: Warum ist der Marianengraben so tief?

Der Marianengraben verdankt seine extreme Tiefe der Plattentektonik – genauer gesagt einem Prozess namens Subduktion. An dieser Stelle trifft die Pazifische Platte auf die Philippinische Platte und wird unter diese geschoben.

Die Pazifische Platte ist eine der ältesten ozeanischen Platten der Erde – sie ist im Bereich des Marianengrabens über 150 Millionen Jahre alt. Mit zunehmendem Alter wird ozeanische Kruste dichter und schwerer. Deshalb sinkt die alte, schwere Pazifische Platte unter die jüngere Philippinische Platte ab.

Dieser Prozess formt nicht nur den Graben, sondern ist auch verantwortlich für:

  • Vulkanismus: Die Marianen-Inseln sind vulkanischen Ursprungs
  • Erdbeben: Die Region liegt im „Pazifischen Feuerring»
  • Kontinuierliche Bewegung: Die Platten bewegen sich wenige Zentimeter pro Jahr voneinander weg

Extreme Bedingungen im Marianengraben

Der Marianengraben ist einer der lebensfeindlichsten Orte der Erde. Drei Faktoren machen das Überleben hier zur extremen Herausforderung:

Der unvorstellbare Druck

Am tiefsten Punkt des Marianengrabens herrscht ein Wasserdruck von etwa 1.070 bar – das entspricht dem Gewicht von etwa 1 Tonne pro Quadratzentimeter. Um das zu verdeutlichen: Es ist, als würde ein Kleinwagen auf einer Briefmarke stehen!

Der Druck nimmt alle 10 Meter um etwa 1 bar zu. An der Meeresoberfläche beträgt der Atmosphärendruck 1 bar – in 10.000 Metern Tiefe ist er also 1.000-mal höher. Ein ungeschützter menschlicher Körper würde sofort zerquetscht werden.

Eisige Kälte

Die Wassertemperatur im Marianengraben liegt konstant zwischen 1 und 4 Grad Celsius – kälter als ein Kühlschrank. Diese Temperatur bleibt das ganze Jahr über nahezu unverändert, unabhängig von der Jahreszeit oder den Verhältnissen an der Oberfläche.

Absolute Dunkelheit

Sonnenlicht dringt maximal bis etwa 1.000 Meter unter die Wasseroberfläche. Ab dieser Tiefe herrscht absolute Dunkelheit – eine ewige Nacht. Die Lebewesen im Marianengraben haben noch nie einen Sonnenstrahl gesehen.

Tiefenzone Tiefe Bedingungen
Epipelagial 0–200 m Lichtdurchflutet, Photosynthese möglich
Mesopelagial 200–1.000 m Dämmerlichtzone, wenig Licht
Bathypelagial 1.000–4.000 m Absolute Dunkelheit beginnt
Abyssopelagial 4.000–6.000 m Nahe Gefrierpunkt, extremer Druck
Hadopelagial 6.000–11.000 m Nur in Tiefseegräben, extreme Bedingungen

Leben im Marianengraben: Bizarre Kreaturen der Tiefe

Lange Zeit glaubten Wissenschaftler, dass in solch extremen Tiefen kein Leben existieren könne. Doch der Marianengraben beweist das Gegenteil: Selbst am tiefsten Punkt der Erde gibt es Leben.

Als Jacques Piccard und Don Walsh 1960 erstmals zum Grund des Challengertiefs tauchten, entdeckten sie zu ihrer Überraschung Garnelen und einen Plattfisch. Seitdem wurden zahlreiche weitere Lebewesen in den Tiefen des Grabens gefunden:

Tiefseefische

Der Pseudoliparis swirei (auch Marianenfisch genannt) galt lange als der am tiefsten lebende Fisch der Welt. Er wurde in Tiefen zwischen 6.198 und 8.098 Metern gefilmt. 2022 wurde jedoch ein noch tieferer Fisch entdeckt: Eine unbekannte Art der Gattung Pseudoliparis in 8.336 Metern Tiefe im benachbarten Bonin-Graben.

Diese Fische haben besondere Anpassungen entwickelt: Ihre Körper sind weich und gallertartig, fast ohne Knochen. Das Protein TMAO (Trimethylaminoxid) schützt ihre Zellen vor dem extremen Druck.

Seegurken

Seegurken sind die wahren Herrscher der Tiefseegräben. In 4.000 Metern Tiefe machen sie etwa die Hälfte aller Lebewesen aus – in 8.500 Metern sogar 90 Prozent! Diese bis zu zwei Meter großen Stachelhäuter ernähren sich von organischen Partikeln im Meeresschlamm.

Weitere Bewohner

  • Flohkrebse (Amphipoden): Riesige Exemplare von bis zu 34 cm Länge
  • Borstenwürmer: Leben im Sediment des Meeresbodens
  • Muscheln: Mit extra langen Därmen zur besseren Nährstoffaufnahme
  • Xenophyophoren: Riesige Einzeller (bis 25 cm groß!)
  • Bakterien: Grundlage der Nahrungskette in der Tiefe

🔬 Genomstudie 2025: Chinesische Forscher haben die Genome von Tiefseefischen aus dem Marianengraben analysiert. Ergebnis: Alle untersuchten Arten besitzen dieselbe genetische Mutation, die ihnen das Überleben unter extremem Druck ermöglicht. Erschreckend: Selbst in diesen Tiefen fanden sich Umweltgifte wie PCB in den Geweben der Tiere.

Die Erforschung des Marianengrabens

Die Geschichte der Marianengraben-Erforschung ist eine Geschichte menschlicher Neugier und technischen Fortschritts:

1875: Die Entdeckung

Die britische HMS Challenger führte die erste wissenschaftliche Expedition durch und lotete eine Tiefe von 8.164 Metern – damals die tiefste bekannte Stelle der Weltmeere. Das Challengertief ist nach diesem Schiff benannt.

1960: Der erste bemannte Tauchgang

Am 23. Januar 1960 erreichten der Schweizer Jacques Piccard und der US-Amerikaner Don Walsh mit dem Bathyscaph Trieste den Grund des Challengertiefs in 10.916 Metern Tiefe. Der Abstieg dauerte 4 Stunden und 47 Minuten – sie blieben nur 20 Minuten am Grund, bevor aufgewirbelte Sedimente die Sicht nahmen.

2012: James Cameron Solo-Tauchgang

Der Hollywood-Regisseur James Cameron („Titanic», „Avatar») tauchte als dritter Mensch und erster Solo-Taucher in die Tiefe. Mit seinem U-Boot „Deepsea Challenger» erreichte er 10.898 Meter und sammelte wissenschaftliche Daten und Filmmaterial.

2019: Victor Vescovo bricht Rekorde

Der amerikanische Unternehmer Victor Vescovo erreichte mit seinem U-Boot „DSV Limiting Factor» eine Rekordtiefe von 10.928 Metern. Er absolvierte insgesamt 14 Tauchgänge in den Marianengraben – ein absoluter Rekord!

2020: Erste Frau im Marianengraben

Kathryn Sullivan wurde die erste Frau, die den tiefsten Punkt der Erde erreichte – bei einem Tauchgang mit Victor Vescovo. Bemerkenswerterweise war sie 1984 auch die erste Amerikanerin im Weltraum!

Jahr Person(en) Fahrzeug Tiefe
1960 Jacques Piccard & Don Walsh Trieste 10.916 m
2012 James Cameron Deepsea Challenger 10.898 m
2019 Victor Vescovo DSV Limiting Factor 10.928 m
2020 Kathryn Sullivan & V. Vescovo DSV Limiting Factor 10.909 m
2020 Chinesisches Team Fendouzhe 10.909 m

📊 Erstaunlicher Vergleich: Bis 2024 hatten etwa 30 Menschen den tiefsten Punkt des Ozeans erreicht – aber 12 Menschen waren auf dem Mond! Die Oberfläche des Mondes ist besser kartiert als die Tiefsee unserer eigenen Erde.

Umweltprobleme: Plastikmüll in der Tiefe

Selbst der tiefste Punkt der Erde ist nicht vor menschlicher Verschmutzung sicher. Bei Tauchgängen wurden im Marianengraben erschreckende Funde gemacht:

  • Plastiktüte in 10.898 m Tiefe – der Tiefenrekord für Plastikmüll
  • 89% der gefundenen Gegenstände bestehen aus Kunststoff
  • Einwegprodukte wie Besteck wurden am Meeresgrund entdeckt
  • Mikroplastik in den Körpern von Tiefseebewohnern
  • Eurythenes plasticus – ein Flohkrebs mit Mikroplastik im Körper, der deshalb seinen Namen erhielt

2020 entdeckten Forscher im Marianengraben in 6.500 Metern Tiefe eine neue Flohkrebsart – und fanden in ihrem Körper bereits ein Mikroplastikfädchen. Sie nannten die Art „Eurythenes plasticus«, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

Neben Plastik wurden auch langlebige Umweltgifte wie PCB (Polychlorierte Biphenyle) und PBDE (Flammschutzmittel) in Tiefseefischen nachgewiesen – obwohl diese Chemikalien seit den 1980er-Jahren verboten sind. Sie reichern sich in der Nahrungskette an und gelangen so bis in die tiefsten Winkel der Ozeane.

Vergleich: Die tiefsten Stellen der Weltmeere

Der Marianengraben ist der tiefste, aber nicht der einzige Tiefseegraben der Erde. Hier die Rangliste der tiefsten Meeresstellen:

Rang Tiefseegraben Ozean Tiefe
1 Marianengraben Pazifik 10.984 m
2 Tongagraben Pazifik 10.882 m
3 Philippinengraben Pazifik 10.540 m
4 Kurilengraben Pazifik 10.542 m
5 Puerto-Rico-Graben Atlantik 8.380 m

Häufig gestellte Fragen zum Marianengraben

Wie tief ist der Marianengraben genau?

Die tiefste Stelle des Marianengrabens, das Challengertief, ist nach aktuellen Messungen (2014) etwa 10.984 Meter tief (±25 m). Verschiedene Messungen haben Werte zwischen 10.898 und 11.034 Metern ergeben. Die sowjetische Messung von 11.034 Metern aus dem Jahr 1957 gilt als umstritten.

Kann man im Marianengraben tauchen?

Normale Taucher können maximal etwa 450 Meter tief tauchen – mit spezieller Ausrüstung. Um den Marianengraben zu erreichen, braucht man spezielle Tiefsee-U-Boote, die dem enormen Druck von über 1.000 bar standhalten. Bis 2024 haben etwa 30 Menschen den tiefsten Punkt erreicht – weniger als auf dem Mond waren!

Welche Tiere leben im Marianengraben?

Trotz der extremen Bedingungen gibt es Leben im Marianengraben: Seegurken, Flohkrebse, Borstenwürmer, Muscheln, Schneckenfische und sogar Garnelen wurden in den Tiefen gefunden. Der tiefste je gefilmte Fisch lebte in 8.336 Metern Tiefe. Diese Tiere haben besondere Anpassungen entwickelt, um den enormen Druck zu überstehen.

Warum heißt er Marianengraben?

Der Marianengraben ist nach den nahegelegenen Marianen-Inseln benannt. Diese wiederum erhielten ihren Namen zu Ehren der spanischen Königin Maria Anna von Österreich (spanisch: Mariana de Austria), als Spanien die Inseln im 17. Jahrhundert besiedelte.

Wie kalt ist es im Marianengraben?

Die Wassertemperatur im Marianengraben liegt konstant zwischen 1 und 4 Grad Celsius – kälter als ein Kühlschrank. Diese Temperatur bleibt das ganze Jahr über unverändert, da kein Sonnenlicht bis in diese Tiefen vordringt.

Wie hoch ist der Druck im Marianengraben?

Am tiefsten Punkt herrscht ein Druck von etwa 1.070 bar – das entspricht dem Gewicht von ungefähr 1 Tonne pro Quadratzentimeter. Zum Vergleich: An der Meeresoberfläche beträgt der Druck nur etwa 1 bar. Der Druck im Marianengraben ist also etwa 1.000-mal höher.

Wer war als erster Mensch im Marianengraben?

Am 23. Januar 1960 erreichten der Schweizer Ozeanograf Jacques Piccard und der US-Marine-Offizier Don Walsh mit dem Tiefseetauchboot „Trieste» als erste Menschen den Grund des Challengertiefs. Sie verbrachten 20 Minuten am tiefsten Punkt der Erde, bevor aufgewirbelte Sedimente die Sicht nahmen.

Fazit: Das letzte große Geheimnis der Erde

Der Marianengraben bleibt eines der letzten großen Geheimnisse unseres Planeten. Trotz technischen Fortschritts sind nur etwa 5 Prozent der Tiefsee erforscht – wir wissen mehr über die Oberfläche des Mondes als über die Abgründe unserer eigenen Ozeane.

Die extremen Bedingungen am tiefsten Punkt der Erde – der unvorstellbare Druck, die ewige Dunkelheit, die eisige Kälte – haben zur Evolution bizarrer Lebensformen geführt, die unsere Vorstellungskraft sprengen. Gleichzeitig zeigt die Entdeckung von Plastikmüll und Umweltgiften in diesen Tiefen, dass menschliche Aktivitäten selbst die entlegensten Orte der Erde erreichen.

Der Marianengraben erinnert uns daran, wie wenig wir noch über unseren eigenen Planeten wissen – und wie wichtig es ist, diese einzigartigen Ökosysteme zu schützen, bevor wir sie überhaupt verstanden haben. 🌊


Über diesen Artikel

Redaktion Welt der Legenden | Wissen & Natur

Dieser Artikel basiert auf Informationen von Wikipedia, Planet Wissen, WWF, Nausicaa, dem Deutschen Wetterdienst für die Tiefsee und wissenschaftlichen Studien. Stand: Januar 2026.

admin

Recent Posts

Fortnite South Park Event 2026: Skins, Mini-Pass & alle Infos

Das Fortnite South Park Event «Born in Chaos» ist am 9. Januar 2026 gestartet! Die…

18 Stunden ago

Fortnite Server Status: Update v39.20 & South Park Event 2026

Der Fortnite Server Status zeigt am 9. Januar 2026 eine geplante Wartung: Epic Games hat…

19 Stunden ago

Ballistische Rakete: Definition, Typen und aktuelle Einsätze 2026

📖 Lesezeit: 10 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 9. Januar 2026 Ballistische Raketen sind am 9.…

19 Stunden ago

Die Psychologie hinter Schönheitsoperationen

Interessanterweise variiert die psychologische Wirkung von Schönheitsoperationen erheblich zwischen verschiedenen Individuen. Während manche Patienten nach…

3 Tagen ago

Moderne Schönheitsgeheimnisse: Mythen und Fakten

Was früher Geheimwissen von Beauty-Experten war, wird heute in unzähligen Online-Tutorials und Influencer-Empfehlungen demokratisiert. Dennoch…

3 Tagen ago

Wohnabenteuer: Mythen der Immobiliensuche enthüllt

In Zeiten volatiler Immobilienmärkte und steigender Zinsen ist es wichtiger denn je, zwischen Fakten und…

3 Tagen ago