Lausanne (Schweiz) – In der Nacht zu Dienstag kam es in Lausanne erneut zu schweren Krawallen: Barrikaden brannten, Gegenstände wurden auf Einsatzkräfte geworfen und ein Bus der Verkehrsbetriebe wurde beschädigt.
Nach Angaben der Polizei randalierten nach ersten Meldungen rund 200 Jugendlichen im Quartier. Es flogen Steine, Feuerwerkskörper und mutmaßlich Brandvorrichtungen; Mülltonnen und Container standen in Flammen. Die genauen Uhrzeiten und die offizielle Bestätigung der Vorwürfe durch die Stadt‑ oder Polizeibehörde stehen noch aus.
Mit Schilden und Schlagstöcken bewaffnete Polizisten werden mit Pyrotechnik beschossen
Die Polizei gab an, mit rund 140 Einsatzkräften im betroffenen Quartier vor Ort gewesen zu sein. Zur Eindämmung der Ausschreitungen setzten die Einsatzkräfte nach Angaben der Behörde Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse ein. Mindestens sieben Menschen wurden vorläufig festgenommen; Angaben zu Alter oder konkreten Vorwürfen machte die Polizei zunächst nicht. Erst nach Mitternacht beruhigte sich die Lage, nachdem Straßensperren und ständige Präsenz der Einsatzkräfte das Viertel sicherten.
Auslöser der Krawalle: Tod eines 17‑Jährigen
Als unmittelbarer Auslöser der Proteste gilt der Tod eines Jugendlichen. Nach Polizeiangaben handelt es sich um einen 17‑Jährigen, der am Sonntag mit einem Roller unterwegs war, der am Vortag als gestohlen gemeldet worden sein soll. Demnach wollte eine Streife den Fahrer anhalten; dieser beschleunigte daraufhin offenbar und verunfallte in einer 30er‑Zone. Der Junge wurde schwer verletzt und verstarb kurz darauf.
Randalierer posieren für die Kamera, schießen Pyrotechnik ab
Wichtig: Einige Details stammen aus ersten Meldungen und Augenzeugenberichten; offizielle Bestätigungen liegen laut Polizeiangaben noch nicht zu allen Punkten vor. Ob eine gezielte Verfolgungsjagd vorlag oder von einer Flucht die Rede ist, wird derzeit von der Staatsanwaltschaft geprüft. Medienberichte nennen außerdem frühere ähnliche Vorfälle im Ort, die die Wut vieler Jugendlichen genährt haben.
Bereits in der Nacht von Sonntag auf Montag hatte es laut Berichten erste Ausschreitungen im Quartier gegeben. Die jüngsten Proteste stehen in Zusammenhang mit mehreren tödlichen Verkehrsunfällen, die in der Bevölkerung Fragen an die Behörden aufwerfen: Im Juni war eine 14‑Jährige bei einem Motorradunfall tödlich verunglückt – Berichten zufolge ebenfalls während einer Flucht vor der Polizei. „Wir wollen die Wahrheit über die Unfälle wissen“, sagte ein Jugendlicher gegenüber SRF.
An der Stelle, an der es zu dem Unfall kam, wurden Blumen und Fotos niedergelegt
Familie und Angehörige äußern sich
In Interviews verteidigten Angehörige den Verstorbenen: Laut 24Heures erklärte die Mutter, ihr Sohn sei kein Rollerdieb gewesen. Der Bruder veröffentlichte in sozialen Netzwerken emotionale Botschaften. Parallel gibt es Forderungen an die Behörden und die Staatsanwaltschaft, die Vorwürfe zu klären und offen zu kommunizieren. Die Ermittlungen laufen; offizielle Verlautbarungen der Staatsanwaltschaft stehen noch aus.