„Das war kein Fehler“, so fasste Zugleiter Marc Michelske die Entscheidung zusammen. Im diesjährigen Kölner Rosenmontagszug wird es keinen eigenen Wagen geben, der sich mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin auseinandersetzt. Stattdessen überlässt man das Thema dem Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly, gegen den in Russland ein Strafverfahren läuft. Kölner Karneval Putin steht dabei im Mittelpunkt.

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- Kölner Karneval verzichtet auf Putin-Wagen: Solidarität mit Jacques Tilly im Vordergrund
- Warum gibt es dieses Jahr keinen Putin-Wagen im Kölner Rosenmontagszug?
- Angst vor Repressalien? Kölner Karnevalisten verneinen Einfluss auf Entscheidung
- Rückendeckung für Zugleiter: Kölner Karnevalspräsident steht hinter Entscheidung
- Jacques Tilly: Drohungen sind nichts Neues
Kölner Karneval verzichtet auf Putin-Wagen: Solidarität mit Jacques Tilly im Vordergrund
Die Karnevalisten in Köln haben ihren Verzicht auf einen eigenen Wagen zum Thema Putin im diesjährigen Rosenmontagszug verteidigt. Zugleiter Marc Michelske betonte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass dies keine Fehlentscheidung gewesen sei. Stattdessen habe man sich bewusst dafür entschieden, dem Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly die Bühne zu überlassen, der selbst Ziel russischer Strafverfolgung ist. Diese Entscheidung unterstreicht die Solidarität der Kölner Karnevalisten mit Tilly und seiner künstlerischen Freiheit.
International
- Der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly wird in Russland strafrechtlich verfolgt.
- Köln verzichtet auf einen eigenen Putin-Wagen, um Tilly die Bühne zu überlassen.
- Die Entscheidung wird von den Kölner Karnevalisten verteidigt und als Zeichen der Solidarität gesehen.
- Angst vor russischen Repressalien wird als Grund für den Verzicht ausgeschlossen.
Warum gibt es dieses Jahr keinen Putin-Wagen im Kölner Rosenmontagszug?
Obwohl in der Vergangenheit auch im Kölner Rosenmontagszug Wagen mit kritischen Darstellungen von Wladimir Putin zu sehen waren, hat man sich dieses Jahr anders entschieden. Marc Michelske erklärte, dass Jacques Tilly einen so herausragenden Wagen gestalten werde, dass die Kölner sich darauf freuen, diesen zu sehen. Die Solidarität mit Tilly, der wegen seiner satirischen Wagen in Moskau angeklagt wird, sei durch öffentliche Statements bereits zum Ausdruck gebracht worden, sodass ein eigener Wagen nicht notwendig sei. (Lesen Sie auch: Suchbild Rucksack: Finden Sie den einen, der…)
Angst vor Repressalien? Kölner Karnevalisten verneinen Einfluss auf Entscheidung
Entgegen anderslautender Vermutungen betonte Zugleiter Michelske, dass Angst vor russischen Repressalien keine Rolle bei der Entscheidung gespielt habe. Wie Stern berichtet, sei es den Verantwortlichen wichtig gewesen, dass das Thema Putin überhaupt im Rosenmontagszug behandelt werde. Da Tilly zugesagt habe, einen entsprechenden Wagen zu bauen, habe man sich in Köln für andere Themen entscheiden können.
Jacques Tilly wird in Russland vorgeworfen, Falschinformationen über die russische Armee zu verbreiten. Seine satirischen Darstellungen wurden als Beleidigung für Putin als Oberbefehlshaber gewertet, wie das russische Portal «Ostoroschno Nowosti» berichtete.
Rückendeckung für Zugleiter: Kölner Karnevalspräsident steht hinter Entscheidung
Auch der Kölner Karnevalspräsident Christoph Kuckelkorn stärkte Zugleiter Marc Michelske den Rücken. Kuckelkorn betonte, dass der Zugleiter autonom in der Themenauswahl sei und er dessen Entscheidung mittrage. Diese Aussage unterstreicht die Geschlossenheit der Kölner Karnevalsverantwortlichen in dieser Frage. (Lesen Sie auch: Tinder Date Vergewaltigung: Prozess gegen Høiby in…)
Jacques Tilly: Drohungen sind nichts Neues
Der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly, dessen satirische Wagen regelmäßig für Aufsehen sorgen, erklärte, er sei Drohungen gewohnt und habe keine Angst. Allerdings räumte er ein, dass er nun möglicherweise nicht mehr in bestimmte Länder reisen könne, die ein Auslieferungsabkommen mit Russland haben. Dies sei jedoch nichts im Vergleich zu dem, was in der Ukraine geschehe.
Der Rosenmontagszug ist der Höhepunkt des Kölner Karnevals und zieht jedes Jahr hunderttausende Besucher an. Die satirischen Wagen sind ein fester Bestandteil des Zuges und nehmen traditionell aktuelle politische und gesellschaftliche Themen aufs Korn.
Die Entscheidung der Kölner Karnevalisten, in diesem Jahr auf einen eigenen Putin-Wagen zu verzichten und stattdessen Jacques Tilly die Bühne zu überlassen, ist ein Zeichen der Solidarität mit einem Künstler, der für seine Meinungsfreiheit und satirische Arbeit angefeindet wird. Es zeigt, dass der Kölner Karneval nicht nur ein Fest der Freude und Ausgelassenheit ist, sondern auch ein Forum für politische Auseinandersetzung und Meinungsfreiheit. Die Verantwortlichen betonen, dass dies nicht aus Angst vor Repressalien geschieht, sondern aus einer bewussten Entscheidung, einem Künstler in schwieriger Lage Unterstützung zukommen zu lassen. (Lesen Sie auch: Ghislaine Maxwell Begnadigung: Trumps Politischer Todesstoß?)

Die Reaktionen auf diese Entscheidung sind gemischt. Während viele die Solidarität mit Jacques Tilly begrüßen, gibt es auch kritische Stimmen, die den Verzicht auf einen eigenen Putin-Wagen als Zeichen der Schwäche interpretieren. Doch die Kölner Karnevalisten stehen zu ihrer Entscheidung und betonen, dass sie auch weiterhin aktuelle politische Themen aufgreifen werden – auf ihre eigene, karnevalistische Art und Weise.
Wie die Tagesschau berichtet, sind derartige Solidaritätsbekundungen in Zeiten internationaler Konflikte nicht ungewöhnlich.
Der Kölner Karneval bleibt somit ein Spiegelbild der Gesellschaft, der nicht nur feiert, sondern auch kritisch hinterfragt und Stellung bezieht. Auch für Närrinen und Narren in Österreich ist der Kölner Karneval ein Begriff. Viele reisen jedes Jahr an den Rhein, um das Spektakel live zu erleben. Die Entscheidung der Kölner Karnevalisten, auf einen eigenen Putin-Wagen zu verzichten, wird auch in Österreich diskutiert und zeigt, wie eng die Verbindungen zwischen den Karnevalshochburgen in Deutschland und Österreich sind.
Der ORF wird sicherlich über die Reaktionen in Österreich berichten.




