Julian Reichelt: Aufstieg und Fall beim Boulevard

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Was passiert, wenn ein Chefredakteur mehr Schlagzeilen macht als seine Zeitung? Die Karriere von Julian Reichelt bei der Bild liefert die Antwort – und die ist wilder als jeder Boulevard-Artikel.

Vom Kriegsreporter zum Twitter-Krieger: Reichelts Weg war geprägt von schnellen Aufstiegen und noch schnelleren Abstürzen. Im Axel-Springer-Hochhaus trennen oft nur wenige Stockwerke Triumph und Tragödie.

Doch hinter den Headlines lauerten Konflikte: #MeToo-Vorwürfe, Machtspiele und die große Frage: Wie viel Skandal verträgt der Journalismus? Hier beginnt eine Story, die so deutsch ist wie die Bild-Schlagzeile am Kiosk.

Julian Reichelt: Vom Kriegsreporter zum Boulevard-Chef

Journalismus liegt bei manchen in den Genen – und manchmal auch die Kontroversen. Bei unserem Protagonisten traf beides zu: Sohn eines Bild-Redakteurs, lernte er früh, wie man Schlagzeilen schmiedet. Nur die Art, wie er sie später selbst produzierte, hätte Papa wohl nicht kommen sehen.

Frühe Jahre und Einstieg bei Bild

2002 begann das Abenteuer: Volontariat bei Bild und Axel-Springer-Akademie. «Hier werden Redakteure geschmiedet», hieß es – und manchmal auch Karrieren gesprengt. Die Ausbildung war hart, aber wer aus Kriegsgebieten berichtet, hält auch Redaktionsschlachten aus.

Afghanistan, Irak, Libanon: Seine Reportagen waren so explosiv wie die Orte, die er bereiste. Ein Kollege spöttelte später: «Kriegsgebiete als Karrieretrampolin – Hauptsache, die Klickzahlen stimmen!»

Rasanter Aufstieg in der Medienwelt

Mit 34 Jahren wurde er Chefredakteur von Bild.de – jüngster in der Geschichte des Blattes. Unter ihm explodierten die Zahlen:

JahrVisits (Mio.)Meilenstein
2014311Übernahme als Chefredakteur
2021438Höchststand unter seiner Führung

Doch der Erfolg hatte einen Beigeschmack. Schon als Jungredakteur liebte er Grenzgänge – beruflich wie privat. Ein Vorgeschmack auf spätere Vorwürfe, die ihn einholen sollten.

Die goldenen Jahre bei Bild

Digitaler Wandel und kontroverse Schlagzeilen prägten die goldenen Jahre bei Bild. Von 2017 bis 2021 führte ein Mann die Redaktion, der aus dem Print-Blatt ein Digital-Imperium machen wollte – mit gemischten Ergebnissen.

Chefredakteur mit digitalem Fokus

Sein Credo: «Schnelles Internet für alle!» Doch in der Redaktion surfte mancher noch auf ISDN-Wellen. Der digitale Umbau glich einem Kraftakt – wie Veggie-Wurst im Fleischblatt. Die Zahlen sprachen zunächst für sich:

  • Digital-Abos: Über 500.000
  • Print-Auflage: Von 1,57 auf 1,24 Millionen gesunken
  • Jeder dritte Deutsche klickte, aber nur jeder 50. kaufte noch die Papierausgabe

Seine Artikel waren darauf ausgelegt, viral zu gehen. «Ein Klick ist ein Klick», soll er gesagt haben – egal ob für Katzenvideos oder politische themen.

Reichweitenrekorde und kontroverse Themen

2020 zeigte die Amazon-Doku «BILD.Macht.Deutschland?» den Newsroom als Reality-Show. Big Brother im Journalismus – nur ohne offizielle Romanzen. Die Kameras hielten fest, wie Schlagzeilen entstanden, die später für Furore sorgten.

Migration, Integration, Panikmache: Manche posten grenzten an Hetze. Doch die Klickzahlen stimmten. 2021 erreichte Bild unter seiner Führung den Höchststand von 438 Millionen Visits.

«Reichweite um jeden Preis» – dieses Motto sollte ihn später einholen.

Der Erfolg hatte Risse: 2018 erhielt er die «Goldene Kartoffel» für journalistische fehler. Ein Vorgeschmack auf den Sturm, der kommen sollte.

Kontroversen und Vorwürfe

Skandale sind im Boulevardgeschäft nichts Neues – doch dieser übertraf alles. Plötzlich war nicht mehr die Bild-Schlagzeile das Thema, sondern ihr Chefredakteur. Und die Vorwürfe kamen nicht von außen, sondern aus den eigenen Reihen.

#MeToo-Skandal und Compliance-Verfahren

2021 begannen die Ermittlungen der Kanzlei Freshfields. Es ging um Machtmissbrauch, Drogen – und vor allem um Frauen. Eine Frau behauptete, Sex gegen Beförderungen angeboten bekommen zu haben. Ein alter Hut? Nicht ganz.

Das Besondere: Die Verfahren liefen intern, doch die Details sickerten nach außen. 5.000 Euro Schweigegeld, gefälschte Scheidungsurkunden – das klang nach schlechtem Kino. Doch es war Realität.

Kritik an Berichterstattung und Machtmissbrauch

Die Kritik traf nicht nur private Entscheidungen. Auch die Berichterstattung geriet ins Visier. Zu polarisierend, zu populistisch – und manchmal einfach zu dreist. Kollegen sprachen von «Twitter-Journalismus»: Schnell, laut und ohne Rücksicht.

Die New York Times enthüllte Hotel-Affären mit Mitarbeiterinnen. Sein Lieblingshotel? Nur einen Steinwurf vom Springer-Hochhaus entfernt. Praktisch – aber nicht sehr diskret.

Der Spiegel-Enthüllung und die Folgen

Dann kam der Spiegel. Neue Ermittlungen, neue Details. Fünf Frauen, fünf Geschichten – und alle ähnlich unglaubwürdig. Doch diesmal halfen weder Schweigegeld noch Anwälte.

«#MeToo bei Bild – wenn der Chefredakteur selbst zur Story wird»

Die Vorwürfe wurden zu schwer, die Beweise zu deutlich. Am Ende stand nicht nur ein Karriereknick, sondern eine grundsätzliche Frage: Wie viel Skandal verträgt der Journalismus – bevor er selbst zum Skandal wird?

Die Entlassung bei Bild

A high-profile news conference in a grand office, with the embattled Bild editor-in-chief facing a battery of journalists. Dramatic lighting casts striking shadows, evoking the gravity of the moment. The editor's expression is one of palpable tension, his posture rigid as he addresses the room. In the background, a large Bild logo looms, a symbol of the media empire in flux. The scene conveys a sense of upheaval and professional reckoning, reflecting the "Aufstieg und Fall" narrative of the article's subject.

12 Stunden reichten, um eine Karriere zu beenden. Der New York Times-Artikel vom 18. Oktober 2021 war der Anfang vom Ende. Was jahrelang hinter den Kulissen brodelte, wurde plötzlich weltweit sichtbar.

Vorwürfe und interne Untersuchungen

Die Ermittlungen liefen schon länger. Doch diesmal halfen weder Schweigegeld noch Anwälte. Intern wurde gemunkelt, dass die Politico-Übernahme wichtiger war als #MeToo-Vorwürfe.

Der Chefredakteur hatte schon 2021 ein Verfahren überstanden. Doch das Verhalten änderte sich nicht. Neue Vorwürfe kamen ans Licht – und diesmal war die Weltpresse dabei.

Das Ende einer Ära

Mathias Döpfner sprach von «belogen worden sein». Ironischerweise erhielt der Ex-Chef als Abschiedsgeschenk eine einstweilige Verfügung – gegen sich selbst.

Die Staatsanwaltschaft wurde später eingeschaltet. Doch da war die Entscheidung längst gefallen. Die Ermittlungen zeigten: Manchmal ist der Skandal schneller als der Aufzug im Springer-Hochhaus.

«Rauswurf per Breaking News – wenn die Story den Reporter einholt»

Ein Ende, das so boulevardesk war wie die Schlagzeilen, die es auslöste. Die Ära war vorbei – doch die Debatte ging erst richtig los.

Rechtsstreitigkeiten und juristische Niederlagen

Die Gerichtssäle wurden sein zweites Wohnzimmer – nur mit weniger Komfort und mehr Drama. Wer verliert schon gern vor Gericht? Er – öfter als gedacht. Doch manche Niederlagen waren spektakulärer als jede Bild-Schlagzeile.

Einstweilige Verfügungen und Persönlichkeitsrechte

2024 häuften sich die Klagen wegen Misgendering. Dunkel war sein Anwalt – passend zu den Aussichten. Das LG Frankfurt verbot ihm, eine trans Frau als Mann zu bezeichnen. Doch das OLG kippte die Verfügung wegen Formfehlern.

Sieben solcher Verfahren gab es. Mal wurde er verurteilt, mal nicht. Ein juristisches Glücksspiel mit ungewissem Ausgang. Das Fazit eines Richters: «Meinungsfreiheit hat Grenzen – die stehen im Gesetz.»

Der Fall Antonio Rüdiger und die Tauhīd-Geste

März 2024: Ein Artikel über Rüdigers «Islamisten-Gruß» sorgte für Aufruhr. Der Nationalspieler zeigte Anzeige. Aus dem Fingerzeig wurde ein Federkrieg – mit unvorhersehbarem Ende.

«Ein Zeigefinger reicht – für eine Klage und eine Medienlawine.»

Verfassungsgerichtsurteil zur Meinungsfreiheit

Am 11.04.2024 dann ein Lichtblick: Das BVerfG gab ihm im Afghanistan-Streit recht. Seine krude Entwicklung in einer Kolumne war als Meinung geschmückt – und damit geschützt.

DatumGerichtEntscheidung
15.11.2023KammergerichtNiederlage (Entwicklungshilfe-These)
11.04.2024BVerfGSieg (Meinungsfreiheit)

Für die betroffenen blieb es bitter. Doch im Medienkrieg zählt nur eins: Wer zuletzt lacht. Auch wenn es vor Gericht manchmal nur ein müdes Lächeln war.

Neuanfang bei Nius

A modern and sleek digital media corporation, Nius Portal Medien, stands tall in a bustling urban landscape. Its facade features a striking geometric design, with clean lines and a minimalist aesthetic. The building's glass exterior reflects the surrounding cityscape, creating a sense of transparency and connectivity. Warm lighting emanates from the windows, hinting at the creative energy and innovation within. In the foreground, a minimalist logo emblazoned on the building's facade speaks to the company's strong brand identity. The overall atmosphere conveys a sense of progress, technology, and a forward-thinking approach to news and media.

Manchmal braucht es nur ein neues Portal, um eine zweite Chance zu bekommen. Nach dem Bild-Aus ging es für Julian Reichelt direkt zum Nachrichtenportal Nius – vom Riesen zum Newcomer.

Das nachrichtenportal startete 2022 mit ihm als Zugpferd. Die Zahlen? Deutlich kleiner als bei Bild:

PortalBesucher (Mio.)Teamgröße
Bild438300+
Nius4,3812

Rechtspopulistische Tendenzen und Kritik

Schnell hagelte es kritik. Die medienwelt warf dem Portal rechte Tendenzen vor. Kooperationen mit Ex-AfDlern? «Nur Gerüchte», hieß es offiziell.

Sein neues Mantra: «Ich bin einfach konservativ!» Doch die Themenwahl sprach Bände. Migration, Genderdebatten, EU-Skepsis – alles dabei.

«Vom Bild-Chef zum Nius-Chef – Abstieg oder Upgrade im Paralleluniversum?»

Medienanstalt prüft Beschwerden

Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg nahm sich des Falls an. Sieben Beschwerden lagen auf dem Tisch. Zu rechts? Zu polemisch? Die Prüfung läuft.

Sein Büro war früher ein Copy-Shop. Passt irgendwie – schließlich kopiert das Portal oft Stilmittel aus der Bild-Zeit. Nur mit weniger Budget und mehr Gegenwind.

Die medienlandschaft in Deutschland hat ein neues Phänomen. Ob es bleibt? Das hängt von den themen ab – und davon, wie oft die Aufsichtsbehörden klingeln.

Julian Reichelt und die öffentliche Debatte

20 Rügen des Presserats – ein Rekord, der Fragen aufwirft. Wer so oft aneckt, macht nicht nur Kritik, sondern wird zum Fallbeispiel. Seine Selbstbeschreibung als «konservativ» klang harmlos. Doch Vergleiche mit Strauß oder Reagan zeigten: Hier ging es um mehr als nur Meinungen.

Polarisierende Positionen

Die Corona-Kampagne gegen Drosten war ein Lehrstück. Statt Fakten dominierte Angstmache. Die Entscheidung, Wissenschaftler zu diffamieren, kostete Glaubwürdigkeit – aber brachte Klicks.

Dann die Sache mit den Grünen: Falschmeldungen über eine «PolizeiGrün» führten zur Klage. Das Gericht sah klaren Absicht – ein Tiefpunkt für den Journalismus.

Einfluss auf den Journalismus

Juliane Löfflers Recherchen zeigten, wie tief die Probleme lagen. Ihre Arbeit war entscheidend für die Aufklärung. Doch die 20 Presserat-Rügen blieben. Ein Armutszeugnis für die Medienlandschaft.

«Provokation statt Information – wenn Schlagzeilen die Realität ersetzen.»

Sein Erbe? Der Beweis, dass Skandale Karrieren beflügeln – bis sie sie zerstören.

Fazit

Twitter, Skandale, Absturz – eine moderne Ikarus-Geschichte. Der ehemalige Chefredakteur der Bild flog hoch, verbrannte sich die Flügel – und landete doch irgendwie auf den Füßen. Ob bei Nius oder im nächsten Reality-Format: Langweilig wird’s nie.

Sein Motto? „Fallen lernt man nur durch Aufstehen.“ Oder durch ein neues Portal. In Deutschland gibt’s immer ein Comeback – sei es als „Digital-Hero“ oder als Meme.

Die Jahren bei Springer waren wild, die Abs-chiede dramatisch. Doch eines ist sicher: Die Medienwelt dreht sich weiter – und er twittert munter mit. To be continued?

FAQ

Warum wurde Julian Reichelt als Chefredakteur entlassen?

Die Entlassung folgte auf interne Ermittlungen wegen Vorwürfen zu Machtmissbrauch und Verstößen gegen Compliance-Regeln. Der Skandal wurde durch eine Spiegel-Enthüllung verstärkt.

Welche Rolle spielte die #MeToo-Debatte in dem Fall?

Die Vorwürfe gegen Reichelt wurden im Kontext von #MeToo öffentlich diskutiert. Es ging um Machtgefälle und unangemessenes Verhalten gegenüber Mitarbeiterinnen.

Hat Julian Reichelt juristisch gegen Berichte über ihn vorgegangen?

Ja, er setzte mehrfach einstweilige Verfügungen durch, etwa gegen die Legal Tribune Online. Allerdings scheiterte er später in einigen Verfahren.

Was war der Vorwurf im Fall Antonio Rüdiger?

Reichelt kritisierte Rüdigers Geste als politisch – das Gericht sah darin jedoch keine Hetze. Das Urteil stärkte die Meinungsfreiheit von Sportlern.

Warum sorgt sein Wechsel zu Nius für Diskussionen?

Das Portal steht in der Kritik wegen rechtspopulistischer Tendenzen. Medienaufsichten prüfen Beschwerden gegen die Berichterstattung.

Wie hat Reichelt die digitale Ausrichtung von Bild geprägt?

Unter ihm setzte Bild stark auf virale Themen und Reichweitenrekorde – oft mit polarisierenden Inhalten. Das brachte Erfolge, aber auch Kritik.

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