Intervallfasten ist ein beliebter Ansatz zur Gewichtsreduktion, doch neue Forschungsergebnisse werfen Fragen auf. Studien deuten darauf hin, dass die Methode nicht effektiver ist als herkömmliche Diäten. Die vermeintlichen Vorteile des Intervallfastens gegenüber anderen Abnehmstrategien scheinen demnach unbegründet. Intervallfasten Kritik steht dabei im Mittelpunkt.

Kernpunkte
- Eine aktuelle Übersichtsarbeit der Cochrane Library analysierte 22 Studien zum Intervallfasten.
- Die Analyse ergab keinen signifikanten Vorteil des Intervallfastens gegenüber herkömmlichen Diäten in Bezug auf Gewichtsverlust oder Verbesserung der Lebensqualität.
- Experten betonen, dass weitere Forschung erforderlich ist, um die langfristigen Auswirkungen und die Wirksamkeit des Intervallfastens vollständig zu verstehen.
- Die Ergebnisse legen nahe, dass die Wahl der Diät von individuellen Vorlieben und Bedürfnissen abhängen sollte.
Intervallfasten: Ein Abnehm-Trend im kritischen Blick
Das Intervallfasten hat sich in den letzten Jahren zu einem regelrechten Trend entwickelt. Befürworter loben die Methode als einfache und effektive Möglichkeit, Gewicht zu verlieren und die Gesundheit zu verbessern. Doch nun mehren sich die Stimmen, die eine kritische Auseinandersetzung mit dem Intervallfasten fordern. Eine aktuelle Übersichtsarbeit der Cochrane Library, die auf der Analyse von 22 Studien basiert, kommt zu dem Schluss, dass Intervallfasten möglicherweise nicht effektiver ist als herkömmliche Diäten. Wie Stern berichtet, seien die Ergebnisse allerdings noch mit Unsicherheiten behaftet.
Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren im Jahr 2022 rund 2,5 Milliarden Menschen weltweit übergewichtig. Das entspricht 43 Prozent der Menschen ab 18 Jahren. Von diesen waren 890 Millionen Menschen adipös, was 16 Prozent aller Erwachsenen entspricht.
Was ist Intervallfasten und wie funktioniert es?
Intervallfasten, auch intermittierendes Fasten genannt, ist ein Ernährungsmuster, bei dem sich Phasen der normalen Nahrungsaufnahme mit Phasen des Fastens abwechseln. Es gibt verschiedene Varianten des Intervallfastens, darunter die 16/8-Methode, bei der man 16 Stunden fastet und innerhalb von 8 Stunden isst, sowie die 5:2-Methode, bei der man an zwei Tagen der Woche stark reduziert Kalorien zu sich nimmt und an den übrigen fünf Tagen normal isst. Das Ziel ist es, durch die reduzierten Kalorienzufuhr und die längeren Essenspausen den Stoffwechsel anzukurbeln und die Fettverbrennung zu fördern.
Die Cochrane-Analyse: Was sagt die Forschung?
Die Cochrane-Analyse untersuchte 22 Studien mit insgesamt knapp 2.000 Teilnehmern aus Nordamerika, Europa, China, Australien und Südamerika. Die Studien verglichen die Auswirkungen von Intervallfasten auf Gewichtsverlust, Blutzuckerwerte, Cholesterinspiegel und Lebensqualität mit denen von herkömmlichen Diäten. Die Ergebnisse zeigten, dass Intervallfasten keinen besseren oder nur einen sehr geringfügig besseren Effekt bei der Gewichtsabnahme hatte als andere Methoden. Auch eine merkliche Verbesserung der Lebensqualität ließ sich nicht nachweisen. Die Studienautoren betonen jedoch, dass die Evidenzlage begrenzt ist und weitere Forschung erforderlich ist, um definitive Schlussfolgerungen zu ziehen. (Lesen Sie auch: Wetterprognose Schneefall: DWD warnt vor kritischer)
Jörg Meerpohl vom Universitätsklinikum Freiburg, Direktor von Cochrane Deutschland, der selbst nicht an der Arbeit beteiligt war, erklärte: «Es handelt sich dabei bislang nur um Hinweise, nicht um einen Beweis – das heißt, wir können die Wirksamkeit von Intervallfasten noch nicht mit ausreichender Sicherheit beurteilen.»
Expertenmeinungen: Pro und Contra Intervallfasten
Die Meinungen von Experten zum Intervallfasten gehen auseinander. Einige sehen in der Methode eine vielversprechende Möglichkeit zur Gewichtsreduktion und zur Verbesserung der Gesundheit, während andere vor überzogenen Erwartungen warnen und auf mögliche Risiken hinweisen.
Prof. Dr. Andreas Pfeiffer, Ernährungsmediziner an der Charité Berlin, betont, dass Intervallfasten für manche Menschen eine sinnvolle Option sein kann, insbesondere für diejenigen, die Schwierigkeiten haben, herkömmliche Diäten einzuhalten. Er weist jedoch darauf hin, dass Intervallfasten nicht für jeden geeignet ist und dass es wichtig ist, sich vor Beginn einer solchen Diät von einem Arzt oder Ernährungsberater beraten zu lassen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung als Basis für eine gesunde Lebensweise.
Kritiker des Intervallfastens bemängeln, dass die Studienlage noch nicht ausreichend ist, um die langfristigen Auswirkungen der Methode auf die Gesundheit beurteilen zu können. Sie weisen darauf hin, dass Intervallfasten zu Mangelerscheinungen führen kann, wenn man während der Essensphasen nicht auf eine ausgewogene Ernährung achtet. Zudem warnen sie vor möglichen negativen Auswirkungen auf den Stoffwechsel und die Psyche.
Adipositas, also krankhaftes Übergewicht, ist ein wachsendes Problem weltweit. Sie erhöht das Risiko für zahlreiche Erkrankungen, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2, bestimmte Krebsarten und Gelenkprobleme. Gewichtsverlust ist daher eine wichtige Strategie zur Reduzierung dieser Risiken. (Lesen Sie auch: Extreme Wetterlagen: Was bedeutet der Trend الطقس)
Welche Risiken birgt Intervallfasten?
Obwohl Intervallfasten für viele Menschen sicher sein kann, birgt es auch potenzielle Risiken. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Hunger, Reizbarkeit, Müdigkeit und Kopfschmerzen. In einigen Fällen kann Intervallfasten auch zu Verdauungsproblemen wie Verstopfung oder Durchfall führen. Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, wie z.B. Diabetes, Essstörungen oder einer Vorgeschichte von Untergewicht, sollten vor Beginn einer Intervallfasten-Diät unbedingt einen Arzt konsultieren. Schwangere und stillende Frauen sollten ebenfalls auf Intervallfasten verzichten. Es ist wichtig, auf den eigenen Körper zu hören und bei auftretenden Beschwerden das Intervallfasten abzubrechen.
Alternative Ansätze zur Gewichtsreduktion
Neben Intervallfasten gibt es zahlreiche andere Ansätze zur Gewichtsreduktion, die wissenschaftlich fundiert und effektiv sind. Dazu gehören:
- Eine ausgewogene Ernährung: Eine Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und magerem Protein ist und wenig verarbeitete Lebensmittel, Zucker und gesättigte Fette enthält, ist die Grundlage für eine gesunde Gewichtsreduktion.
- Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität hilft, Kalorien zu verbrennen, Muskelmasse aufzubauen und den Stoffwechsel anzukurbeln.
- Verhaltensänderungen: Die Veränderung von Essgewohnheiten und die Entwicklung gesunder Routinen sind entscheidend für eine langfristige Gewichtsreduktion.
- Professionelle Unterstützung: Ein Ernährungsberater oder Arzt kann helfen, einen individuellen Ernährungsplan zu erstellen und bei der Umsetzung zu unterstützen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bietet umfassende Informationen und Empfehlungen zu gesunder Ernährung und Lebensweise.
Fazit: Braucht das Intervallfasten eine kritische Neubewertung?
Die aktuelle Studienlage deutet darauf hin, dass der Hype ums Intervallfasten möglicherweise nicht gerechtfertigt ist. Intervallfasten scheint keine überlegene Methode zur Gewichtsreduktion zu sein, sondern eher eine von vielen Optionen. Ob Intervallfasten für eine Person geeignet ist, hängt von individuellen Vorlieben, Bedürfnissen und gesundheitlichen Voraussetzungen ab. Es ist wichtig, sich vor Beginn einer solchen Diät von einem Arzt oder Ernährungsberater beraten zu lassen und auf eine ausgewogene Ernährung zu achten. Die Verbraucherzentrale bietet hierzu weitere Informationen. Die Zukunft wird zeigen, ob weitere Forschung die Wirksamkeit des Intervallfastens bestätigen oder widerlegen wird. Bis dahin bleibt es wichtig, eine kritische und informierte Perspektive auf diese und andere Abnehm-Trends zu bewahren.

Ursprünglich berichtet von: Stern
Häufig gestellte Fragen
Was genau versteht man unter Intervallfasten?
Intervallfasten ist ein Ernährungsmuster, bei dem sich Phasen der normalen Nahrungsaufnahme mit Phasen des Fastens abwechseln. Es gibt verschiedene Varianten, wie die 16/8-Methode oder die 5:2-Methode, die unterschiedliche Zeiträume für Essen und Fasten vorsehen.
Welche Kritik wird am Intervallfasten geäußert?
Kritiker bemängeln, dass die Studienlage zur langfristigen Wirksamkeit und den gesundheitlichen Auswirkungen des Intervallfastens noch begrenzt ist. Zudem wird darauf hingewiesen, dass es bei falscher Anwendung zu Mangelerscheinungen kommen kann.
Für wen ist Intervallfasten nicht geeignet?
Intervallfasten ist nicht für jeden geeignet. Schwangere und stillende Frauen, Menschen mit Essstörungen, Diabetes oder anderen Vorerkrankungen sollten vor Beginn des Intervallfastens unbedingt einen Arzt konsultieren.
Welche Vorteile werden dem Intervallfasten zugeschrieben?
Befürworter des Intervallfastens sehen Vorteile in der Gewichtsreduktion, der Verbesserung der Insulinsensitivität und der Förderung der Zellregeneration. Diese Effekte sind jedoch nicht in allen Studien eindeutig belegt. (Lesen Sie auch: Karneval Unfall Niederkassel: Drei Verletzte bei Umzug)
Welche Alternativen gibt es zum Intervallfasten für die Gewichtsabnahme?
Es gibt zahlreiche alternative Ansätze zur Gewichtsabnahme, darunter eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, Verhaltensänderungen und professionelle Unterstützung durch Ernährungsberater oder Ärzte.




