Die türkische Tageszeitung Hürriyet, die seit Jahrzehnten eine feste Größe für die türkische Gemeinschaft in Deutschland war, hat zum 31. Januar 2025 ihre gedruckte Europa-Ausgabe eingestellt. Dieser Schritt markiert das Ende einer Ära und wirft ein Licht auf den Wandel in der Mediennutzung sowie die Neuausrichtung eines der einflussreichsten türkischen Medienhäuser.
Die Hürriyet (türkisch für „Freiheit“) ist eine der größten und bekanntesten Tageszeitungen der Türkei, gegründet 1948. Seit dem Verkauf an die regierungsnahe Demirören Holding im Jahr 2018 hat sich die politische Ausrichtung des Blattes deutlich verändert. Die Einstellung der gedruckten Ausgabe in Deutschland ist ein bedeutender Einschnitt, der auf wirtschaftliche Faktoren und einen Wandel im Leseverhalten zurückzuführen ist.
Geschichte der Hürriyet in Deutschland
Die Geschichte der Hürriyet in Deutschland ist eng mit der türkischen Arbeitsmigration der 1960er Jahre verknüpft. Um die wachsende türkische Gemeinschaft mit Nachrichten aus der Heimat zu versorgen, erschien die erste Ausgabe in Deutschland am 17. April 1969. Zunächst wurden die Zeitungen aus der Türkei eingeflogen, doch aufgrund der hohen Nachfrage wurde der Druck bald nach Deutschland verlagert. Die europäische Zentralredaktion befand sich lange Zeit in Mörfelden-Walldorf bei Frankfurt am Main.
In ihren besten Zeiten erreichte die Europa-Ausgabe eine verkaufte Auflage von über 150.000 Exemplaren täglich, wovon ein Großteil in Deutschland abgesetzt wurde. Sie war damit nicht nur eine wichtige Informationsquelle, sondern auch ein Stück Heimat und ein kultureller Anker für viele türkischstämmige Menschen. Die Zeitung bot neben Nachrichten aus der Türkei auch lokale Inhalte für die Community in Deutschland und Europa.
Veränderte politische Ausrichtung der Hürriyet
Die Hürriyet wurde am 1. Mai 1948 von Sedat Simavi gegründet und gehörte ab 1994 zur Doğan-Mediengruppe. Während dieser Zeit verfolgte das Blatt eine säkulare bis nationalistische und zuweilen regierungskritische Linie. Dies änderte sich jedoch drastisch mit dem Verkauf an die Demirören Holding im März 2018. Die Demirören-Gruppe ist für ihre Nähe zur Regierung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan bekannt.
Nach der Übernahme wurden zahlreiche kritische Journalisten entlassen, und die redaktionelle Linie der Hürriyet wurde zunehmend regierungsnah ausgerichtet. Dieser Wandel wurde von Kritikern als weiterer Schritt zur Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei und als Konsolidierung der Medienmacht unter regierungsfreundlichen Unternehmern gesehen. Die einstmals als liberal und Mainstream geltende Zeitung wurde zu einem Sprachrohr der Regierung.
Das Ende der Print-Ära: Gründe und Folgen
Die Entscheidung, die gedruckte Ausgabe der Hürriyet in Deutschland und Europa zum 31. Januar 2025 einzustellen, wurde von der Eigentümerfamilie Demirören mit wirtschaftlichen Faktoren begründet. Die Auflage war in den letzten Jahren dramatisch gesunken. Waren es in den 2000er Jahren noch rund 100.000 Exemplare täglich, sank die Zahl bis zuletzt auf etwa 30.000.
Die Gründe für diesen Rückgang sind vielschichtig:
- Generationenwechsel: Jüngere Generationen von Deutsch-Türken sprechen oft besser Deutsch als Türkisch und konsumieren eher deutsche Medien.
- Fortschreitende Integration: Mit zunehmender Integration in die deutsche Gesellschaft verliert die Notwendigkeit eines rein türkischsprachigen Mediums an Bedeutung.
- Digitalisierung: Die zunehmende Nutzung digitaler Nachrichtenangebote und sozialer Medien hat das klassische Zeitungsgeschäft stark beeinträchtigt.
Bereits 2013 wurde die deutsche Zentralredaktion geschlossen und die Europa-Ausgabe direkt in Istanbul produziert, was ein erstes Anzeichen für die schwindende Bedeutung des Print-Marktes war. Die Einstellung der gedruckten Zeitung ist somit die konsequente Folge einer langjährigen Entwicklung.
Die digitale Zukunft von Hürriyet.de
Obwohl die gedruckte Zeitung Geschichte ist, bleibt die Marke Hürriyet in Deutschland präsent. Mit dem Online-Portal hurriyet.de, das im November 2018 startete, versucht der Verlag, eine jüngere Zielgruppe zu erreichen. Die Webseite bietet Nachrichten auf Deutsch und Türkisch und richtet sich sowohl an Deutsch-Türken als auch an ein deutsches Publikum mit Interesse an der Türkei.
Das Portal deckt ein breites Themenspektrum ab, von Politik und Wirtschaft bis hin zu Lifestyle und Sport. Trotz der regierungsnahen Ausrichtung des Mutterkonzerns betonten die Verantwortlichen von hurriyet.de in der Vergangenheit, eine neutrale Berichterstattung liefern zu wollen, um ein realistisches Bild der Türkei zu zeichnen. Ob dieser Anspruch in der Praxis erfüllt wird, bleibt Gegenstand der Beobachtung durch Medienexperten.
Kritik und Kontroversen um die Berichterstattung
Die Hürriyet war in Deutschland nicht immer unumstritten. Insbesondere in den 1990er und 2000er Jahren sah sich die Zeitung wiederholt dem Vorwurf der Hetze und einseitigen Berichterstattung ausgesetzt. Der Deutsche Presserat erteilte mehrere öffentliche Rügen, beispielsweise wegen der unzutreffenden Bezeichnung eines Bürgermeisters als „PKK’ler“ oder wegen indirekter Aufrufe zu Übergriffen auf einen deutschen Journalisten.
Die oft reißerische und polarisierende Art der Berichterstattung, die mit der deutschen „Bild“-Zeitung verglichen wird, hat das Image des Blattes nachhaltig geprägt. Kritiker warfen der Zeitung vor, gesellschaftliche Spannungen zu schüren, anstatt zur Völkerverständigung beizutragen. Seit dem Eigentümerwechsel steht zudem die mangelnde Unabhängigkeit von der türkischen Regierung im Fokus der Kritik. Für viele ist die Zeitung ein Beispiel für die zunehmende Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei.
Bedeutung für die deutsch-türkische Gemeinschaft
Trotz aller Kontroversen war die Hürriyet über ein halbes Jahrhundert lang eine Institution und einflussreiche Stimme für die türkische Diaspora in Deutschland. Für die erste und zweite Einwanderergeneration war sie oft die primäre Nachrichtenquelle und ein wichtiges Bindeglied zur alten Heimat. Die Zeitung spiegelte die Sorgen, Interessen und Debatten innerhalb der Community wider und bot eine Plattform für den Austausch.
Die Einstellung der Print-Ausgabe markiert einen tiefen Einschnitt. Sie symbolisiert nicht nur den unaufhaltsamen Wandel der Medienlandschaft, sondern auch den fortschreitenden Prozess der Integration und des Generationenwechsels. Ob die digitale Präsenz der Hürriyet die Lücke füllen und die gleiche Bindungskraft entfalten kann wie einst die tägliche gedruckte Zeitung, wird die Zukunft zeigen. Der Verlust der gedruckten Ausgabe ist für viele langjährige Leser auch ein emotionaler Abschied von einem vertrauten Begleiter. Passend dazu könnte auch der neue Film The Choral sein, der sich mit Krieg und Musik auseinandersetzt und somit ebenfalls tiefgreifende gesellschaftliche Themen behandelt.
| Merkmal | Information | Quelle |
|---|---|---|
| Gründungsjahr | 1. Mai 1948 | |
| Gründer | Sedat Simavi | |
| Aktueller Eigentümer | Demirören Holding (seit 2018) | |
| Politische Ausrichtung | Seit 2018 regierungsnah | |
| Erste Ausgabe in Deutschland | 17. April 1969 | |
| Einstellung der Print-Ausgabe (Europa) | 31. Januar 2025 | |
| Deutsches Online-Portal | hurriyet.de (seit Nov. 2018) |
FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Hürriyet
Warum gibt es die Hürriyet in Deutschland nicht mehr gedruckt?
Die gedruckte Ausgabe der Hürriyet wurde am 31. Januar 2025 in Deutschland und Europa eingestellt. Als Gründe nannte der Verlag wirtschaftliche Faktoren, stark gesunkene Auflagenzahlen, den Generationenwechsel bei den Lesern und die zunehmende Nutzung digitaler Medien.
Wem gehört die Hürriyet?
Die Hürriyet gehört seit März 2018 zur Demirören Holding, einem türkischen Mischkonzern, der als regierungsnah gilt. Zuvor war sie Teil der Doğan-Mediengruppe.
Was bedeutet das Wort Hürriyet?
Hürriyet ist ein türkisches Wort und bedeutet auf Deutsch „Freiheit“ oder „Unabhängigkeit“. Der Name leitet sich vom arabischen Wort „ḥurriyya“ ab.
Wie kann ich die Hürriyet heute in Deutschland lesen?
Sie können die Hürriyet in Deutschland über ihre digitalen Angebote lesen. Es gibt die türkischsprachige Hauptseite hurriyet.com.tr und das deutsch-türkische Nachrichtenportal hurriyet.de. Zudem gibt es mobile Apps für Smartphones.
Wie war die politische Ausrichtung der Hürriyet früher?
Vor der Übernahme durch die Demirören Holding im Jahr 2018 galt die Hürriyet unter der Doğan-Gruppe als säkular, nationalistisch und teilweise kritisch gegenüber der Regierung. Sie wurde dem Mainstream-Lager zugeordnet. Die politische Landschaft und die Rolle der Medien sind ein komplexes Thema, ähnlich wie die Debatte über den Entzug des EU-Stimmrechts für einzelne Mitgliedsstaaten.
Fazit: Ein Symbol des Wandels
Das Ende der gedruckten Hürriyet in Deutschland ist mehr als nur eine betriebswirtschaftliche Entscheidung. Es ist ein Symbol für den tiefgreifenden Wandel der Mediennutzung und der deutsch-türkischen Gemeinschaft. Während die erste Generation von Einwanderern in der gedruckten Zeitung ein Stück Heimat fand, orientiert sich die jüngere, digital affine Generation neu. Die Zukunft der Marke Hürriyet in Deutschland liegt nun ausschließlich im digitalen Raum, wo sie sich gegen eine Vielzahl von deutschen und türkischen Informationsangeboten behaupten muss. Es bleibt abzuwarten, welche Rolle sie in der sich wandelnden Medienlandschaft und für die Identität der Deutsch-Türken spielen wird. Weitere Informationen zur türkischen Medienlandschaft bietet auch Wikipedia.
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