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Gerhard Schröder ist auch im Jahr 2026 eine der umstrittensten Figuren der deutschen Politik. Der siebte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland prägte mit der Agenda 2010 den Sozialstaat nachhaltig, steht aber seit Jahren wegen seiner engen Verbindungen zu Russland und Wladimir Putin massiv in der Kritik. Seine Karriere ist ein Spiegelbild politischer Macht, wirtschaftlicher Interessen und persönlicher Freundschaften, die bis heute für Debatten sorgen.
Inhaltsverzeichnis
- Wer ist Gerhard Schröder?
- Der politische Aufstieg in der SPD
- Die Kanzlerschaft von Gerhard Schröder (1998–2005)
- Agenda 2010: Die umstrittene Reform
- Außenpolitik: Kosovo, Irak und Russland
- Nach der Kanzlerschaft: Wirtschaft und Kritik
- Gerhard Schröder und seine Verbindung zu Russland
- Aktuelle Entwicklungen und Forderungen 2026
- Privates und Familie
Wer ist Gerhard Schröder?
Gerhard Fritz Kurt Schröder, geboren am 7. April 1944 in Mossenberg-Wöhren, ist ein ehemaliger deutscher Politiker der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Er war von Oktober 1998 bis November 2005 der siebte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Zuvor amtierte er von 1990 bis 1998 als Ministerpräsident von Niedersachsen. Nach seiner politischen Karriere wechselte er in die Wirtschaft und ist vor allem für seine Tätigkeiten für russische Energiekonzerne wie Nord Stream und Rosneft bekannt, die ihm heftige Kritik einbrachten.
Der politische Aufstieg in der SPD
Schröders Weg an die Macht begann früh. Bereits 1963 trat er in die SPD ein. Er engagierte sich bei den Jusos, der Jugendorganisation der Partei, und wurde von 1978 bis 1980 deren Bundesvorsitzender. Nach seinem Jurastudium in Göttingen und seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt zog er 1980 in den Deutschen Bundestag ein. Seine Ambitionen waren früh erkennbar; bekannt ist die Anekdote, nach der er 1982 am Zaun des Bonner Kanzleramts gerüttelt und gerufen haben soll: „Ich will da rein“.
1990 führte er die SPD in Niedersachsen zum Wahlsieg und wurde Ministerpräsident einer rot-grünen Koalition. Dieses Amt hatte er bis zu seiner Wahl zum Bundeskanzler 1998 inne. Sein Erfolg in Niedersachsen und seine medienwirksame Präsenz machten ihn zum Kanzlerkandidaten der SPD, der Helmut Kohl nach 16 Jahren im Amt ablöste.
Die Kanzlerschaft von Gerhard Schröder (1998–2005)
Am 27. Oktober 1998 wurde Gerhard Schröder zum Bundeskanzler einer Koalition aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen gewählt. Seine Regierungszeit war von bedeutenden innen- und außenpolitischen Entscheidungen geprägt. Dazu zählten der Ausstieg aus der Kernenergie, Reformen im Staatsangehörigkeitsrecht und die Einführung des Euro als Bargeld im Jahr 2002. Insbesondere die Arbeitsmarkt- und Sozialreformen der Agenda 2010 wurden zum zentralen und kontroversesten Projekt seiner Kanzlerschaft. Nach einer knappen Wiederwahl 2002 endete seine Amtszeit 2005 nach vorgezogenen Neuwahlen, aus denen Angela Merkel als Siegerin hervorging.
Agenda 2010: Die umstrittene Reform
Angesichts hoher Arbeitslosigkeit und schwachen Wirtschaftswachstums präsentierte Gerhard Schröder am 14. März 2003 die „Agenda 2010“. Ziel war es, den Sozialstaat zu modernisieren und den Arbeitsmarkt zu flexibilisieren. Kernstück waren die sogenannten Hartz-Reformen, die unter anderem Arbeitslosengeld und Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld II (Hartz IV) zusammenlegten. Schröder erklärte damals: „Wir werden die Leistungen des Staates kürzen, Eigenverantwortung fördern und mehr Eigenleistung von den Einzelnen fordern.“ Während Befürworter Schröders Mut zu unpopulären Maßnahmen lobten, kritisierten Gewerkschaften und der linke Parteiflügel einen massiven Sozialabbau. Die Agenda 2010 führte zu tiefen Rissen in der SPD und trug zur späteren Gründung der Partei Die Linke bei.
Außenpolitik: Kosovo, Irak und Russland
Schröders Außenpolitik war ebenfalls prägend. 1999 stimmte die rot-grüne Regierung der Beteiligung der Bundeswehr am NATO-Einsatz im Kosovo-Krieg zu – dem ersten Kampfeinsatz deutscher Soldaten seit dem Zweiten Weltkrieg. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 sicherte er den USA die „uneingeschränkte Solidarität“ Deutschlands zu und entsandte Truppen nach Afghanistan. Eine klare Kante zeigte er jedoch 2002, als er eine deutsche Beteiligung am Irakkrieg kategorisch ablehnte, was das deutsch-amerikanische Verhältnis belastete, ihm aber zur Wiederwahl verhalf. Bereits während seiner Amtszeit pflegte er eine enge Beziehung zum russischen Präsidenten Wladimir Putin, die er auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt fortsetzte und intensivierte.
Nach der Kanzlerschaft: Wirtschaft und Kritik
Kurz nach dem Ende seiner Kanzlerschaft im Jahr 2005 übernahm Gerhard Schröder den Vorsitz des Aktionärsausschusses der Nord Stream AG, der Betreibergesellschaft der Ostsee-Pipeline, an der der russische Staatskonzern Gazprom mehrheitlich beteiligt ist. Seit 2017 ist er zudem Aufsichtsratsvorsitzender beim russischen Ölkonzern Rosneft. Diese Engagements brachten ihm den Vorwurf des Lobbyismus und der Interessenkonflikte ein, da der Pipeline-Vertrag noch während seiner Amtszeit unterzeichnet wurde. Die Kritik verschärfte sich nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 massiv.
Gerhard Schröder und seine Verbindung zu Russland
Trotz des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine und internationaler Sanktionen hielt Gerhard Schröder an seinen Posten in russischen Energieunternehmen und seiner Freundschaft zu Wladimir Putin fest. Er bezeichnete den Krieg zwar als „fatale Fehlentscheidung“, distanzierte sich aber nicht von Putin. Dies führte zu mehreren Parteiausschlussverfahren innerhalb der SPD, die jedoch alle scheiterten, da ihm kein schwerwiegender Verstoß gegen die Parteiordnung nachgewiesen werden konnte. Die SPD-Führung ist seither auf Distanz zu ihrem Altkanzler gegangen. Schröder selbst verteidigte sein Engagement und warnte wiederholt vor einer „Dämonisierung Russlands“. Er sieht sich als Vermittler und betonte, dass eine Verhandlungslösung im Ukraine-Krieg ohne Washington nicht möglich sei.
Aktuelle Entwicklungen und Forderungen 2026
Auch im Jahr 2026 meldet sich Gerhard Schröder weiterhin politisch zu Wort. Im Oktober 2025 verteidigte er vor einem Untersuchungsausschuss in Schwerin den Bau der Pipeline Nord Stream 2 als energiepolitisch richtige Entscheidung. Angesichts schwacher Wahlergebnisse seiner Partei forderte Gerhard Schröder am 25. März 2026 die SPD zu einem wirtschaftsfreundlichen Reformkurs auf. Er sagte, das Land brauche eine „neue Agenda-Politik“ und die Partei müsse sich weniger mit „Nebenthemen“ beschäftigen. Zudem kritisierte er die Doppelspitze der SPD und nannte sie „Quatsch“. Solche Äußerungen verdeutlichen, dass der Altkanzler, obwohl politisch isoliert, weiterhin versucht, Einfluss auf die politische Debatte in Deutschland zu nehmen, wie auch Markus Lanz in seiner Sendung oft thematisiert.
Privates und Familie
Gerhard Schröder war fünfmal verheiratet. Seit 2018 ist er mit der südkoreanischen Wirtschaftsmanagerin Soyeon Schröder-Kim verheiratet. Aus seiner Ehe mit Doris Köpf hat er zwei Adoptivkinder, Viktoria und Gregor. Er selbst hat keine leiblichen Kinder. Sein Vater Fritz Schröder fiel im Zweiten Weltkrieg in Rumänien, ohne dass sein Sohn ihn jemals kennenlernte. Diese familiäre Prägung hat Schröder nach eigenen Angaben politisch beeinflusst.
Übersicht: Politische Karriere von Gerhard Schröder
| Amt/Position | Zeitraum |
|---|---|
| Bundesvorsitzender der Jusos | 1978–1980 |
| Mitglied des Deutschen Bundestages | 1980–1986 |
| Ministerpräsident von Niedersachsen | 1990–1998 |
| Präsident des Bundesrates | 1997–1998 |
| Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland | 1998–2005 |
| Bundesvorsitzender der SPD | 1999–2004 |
FAQ zu Gerhard Schröder
Was macht Gerhard Schröder heute?
Gerhard Schröder ist nach seiner politischen Karriere als Rechtsanwalt und Wirtschaftslobbyist tätig. Er hält hochdotierte Posten in russischen Energieunternehmen, unter anderem als Aufsichtsratsvorsitzender bei Rosneft und im Aktionärsausschuss von Nord Stream, was ihm viel Kritik einbringt.
Warum ist Gerhard Schröder so umstritten?
Die Kontroversen um Gerhard Schröder entzünden sich hauptsächlich an zwei Punkten: seiner Agenda 2010, die von vielen als Sozialabbau kritisiert wird, und seiner unerschütterlichen Nähe zu Wladimir Putin und russischen Energiekonzernen, besonders seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine 2022.
Wie lange war Gerhard Schröder Bundeskanzler?
Gerhard Schröder war von Oktober 1998 bis November 2005 und damit für zwei Legislaturperioden, also insgesamt sieben Jahre, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.
Ist Gerhard Schröder noch in der SPD?
Ja, Gerhard Schröder ist weiterhin Mitglied der SPD. Mehrere Anträge auf einen Parteiausschluss wegen seiner Russland-Nähe scheiterten, da die Schiedskommissionen der Partei keinen ausreichenden Grund für einen Ausschluss sahen.
Was war die Agenda 2010?
Die Agenda 2010 war ein umfassendes Reformprogramm der rot-grünen Bundesregierung unter Kanzler Schröder, das 2003 vorgestellt wurde. Es umfasste tiefgreifende Einschnitte im Sozialsystem und auf dem Arbeitsmarkt (Hartz-Gesetze), um die deutsche Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen.
Fazit
Die politische Figur Gerhard Schröder bleibt auch mehr als 20 Jahre nach dem Ende seiner Kanzlerschaft ein Reizthema. Seine Amtszeit war geprägt von weitreichenden Entscheidungen wie der Agenda 2010 und einer selbstbewussten Außenpolitik. Sein Wirken nach der Politik, insbesondere die enge Verflechtung mit russischen Staatsinteressen, hat sein Ansehen jedoch nachhaltig beschädigt und spaltet die öffentliche Meinung bis heute. Während die einen in ihm den mutigen Reformer sehen, der Deutschland modernisiert hat, ist er für die anderen ein Symbol für die problematische Verquickung von Politik und Wirtschaftsinteressen. Die Debatte um sein politisches Erbe wird daher noch lange andauern.
Social Media Snippets
Facebook: Gerhard Schröder – Vom Kanzler der Agenda 2010 zum umstrittenen Russland-Lobbyisten. Was bleibt von seiner Politik und warum sorgt er auch 2026 noch für Schlagzeilen? Wir blicken auf eine der kontroversesten Karrieren Deutschlands. #GerhardSchröder #SPD #Agenda2010 #Russland #Politik
X (Twitter): Altkanzler Gerhard Schröder fordert 2026 eine „neue Agenda“ für die #SPD. Doch wie glaubwürdig ist der Mann, der wegen seiner Putin-Nähe politisch isoliert ist? Eine Analyse seiner Karriere von der Macht bis zur Kritik. #Schröder #Agenda2010 #Russland
Instagram: Gerhard Schröder: Kanzler, Reformer, umstrittener Wirtschaftslobbyist. 🇩🇪 Seine Agenda 2010 hat Deutschland verändert, seine Freundschaft zu Putin spaltet bis heute. Ein Blick auf die steile Karriere und den tiefen Fall einer politischen Ikone. #GerhardSchröder #Politik #Deutschland #Geschichte #Kanzler #SPD #Agenda2010
Externe Links:
- Biografie von Gerhard Schröder beim Haus der Geschichte
- Informationen zur Kanzlerschaft auf der Seite der Bundesregierung