Das FSME Risiko steigt. Trotz eines kalten Winters warnen Forscher vor einer Zunahme von Zecken in diesem Sommer und damit vor einem erhöhten Risiko für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Die milden Temperaturen im Frühjahr begünstigen die Aktivität der Zecken, was die Wahrscheinlichkeit von Zeckenbissen und somit auch die Übertragung von FSME-Viren erhöht.

Die wichtigsten Fakten
- Das FSME-Risiko steigt trotz kaltem Winter aufgrund milder Frühlingstemperaturen.
- FSME ist eine durch Zecken übertragene Viruserkrankung, die zu schweren neurologischen Schäden führen kann.
- Impfung ist die wirksamste Präventionsmaßnahme gegen FSME.
- Risikogebiete für FSME sind vor allem Süddeutschland, aber auch andere Regionen Europas.
Zeckenaktivität trotz Kälte – Wie ist das möglich?
Obwohl ein kalter Winter die Anzahl der Zecken kurzfristig reduzieren kann, überleben viele der widerstandsfähigen Parasiten in geschützten Umgebungen wie Laubstreu oder unter einer Schneedecke. Sobald die Temperaturen steigen, werden sie wieder aktiv. Die aktuelle Situation deutet darauf hin, dass die Zeckenpopulation in bestimmten Regionen sogar größer sein könnte als in den Vorjahren. Wie Stern berichtet, mahnen Experten zur Vorsicht.
Was ist FSME und wie erfolgt die Übertragung?
FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine Viruserkrankung, die durch Zeckenbisse übertragen wird. Die Viren befallen das zentrale Nervensystem und können zu Entzündungen des Gehirns und der Hirnhäute führen. Die Übertragung erfolgt unmittelbar nach dem Zeckenbiss, da sich die Viren in den Speicheldrüsen der Zecke befinden. Anders als bei der Lyme-Borreliose, bei der die Erreger erst nach längerer Saugzeit übertragen werden, ist das FSME Risiko also sofort gegeben.
Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) wurden im Jahr 2023 über 700 FSME-Fälle in Deutschland gemeldet. Die meisten Fälle traten in Bayern und Baden-Württemberg auf, aber auch in anderen Bundesländern gab es Infektionen.
Welche Symptome treten bei einer FSME-Infektion auf?
Die Symptome einer FSME-Infektion sind vielfältig und ähneln zunächst oft einer Sommergrippe. Nach einer Inkubationszeit von etwa einer Woche treten bei vielen Betroffenen grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen auf. In einigen Fällen verläuft die Erkrankung in diesem Stadium bereits ohne weitere Komplikationen. Bei einem Teil der Infizierten kommt es jedoch nach einer symptomfreien Phase zu einer zweiten Krankheitsphase, in der das zentrale Nervensystem betroffen ist. Dies kann zu neurologischen Symptomen wie Meningitis (Hirnhautentzündung), Enzephalitis (Gehirnentzündung) oderMyelitis (Rückenmarkentzündung) führen. (Lesen Sie auch: Michelle Handley Smith Gefunden: Nach 24 Jahren…)
Schwere Verläufe können bleibende Schäden wie Lähmungen, Sprachstörungen oder kognitive Beeinträchtigungen verursachen. In seltenen Fällen kann FSME sogar tödlich verlaufen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen und Personen mit einem geschwächten Immunsystem. Es ist wichtig zu betonen, dass nicht jeder Zeckenbiss automatisch zu einer FSME-Infektion führt. Das FSME Risiko besteht nur, wenn die Zecke das Virus in sich trägt. Die Wahrscheinlichkeit dafür variiert je nach Region und Zeckenpopulation.
FSME-Risikogebiete in Deutschland und Europa
In Deutschland sind vor allem Süddeutschland, insbesondere Bayern und Baden-Württemberg, als FSME-Risikogebiete bekannt. Aber auch in anderen Bundesländern wie Thüringen, Sachsen und Hessen gibt es Regionen mit erhöhtem FSME Risiko. Außerhalb Deutschlands sind FSME-Risikogebiete vor allem in Österreich, der Schweiz, Teilen Osteuropas und Skandinaviens zu finden. Eine detaillierte Karte der FSME-Risikogebiete wird regelmäßig vom Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht. Hier finden Sie die aktuelle Karte des RKI.
Wie kann man sich vor FSME schützen?
Die effektivste Schutzmaßnahme gegen FSME ist die Impfung. Die FSME-Impfung ist eine aktive Immunisierung, bei der dem Körper inaktive FSME-Viren verabreicht werden, um eine Immunantwort auszulösen. Nach vollständiger Grundimmunisierung besteht ein hoher Schutz vor der Erkrankung. Die Grundimmunisierung besteht aus drei Impfungen, die in bestimmten Zeitabständen verabreicht werden. Anschließend sind regelmäßige Auffrischungsimpfungen erforderlich, um den Impfschutz aufrechtzuerhalten.
Neben der Impfung gibt es weitere Maßnahmen, um das FSME Risiko zu minimieren. Dazu gehört das Tragen vonSchutzkleidung bei Aktivitäten im Freien, insbesondere in Risikogebieten. Lange Hosen, geschlossene Schuhe und langärmlige Oberteile können das Risiko von Zeckenbissen reduzieren. Auch die Verwendung von Zeckenschutzmitteln, die auf die Haut aufgetragen werden, kann helfen, Zecken fernzuhalten. Nach einem Aufenthalt im Freien sollte der Körper gründlich nach Zecken abgesucht werden.
Zecken bevorzugen warme, feuchte Stellen am Körper. Achten Sie besonders auf Kniekehlen, Achseln, Leistengegend und Haaransatz. (Lesen Sie auch: Toter Pottwal an Strand Gespült – Todesursache…)
Entdeckt man eine Zecke, sollte sie möglichst rasch und fachgerecht entfernt werden. Dazu eignet sich eine Zeckenzange oder eine Pinzette. Die Zecke sollte möglichst nah an der Haut gefasst und dann langsam und gerade herausgezogen werden. Es ist wichtig, die Zecke nicht zu quetschen oder mit Öl oder Klebstoff zu beträufeln, da dies die Übertragung von Krankheitserregern begünstigen kann. Nach der Entfernung der Zecke sollte die Bissstelle desinfiziert und in den folgenden Tagen beobachtet werden. Treten Rötungen, Schwellungen oder grippeähnliche Symptome auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Expertenmeinungen zum FSME Risiko
Dr. med. Thomas Jäger, Facharzt für Allgemeinmedizin, betont die Bedeutung der FSME-Impfung: «Die Impfung ist der sicherste Schutz vor FSME. Gerade in Risikogebieten sollte jeder, der sich viel im Freien aufhält, geimpft sein. Auch Auffrischungsimpfungen sind wichtig, um den Impfschutz aufrechtzuerhalten.» Professor Dr. Marianne Müller, Virologin, ergänzt: «Die steigende Zeckenaktivität aufgrund des Klimawandels erhöht das FSME Risiko. Es ist daher wichtig, sich über die Risikogebiete zu informieren und entsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen.» Die Experten sind sich einig, dass sowohl individuelle Schutzmaßnahmen als auch eine Sensibilisierung der Bevölkerung entscheidend sind, um die Ausbreitung von FSME einzudämmen. Laut dem Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sollten sich Reisende vor allem vor Reisen in FSME-Risikogebiete impfen lassen.
Ausblick: FSME Risiko in Zeiten des Klimawandels
Der Klimawandel begünstigt die Ausbreitung von Zecken und somit auch die Ausbreitung von durch Zecken übertragenen Krankheiten wie FSME. Steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster führen dazu, dass sich Zecken in immer mehr Regionen ansiedeln können. Auch die Aktivitätsperioden der Zecken verlängern sich, sodass das FSME Risiko über einen längeren Zeitraum besteht. Es ist daher zu erwarten, dass die Zahl der FSME-Fälle in Zukunft weiter steigen wird. Umso wichtiger ist es, sich über die Risiken zu informieren, Schutzmaßnahmen zu ergreifen und sich impfen zu lassen.

Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert es, bis die FSME-Impfung wirkt?
Der Impfschutz beginnt in der Regel etwa zwei Wochen nach der zweiten Impfung der Grundimmunisierung. Ein vollständiger Schutz wird nach der dritten Impfung erreicht. Regelmäßige Auffrischungsimpfungen sind notwendig, um den Schutz aufrechtzuerhalten.
Gibt es eine Behandlung für FSME?
Es gibt keine spezifische antivirale Therapie gegen FSME. Die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome und die Unterstützung der Körperfunktionen. In schweren Fällen kann eine intensivmedizinische Betreuung erforderlich sein.
Wer sollte sich gegen FSME impfen lassen?
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die FSME-Impfung allen Personen, die in FSME-Risikogebieten leben oder sich dort aufhalten und sich im Freien aufhalten, beispielsweise bei Wanderungen oder Gartenarbeit.
Kann man FSME mehrmals bekommen?
Nein, nach einer überstandenen FSME-Infektion besteht in der Regel eine lebenslange Immunität. Eine erneute Erkrankung ist daher äußerst unwahrscheinlich.
Sind Zecken nur im Wald aktiv?
Zecken sind nicht nur im Wald aktiv, sondern auch in Gärten, Parks und auf Wiesen zu finden. Sie bevorzugen feuchte und schattige Umgebungen mit hoher Vegetation. (Lesen Sie auch: F16 Absturz Türkei: Pilot Tot – Was…)
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das FSME Risiko trotz eines kalten Winters nicht unterschätzt werden sollte. Die steigende Zeckenaktivität und die Ausbreitung von FSME-Risikogebieten erfordern ein erhöhtes Bewusstsein und entsprechende Schutzmaßnahmen. Die Impfung bleibt die wirksamste Präventionsstrategie, um schwere Krankheitsverläufe zu verhindern. Es liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen, sich über die Risiken zu informieren und sich entsprechend zu schützen, um die Gesundheit zu erhalten und die Lebensqualität zu sichern.




