📖 Lesezeit: 5 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 3. Januar 2026
Ein einsamer Planet von der Größe des Saturn wurde erstmals präzise vermessen – ohne Heimatstern treibt er durch die Milchstraße. Am 1. Januar 2026 veröffentlichten Astronomen im Fachjournal Science diese bahnbrechende Entdeckung. Erstmals konnten Wissenschaftler sowohl Masse als auch Entfernung eines solchen kosmischen Einzelgängers exakt bestimmen. Hier erfährst du alle Details zur Entdeckung, wie der geheimnisvolle Wanderer gefunden wurde und warum er für die Astronomie so bedeutsam ist.
Was ist ein einsamer Planet?
Ein einsamer Planet (auch Rogue Planet oder frei schwebender Planet genannt) ist ein Himmelskörper von Planetengröße, der keinen Stern umkreist. Der neu entdeckte Planet hat etwa 70 Erdmassen – vergleichbar mit Saturn – und befindet sich rund 9.800 Lichtjahre von der Erde entfernt. Er wurde wahrscheinlich aus seinem ursprünglichen Sonnensystem geschleudert und wandert nun allein durch die Galaxis.
Durchbruch in der Astronomie: Einsamer Planet erstmals exakt vermessen
Das Astronomiejahr 2026 begann mit einer Sensation. Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Subo Dong von der Universität Peking präsentierte im Wissenschaftsmagazin Science die erste präzise Vermessung eines heimatlosen Planeten. Der Himmelskörper trägt die wissenschaftliche Bezeichnung KMT-2024-BLG-0792/OGLE-2024-BLG-0516.
Das Besondere an dieser Entdeckung: Erstmals konnten Forscher gleichzeitig Masse und Entfernung eines solchen kosmischen Wanderers bestimmen. Die Masse beträgt exakt 0,219 Jupitermassen – das entspricht etwa 70 Erdmassen oder ungefähr der Masse des Saturn. Der Planet befindet sich rund 9.800 Lichtjahre von der Erde entfernt in Richtung des Milchstraßenzentrums.
Steckbrief: Der neue einsame Planet im Detail
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Bezeichnung | KMT-2024-BLG-0792 / OGLE-2024-BLG-0516 |
| Masse | 0,219 Jupitermassen (≈ 70 Erdmassen) |
| Vergleichsobjekt | Etwa so massereich wie Saturn |
| Entfernung zur Erde | ca. 9.800 Lichtjahre (≈ 3.000 Parsec) |
| Entdeckungsdatum | 3. Mai 2024 (Mikrolinsenereignis) |
| Veröffentlichung | 1. Januar 2026 (Science) |
| Typ | Frei schwebender Planet (Rogue Planet) |
Wie wurde der einsame Planet entdeckt?
Die Entdeckung gelang durch ein sogenanntes Mikrolinsenereignis – ein Effekt, den Albert Einstein bereits 1936 vorhergesagt hatte. In der Nacht vom 3. Mai 2024 zog der einsame Planet aus Sicht der Erde vor einem weit entfernten Hintergrundstern vorbei. Dabei wirkte seine Masse wie eine Lupe und verstärkte das Licht des Sterns kurzzeitig um mehr als das Doppelte.
Joachim Wambsganss, Astronomieprofessor an der Universität Heidelberg, erklärt die Bedeutung der Messung: Die Massenbestimmung ist besonders wichtig, denn nur dadurch kann man sicher sein, dass das beobachtete Objekt tatsächlich ein Planet ist und kein Brauner Zwerg – ein sternähnlicher Körper mit deutlich höherer Masse.
Die entscheidende Rolle von Gaia und erdbasierten Teleskopen
Der Durchbruch gelang durch eine glückliche Kombination: Das Mikrolinsenereignis wurde gleichzeitig von Teleskopen auf der Erde und vom ESA-Weltraumteleskop Gaia beobachtet. Gaia registrierte das Aufleuchten etwa zwei Stunden später als die erdbasierten Instrumente. Diese Parallaxe – ähnlich wie beim dreidimensionalen Sehen mit unseren Augen – ermöglichte erstmals die direkte Entfernungsmessung.
Die Beobachtungen wurden von einem Netzwerk aus Teleskopen durchgeführt, darunter das OGLE-Projekt der Universität Warschau in Chile, das KMTNet (Korea Microlensing Telescope Network) mit Standorten in Australien, Südafrika und Chile sowie die ESA-Sonde Gaia. Der Zufall wollte es, dass Gaias Teleskope genau während der Aufhellungsphase in die richtige Himmelsregion blickten.
Warum schweben Planeten ohne Stern durch das All?
Die Forscher sind überzeugt, dass der neu entdeckte einsame Planet ursprünglich in einem normalen Sonnensystem entstanden ist. Seine relativ geringe Masse – unterhalb der Grenze zu Braunen Zwergen – spricht gegen eine Entstehung wie bei Sternen aus kollabierenden Gaswolken.
Stattdessen wurde er vermutlich durch gravitationsbedingte Störungen aus seiner Heimat geschleudert. Solche kosmischen „Rausschmisse» können passieren, wenn sich Planeten in jungen, instabilen Sonnensystemen zu nahe kommen oder ein vorbeiziehender Stern das Gleichgewicht stört. Sascha Quanz, Astrophysiker an der ETH Zürich, betont die Bedeutung solcher Entdeckungen für das Verständnis der Planetenentstehung.
Einsamer Planet: So viele gibt es in der Milchstraße
Wie häufig sind solche heimatlosen Welten? Schätzungen zufolge könnten in der Milchstraße Milliarden oder sogar Billionen frei schwebender Planeten existieren – möglicherweise mehr als Sterne. Das würde bedeuten, dass auf jeden der etwa 200 bis 300 Milliarden Sterne in unserer Galaxie mindestens ein heimatloser Planet kommt.
| Objekttyp | Geschätzte Anzahl in der Milchstraße |
|---|---|
| Sterne | 100–300 Milliarden |
| Planeten mit Stern | Hunderte Milliarden |
| Rogue Planets (einsame Planeten) | Schätzungsweise 400+ Milliarden |
| Bisher entdeckte Rogue Planets | Einige Dutzend (schwer nachweisbar) |
Was bedeutet die Entdeckung für die Zukunft?
Die neue Methode eröffnet bahnbrechende Möglichkeiten für die Erforschung dieser rätselhaften Objekte. Mit dem Nancy Grace Roman Space Telescope der NASA, dessen Start für 2027 geplant ist, sollen große Himmelsbereiche systematisch nach Mikrolinsenereignissen durchsucht werden. Die 288-Megapixel-Kamera des Weltraumteleskops kann den Himmel 1.000-mal schneller absuchen als Hubble.
David Bennett, Wissenschaftler der University of Notre Dame, sieht in der aktuellen Studie einen wichtigen Ausgangspunkt. Mit der nun erprobten Methode könnten künftig hunderte oder sogar tausende einsamer Planeten entdeckt und charakterisiert werden. Das würde helfen zu verstehen, wie häufig Planetensysteme instabil werden und ihre Mitglieder ins All schleudern.
🔭 Wusstest du? Einsame Planeten sind so dunkel und kalt, dass sie praktisch unsichtbar sind. Nur durch den zufälligen Gravitationslinseneffekt können Astronomen sie überhaupt nachweisen. Ohne einen Mutterstern reflektieren sie kein Licht – und ihre eigene Wärme ist längst erloschen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist ein einsamer Planet (Rogue Planet)?
Ein einsamer Planet ist ein Himmelskörper von Planetengröße, der keinen Stern umkreist, sondern frei durch die Galaxis schwebt. Diese Objekte wurden vermutlich einst aus ihren ursprünglichen Sonnensystemen geschleudert. Sie werden auch als Rogue Planets, frei schwebende Planeten oder Einzelgänger-Planeten bezeichnet.
Wie groß ist der neu entdeckte einsame Planet?
Der im Januar 2026 präzise vermessene einsame Planet hat eine Masse von etwa 0,219 Jupitermassen – das entspricht rund 70 Erdmassen. Damit ist er ungefähr so massereich wie der Saturn in unserem Sonnensystem. Er befindet sich etwa 9.800 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Wie werden einsame Planeten entdeckt?
Einsame Planeten werden hauptsächlich durch den sogenannten Mikrolinseneffekt entdeckt. Dabei zieht der Planet aus Sicht der Erde vor einem weit entfernten Stern vorbei und verstärkt dessen Licht kurzzeitig durch seine Schwerkraft – wie eine natürliche Lupe. Da diese Ereignisse selten und kurz sind, erfordert die Suche kontinuierliche Himmelsüberwachung.
Wie viele einsame Planeten gibt es in der Milchstraße?
Schätzungen zufolge könnten in unserer Milchstraße Milliarden oder sogar Billionen frei schwebende Planeten existieren. Einige Studien vermuten, dass es mehr heimatlose Planeten als Sterne geben könnte – also mehr als 200 Milliarden. Die genaue Zahl ist jedoch noch unbekannt, da diese Objekte sehr schwer zu entdecken sind.
Warum ist die Entdeckung so bedeutsam?
Erstmals konnten Astronomen sowohl Masse als auch Entfernung eines einsamen Planeten direkt messen. Damit ist eindeutig belegt, dass es sich um einen Planeten handelt und nicht um einen Braunen Zwerg. Die Methode – simultane Beobachtung von Erde und Weltraum – kann nun auf weitere solcher Objekte angewendet werden und eröffnet neue Forschungsmöglichkeiten.
Könnte es Leben auf einem einsamen Planeten geben?
Theoretisch ist es nicht ausgeschlossen. Manche Forscher vermuten, dass einsame Planeten durch innere Wärme (etwa radioaktiven Zerfall) oder dicke Wasserstoffatmosphären genug Temperatur halten könnten, um flüssiges Wasser zu ermöglichen. Möglicherweise besitzen einige sogar Monde. Praktisch ist die Wahrscheinlichkeit für Leben aber als sehr gering einzuschätzen.
Fazit: Ein einsamer Planet eröffnet neue Horizonte
Die präzise Vermessung des einsamen Planeten mit Saturn-Masse markiert einen Meilenstein in der Astronomie. Erstmals konnten Wissenschaftler einen solchen kosmischen Wanderer exakt charakterisieren. Die Entdeckung zeigt, dass Milliarden heimatloser Welten durch unsere Galaxie treiben könnten – stille Zeugen turbulenter Planetensysteme. Mit neuen Weltraumteleskopen wie dem Roman Space Telescope werden wir in den kommenden Jahren vermutlich viele weitere dieser geheimnisvollen Objekte finden. Der einsame Planet KMT-2024-BLG-0792 ist dabei erst der Anfang. 🪐
Redaktion Welt der Legenden
Dieser Artikel basiert auf der Studie «A free-floating-planet microlensing event caused by a Saturn-mass object» (DOI: 10.1126/science.adv9266), veröffentlicht am 1. Januar 2026 im Fachjournal Science. Weitere Quellen: Universität Heidelberg, ETH Zürich, NASA. Stand: 3. Januar 2026