📖 Lesezeit: 10 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 9. Januar 2026
Eine ballistische Rakete ist eine militärische Rakete, die ihr Ziel auf einer ballistischen Flugbahn erreicht – ähnlich wie ein geworfener Stein. Nach dem Abbrennen des Treibstoffs fliegt sie antriebslos weiter und folgt den Gesetzen der Schwerkraft. Anders als Marschflugkörper haben ballistische Raketen kein Tragwerk und werden nur in der Startphase angetrieben. Je nach Reichweite unterscheidet man Kurzstrecken-, Mittelstrecken- und Interkontinentalraketen.
In der Nacht zum 9. Januar 2026 hat Russland nach eigenen Angaben erneut die Mittelstreckenrakete Oreschnik gegen die Ukraine eingesetzt. Das russische Verteidigungsministerium bestätigte den Einsatz als Vergeltung für einen angeblichen ukrainischen Drohnenangriff auf eine Residenz von Präsident Wladimir Putin.
Der Angriff traf die Region Lwiw im Westen der Ukraine – nur etwa 80 Kilometer von der polnischen Grenze und damit NATO-Territorium entfernt. Ukrainische Medien berichteten über Treffer auf kritische Infrastruktur, darunter möglicherweise das größte unterirdische Gasspeicherlager Europas in Stryi.
| Detail | Information |
|---|---|
| Datum | 8./9. Januar 2026 |
| Raketentyp | Oreschnik (Mittelstreckenrakete) |
| Startort | Kapustin Jar, Südrussland |
| Zielgebiet | Region Lwiw, Westukraine |
| Geschwindigkeit | bis 12.000–13.000 km/h |
| Reichweite | 2.000–5.500 km |
| Gefechtsköpfe | 6 (konventionell oder nuklear bestückbar) |
Es war der zweite Einsatz einer Oreschnik auf die Ukraine. Der erste erfolgte am 21. November 2024 auf Dnipro – damals noch als Test ohne Sprengstoff. Putin bezeichnete die Oreschnik als «unmöglich abzufangen». Westliche Militärexperten sehen sie als Weiterentwicklung der Interkontinentalrakete RS-26 Rubesch.
Eine ballistische Rakete durchläuft während ihres Fluges drei charakteristische Phasen:
Die Rakete wird von einem Raketentriebwerk angetrieben und steigt steil auf. Bei Feststoffantrieb dauert diese Phase etwa 2-3 Minuten, bei Flüssigantrieb bis zu 5 Minuten. Am Ende erreicht die Rakete ihre Brennschlussgeschwindigkeit – bei Interkontinentalraketen etwa 6-7 km/s (rund 25.000 km/h).
Nach Brennschluss fliegt die Rakete antriebslos auf einer elliptischen Bahn durch den erdnahen Weltraum. Bei ICBMs erreicht sie Höhen von bis zu 2.000 Kilometern. In dieser Phase können Mehrfachsprengköpfe (MIRV) ausgesetzt werden – jeder mit eigenem Ziel.
Der Gefechtskopf tritt mit extrem hoher Geschwindigkeit wieder in die Atmosphäre ein. ICBMs erreichen dabei 6-8 km/s (22.000-29.000 km/h). Die kinetische Energie ist so groß, dass selbst ohne Sprengstoff schwere Zerstörung möglich ist.
💡 Gut zu wissen: Eine ballistische Rakete unterscheidet sich von einem Marschflugkörper: Während Marschflugkörper wie geflügelte Geschosse horizontal durch die Atmosphäre fliegen und steuerbar sind, folgen ballistische Raketen einer Wurfparabel – wie ein geworfener Ball.
Ballistische Raketen werden international nach ihrer Reichweite klassifiziert. Die Definitionen stammen aus den SALT-Abrüstungsverträgen zwischen den USA und der Sowjetunion:
| Typ | Abkürzung | Reichweite | Beispiele |
|---|---|---|---|
| Kurzstreckenrakete | SRBM | bis 800 km | Iskander, Scud |
| Mittelstreckenrakete (mittlere Reichweite) | MRBM | 800–2.400 km | Pershing II |
| Mittelstreckenrakete (große Reichweite) | IRBM | 2.400–5.500 km | Oreschnik, SS-20 |
| Interkontinentalrakete | ICBM | über 5.500 km | Minuteman III, RS-28 Sarmat |
| U-Boot-gestützte Rakete | SLBM | über 5.500 km | Trident II, Bulawa |
Interkontinentalraketen sind die mächtigsten Waffen im Arsenal der Atommächte. Laut SALT-II-Vertrag gilt jede ballistische Rakete mit einer Reichweite über 5.500 km als ICBM. Sie sind fast ausschließlich mit Atomsprengköpfen bestückt und können mehrere Ziele gleichzeitig angreifen.
Nur drei Länder haben ICBMs regulär im Einsatz: die USA, Russland und China. Die größte Sprengkraft hatte die sowjetische R-36 («Satan») mit bis zu 20 Megatonnen TNT – das entspricht etwa 1.000 Hiroshima-Bomben.
SLBMs werden von Atom-U-Booten abgefeuert und gelten als «Zweitschlagswaffe». Da U-Boote schwer zu orten sind, garantieren sie die nukleare Vergeltungsfähigkeit selbst nach einem Erstschlag. Die USA haben über zwei Drittel ihrer Atomsprengköpfe auf U-Booten stationiert.
Stand Januar 2026 verfügen folgende Staaten über ballistische Raketen mit nuklearer Fähigkeit:
| Land | ICBM | SLBM | Mittelstrecke |
|---|---|---|---|
| USA | Minuteman III, Sentinel (ab 2029) | Trident II | – |
| Russland | RS-24 Yars, RS-28 Sarmat | Bulawa | Oreschnik, Iskander |
| China | DF-5, DF-41 | JL-2, JL-3 | DF-26 |
| Frankreich | – | M51 | – |
| Großbritannien | – | Trident II (US-Lease) | – |
| Nordkorea | Hwasong-15, Hwasong-18 | in Entwicklung | Hwasong-12 |
| Indien | Agni-V | K-4, K-15 | Agni-III |
| Pakistan | – | – | Shaheen-III |
| Israel | Jericho III (unbestätigt) | – | – |
| Iran | – | – | Shahab-3, Khorramshahr |
Die Abwehr ballistischer Raketen ist extrem schwierig – aber nicht unmöglich. Das Problem: ICBMs erreichen Geschwindigkeiten von über 25.000 km/h. Putin bezeichnete die Oreschnik deshalb als «unmöglich abzufangen».
Trotzdem gibt es Abwehrsysteme für verschiedene Phasen:
Die Bundeszentrale für politische Bildung weist darauf hin, dass Raketenabwehrsysteme bei einem massiven Angriff mit Hunderten Sprengköpfen überfordert wären. Deshalb setzen die Atommächte weiterhin auf Abschreckung.
Die erste ballistische Rakete war die deutsche A4, besser bekannt als V2 («Vergeltungswaffe 2»). Sie wurde im Zweiten Weltkrieg von Wernher von Braun entwickelt und ab 1944 gegen London und Antwerpen eingesetzt.
Nach Kriegsende übernahmen die USA und die Sowjetunion die deutsche Raketentechnologie. Im Kalten Krieg begann ein Wettrüsten, das zur Entwicklung immer leistungsfähigerer ICBMs führte. Die USA stationierten ab den 1960er Jahren Minuteman-Raketen in Silos, die Sowjetunion antwortete mit der R-36.
Am 21. November 2024 wurde erstmals eine ICBM in einem aktiven Krieg eingesetzt: Russland feuerte die Oreschnik auf die ukrainische Stadt Dnipro – laut Moskau ein «Test» ohne Sprengstoff.
Die russische Oreschnik hat eine geschätzte Reichweite von 2.000-5.500 Kilometern. Damit kann sie von Belarus aus – wo sie laut Machthaber Lukaschenko mittlerweile stationiert ist – praktisch jedes Ziel in Westeuropa erreichen:
Die Geschwindigkeit von bis zu 13.000 km/h lässt nur wenige Minuten Vorwarnzeit. Nach ukrainischen Angaben traf die Rakete bei ihrem Ersttest mit einer Wucht auf Dnipro, die allein durch die kinetische Energie schwere Schäden verursachte – ganz ohne Sprengkopf.
Für die aktuelle Situation im Ukraine-Krieg bedeutet der erneute Oreschnik-Einsatz eine weitere Eskalation: Russland demonstriert seine Fähigkeit, auch weit entfernte Ziele nahe der NATO-Grenze mit Hyperschallwaffen zu treffen.
Eine ballistische Rakete ist ein Geschoss, das nur in der Startphase angetrieben wird. Danach fliegt sie antriebslos auf einer Kurve – wie ein geworfener Ball – und folgt den Gesetzen der Schwerkraft. Im Gegensatz zu Marschflugkörpern, die wie kleine Flugzeuge fliegen, hat eine ballistische Rakete keine Flügel und kein Triebwerk für die Flugphase.
Die Geschwindigkeit hängt vom Typ ab. Kurzstreckenraketen erreichen 2-5 Mach (2.400-6.000 km/h). Interkontinentalraketen (ICBMs) erreichen beim Wiedereintritt 6-8 km/s – das entspricht 22.000-29.000 km/h oder etwa Mach 20-25. Die russische Oreschnik fliegt mit bis zu 13.000 km/h.
Der Hauptunterschied ist die Reichweite: Eine ICBM (Intercontinental Ballistic Missile) hat eine Reichweite über 5.500 km und kann andere Kontinente erreichen. Eine IRBM (Intermediate Range Ballistic Missile) hat eine Reichweite von 2.400-5.500 km – genug für regionale Ziele, aber nicht interkontinental. Die russische Oreschnik ist eine IRBM.
Deutschland hat derzeit kein eigenes Raketenabwehrsystem gegen ballistische Raketen mit großer Reichweite. Das Patriot-System kann Kurzstreckenraketen abfangen, ist aber gegen ICBMs oder schnelle Mittelstreckenraketen wie die Oreschnik begrenzt wirksam. Die NATO plant den Ausbau der Raketenabwehr, aber ein vollständiger Schutz gegen einen massiven Angriff ist technisch kaum möglich.
Als gefährlichste gilt die russische RS-28 Sarmat («Satan 2»). Sie hat eine Reichweite von über 18.000 km und kann bis zu 15 Atomsprengköpfe tragen, die unabhängig voneinander gesteuert werden (MIRV). Laut russischen Angaben kann sie auch Hyperschall-Gleitflugkörper transportieren, die Raketenabwehrsysteme umgehen. Die Sarmat wurde 2022 erstmals getestet.
SLBM steht für Submarine-Launched Ballistic Missile – eine ballistische Rakete, die von U-Booten abgefeuert wird. Sie ist wichtig für die «nukleare Zweitschlagfähigkeit»: Da Atom-U-Boote schwer zu orten sind, können sie auch nach einem feindlichen Erstschlag zurückschlagen. Die USA haben über zwei Drittel ihrer Atomsprengköpfe auf U-Booten stationiert. Das macht SLBMs zur wichtigsten Abschreckungswaffe.
Eine russische ICBM würde Deutschland in etwa 15-20 Minuten erreichen. Die Flugzeit hängt von der Flugbahn ab: Eine abgeflachte Trajektorie ist schneller, eine hohe Bahn langsamer. Die Oreschnik-Mittelstreckenrakete mit einer Geschwindigkeit von 13.000 km/h würde für die Strecke Kapustin Jar nach Berlin (ca. 2.500 km) theoretisch etwa 12 Minuten benötigen.
Die ballistische Rakete ist und bleibt das Rückgrat der nuklearen Abschreckung. Der erneute Einsatz der russischen Oreschnik gegen die Ukraine am 9. Januar 2026 zeigt, dass diese Waffen nicht nur Theorie sind. Mit Geschwindigkeiten von über 12.000 km/h und Reichweiten bis zu 18.000 km können sie binnen Minuten jeden Punkt der Erde erreichen. Ein effektiver Schutz ist technisch kaum möglich – deshalb bleibt Diplomatie und Abrüstung der einzige Weg zu echter Sicherheit. 🚀
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Redaktion Welt der Legenden | Geopolitik & Militärtechnik
Dieser Artikel basiert auf Informationen der Bundeszentrale für politische Bildung, Wikipedia, dem Institute for the Study of War (ISW), der Missile Defense Agency (USA), sowie aktuellen Meldungen von Handelsblatt, t-online, Euronews, Tagesspiegel und Berliner Zeitung. Stand: 9. Januar 2026.
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