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Ali Larijani ist eine zentrale Figur in der iranischen Politik und aktuell als Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates tätig. Der erfahrene Politiker und ehemalige Parlamentspräsident gilt als pragmatischer Konservativer und wichtiger Machtvermittler. Angesichts der jüngsten politischen Entwicklungen wird er als möglicher Übergangsregent und Stabilisator des Systems gehandelt.
Das Wichtigste in Kürze
- Aktuelle Position: Seit August 2025 ist Ali Larijani erneut Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates des Iran.
- Langjährige Karriere: Er war von 2008 bis 2020 Sprecher des iranischen Parlaments (Madschles).
- Mächtige Familie: Larijani entstammt einer einflussreichen Klerikerfamilie, die tief in der iranischen Politik verwurzelt ist, was ihnen den Beinamen «Irans Kennedys» einbrachte.
- Pragmatischer Konservativer: Obwohl er dem konservativen Lager zugeordnet wird, gilt er als Pragmatiker, der auch mit anderen politischen Strömungen zusammenarbeitet.
- Internationale Erfahrung: Als früherer Chefunterhändler in den Atomverhandlungen verfügt er über weitreichende diplomatische Erfahrung.
- Jüngste Entwicklungen: Nach dem Tod von Revolutionsführer Ali Chamenei im Februar 2026 wird Larijani als zentraler Akteur für die Stabilität und mögliche Nachfolge gehandelt.
- US-Sanktionen: Im Januar 2026 verhängten die USA Sanktionen gegen Larijani wegen seiner Rolle bei der Unterdrückung von Protesten.
Inhaltsverzeichnis
- Wer ist Ali Larijani? Herkunft und Ausbildung
- Larijanis politischer Aufstieg im Iran
- Die Rolle Ali Larijanis im Atomkonflikt
- Larijani als Parlamentspräsident und Machtvermittler
- Aktuelle Entwicklungen 2026: Larijanis Rückkehr ins Machtzentrum
- Die Larijani-Familie: Irans Polit-Dynastie
- FAQ zu Ali Larijani
Der Name Ali Larijani ist zum heutigen Datum, dem 03.03.2026, in den internationalen Schlagzeilen präsenter denn je. Als langjähriger Akteur der iranischen Politik und aktueller Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates steht er im Zentrum der Macht in Teheran. Seine Karriere ist geprägt von strategischem Kalkül, Pragmatismus und einer tiefen Verwurzelung im Establishment der Islamischen Republik.
Wer ist Ali Larijani? Herkunft und Ausbildung
Ali Ardeschir Larijani wurde am 3. Juni 1958 in Nadschaf im Irak geboren. Er entstammt einer der prominentesten und politisch einflussreichsten Klerikerfamilien Irans. Sein Vater, Großajatollah Mirza Hashem Amoli, war ein hochrangiger schiitischer Geistlicher, der aufgrund des Drucks durch Schah Reza Pahlavi nach Nadschaf emigriert war. Die Familie kehrte erst 1961 in den Iran zurück.
Diese Herkunft prägte Larijanis Werdegang entscheidend. Anders als viele Mitglieder seiner Familie ist er jedoch kein Kleriker. Stattdessen schlug er eine akademische Laufbahn ein und erwarb einen Bachelor-Abschluss in Mathematik und Informatik sowie einen Doktortitel in westlicher Philosophie über Immanuel Kant an der Universität Teheran. Diese ungewöhnliche Kombination aus religiöser Sozialisation und weltlicher Bildung zeichnet ihn bis heute aus.
Larijanis politischer Aufstieg im Iran
Seine politische Karriere begann Ali Larijani in den Revolutionsgarden (IRGC), wo er während des Iran-Irak-Krieges diente und bis zum Brigadegeneral aufstieg. In den 1980er und frühen 1990er Jahren bekleidete er verschiedene Posten, unter anderem als stellvertretender Arbeitsminister und später als Kulturminister unter Präsident Haschemi Rafsandschani. Seine Loyalität zum System und zu Revolutionsführer Ali Chamenei wurde früh deutlich.
Von 1994 bis 2004 leitete Larijani zehn Jahre lang die staatliche Rundfunkanstalt IRIB (Islamic Republic of Iran Broadcasting). In dieser Funktion kontrollierte er das wichtigste Propagandainstrument des Regimes und war maßgeblich für die Zensur und die Verbreitung der Staatsideologie verantwortlich. Diese Zeit festigte seinen Ruf als systemtreuer Hardliner, der die Reformpolitik des damaligen Präsidenten Mohammad Chatami ablehnte.
Die Rolle Ali Larijanis im Atomkonflikt
Eine international bedeutende Rolle übernahm Ali Larijani von 2005 bis 2007, als er von Präsident Mahmud Ahmadinedschad zum Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates und damit zum Chefunterhändler im Atomstreit mit dem Westen ernannt wurde. In dieser Zeit galt er zwar als Hardliner, aber auch als pragmatischer Verhandler, der versuchte, diplomatische Lösungen zu finden. Seine Amtszeit endete jedoch aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit dem damaligen Präsidenten Ahmadinedschad.
Trotzdem blieb das Atomprogramm ein zentrales Thema seiner politischen Laufbahn. Als Parlamentspräsident unterstützte er später das 2015 unter Präsident Hassan Rouhani ausgehandelte Atomabkommen (JCPOA). Seine Fähigkeit, zwischen verschiedenen Fraktionen zu vermitteln, war entscheidend für die damalige Zustimmung im iranischen Parlament. Die komplexen Verhandlungen und die daraus resultierenden Spannungen prägen bis heute die Debatte über den Iran-Konflikt.
Larijani als Parlamentspräsident und Machtvermittler
Von 2008 bis 2020 diente Ali Larijani drei Amtszeiten lang als Sprecher des iranischen Parlaments (Madschles). In dieser einflussreichen Position etablierte er sich als zentraler Machtvermittler im komplexen Gefüge der Islamischen Republik. Er manövrierte geschickt zwischen den Hardlinern, den Konservativen und den Reformern und galt stets als loyaler Gefolgsmann des Revolutionsführers Ali Chamenei.
Seine Versuche, selbst für das Präsidentenamt zu kandidieren, scheiterten jedoch mehrfach. Sowohl 2021 als auch 2024 wurde seine Kandidatur vom Wächterrat nicht zugelassen, was viele Beobachter als Zeichen sahen, dass sein direkter Einfluss schwinden würde. Gründe für die Disqualifikation wurden nie offiziell genannt, aber es wurde spekuliert, dass die Tatsache, dass seine Tochter in den USA lebte, eine Rolle gespielt haben könnte.
Aktuelle Entwicklungen 2026: Larijanis Rückkehr ins Machtzentrum
Entgegen vieler Prognosen kehrte Ali Larijani im August 2025 ins Zentrum der Macht zurück, als er erneut zum Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates ernannt wurde. Diese Ernennung erfolgte in einer Zeit erhöhter Spannungen, insbesondere nach dem sogenannten 12-Tage-Krieg mit Israel im Juni 2025.
Nach dem Tod von Revolutionsführer Ali Chamenei bei US-israelischen Luftangriffen Ende Februar 2026 hat sich Larijanis Rolle weiter verfestigt. Er gilt nun als der starke Mann, der die Kontinuität des Regimes sichern und als eine Art Übergangsregent fungieren könnte. Kurz vor seinem Tod soll Chamenei ihn als entscheidende Figur für den Krisenfall benannt haben. Larijani koordiniert die Sicherheits- und Außenpolitik und hat bereits klargestellt, dass der Iran nicht mit den USA verhandeln werde. Seine Erfahrung und seine Vernetzung machen ihn zu einer Schlüsselfigur in der aktuellen Nahostkrise.
Die Larijani-Familie: Irans Polit-Dynastie
Der Einfluss von Ali Larijani ist untrennbar mit dem seiner Familie verbunden. Die Larijanis werden oft als politische Dynastie oder «Irans Kennedys» bezeichnet. Seine vier Brüder haben ebenfalls hohe Positionen im Staat bekleidet:
| Name | Bekannte Ämter |
|---|---|
| Mohammad-Dschavad Larijani | Mathematiker, ehemaliger Vize-Außenminister, Direktor des Instituts für theoretische Physik |
| Sadegh Larijani | Ajatollah, ehemaliger Chef der Justiz, Vorsitzender des Schlichtungsrates |
| Bagher Larijani | Mediziner, Direktor der Teheraner Universität für Medizinische Wissenschaften |
| Fazel Larijani | Physiker, ehemaliger Kulturattaché in Ottawa |
Zudem ist Ali Larijani der Schwiegersohn des einflussreichen Revolutionsideologen Ajatollah Morteza Motahhari. Diese familiären Verflechtungen sichern dem Clan eine immense Machtbasis, die sich über Justiz, Politik, Wissenschaft und Klerus erstreckt. Weitere Informationen zur Struktur der iranischen Führung bietet die Bundeszentrale für politische Bildung.
Fazit: Ali Larijani als Schlüsselfigur in unsicheren Zeiten
Die politische Laufbahn von Ali Larijani zeigt ihn als einen Meister des politischen Überlebens und einen pragmatischen Technokraten der Macht. Obwohl er kein Geistlicher ist, was seine formelle Nachfolge als Revolutionsführer verfassungsrechtlich kompliziert macht, hat er sich als unverzichtbarer Stabilisator des Systems erwiesen. Seine aktuellen Äußerungen und seine zentrale Rolle im Sicherheitsrat deuten darauf hin, dass er die strategische Ausrichtung des Iran in der Post-Chamenei-Ära maßgeblich bestimmen wird. Die Welt blickt auf ihn, um zu verstehen, welchen Kurs der Iran in einer der angespanntesten Phasen seiner jüngeren Geschichte einschlagen wird. Seine engen Beziehungen zu China und Russland, die er maßgeblich mitgestaltet hat, werden dabei eine wichtige Rolle spielen, wie auch das Auswärtige Amt die Entwicklungen genau beobachtet.
FAQ zu Ali Larijani
Welches Amt hat Ali Larijani aktuell inne?
Seit August 2025 ist Ali Larijani der Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates des Iran. Dieses Amt hatte er bereits von 2005 bis 2007 inne.
Warum ist Ali Larijani im März 2026 so wichtig?
Nach dem Tod des Obersten Führers Ali Chamenei Ende Februar 2026 gilt Ali Larijani als zentrale Figur, die das Regime stabilisieren und als möglicher Übergangsführer die Macht konsolidieren soll. Er koordiniert die gesamte Sicherheits- und Außenpolitik des Landes in einer Phase höchster Anspannung.
Ist Ali Larijani ein Hardliner oder ein Reformer?
Ali Larijani wird dem konservativen Lager zugeordnet, gilt aber als politischer Pragmatiker. Er hat im Laufe seiner Karriere sowohl mit Hardlinern als auch mit gemäßigteren Kräften zusammengearbeitet und wird oft als Zentrist oder Problemlöser des Systems beschrieben.
Könnte Ali Larijani der nächste Oberste Führer Irans werden?
Eine formelle Nachfolge als Oberster Führer ist schwierig, da Ali Larijani kein hochrangiger Kleriker ist, was die iranische Verfassung für dieses Amt vorsieht. Viele Analysten sehen ihn jedoch als faktischen starken Mann oder Übergangsregenten, der die Macht ausüben könnte, bis eine dauerhafte Lösung gefunden ist.
Welche Beziehung hat Ali Larijani zu den Revolutionsgarden?
Ali Larijani begann seine Karriere im Korps der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) und stieg dort bis zum Brigadegeneral auf. Obwohl er seit 1993 nicht mehr im aktiven Dienst ist, unterhält er weiterhin enge Verbindungen zur Führung der Revolutionsgarden.