Deutschlands Forschungselite steht bereit, doch viele bahnbrechende Ideen bleiben in den Laboren gefangen! Ein milliardenschwerer Befreiungsschlag soll das ändern. Die Joachim Herz Stiftung investiert 20 Millionen Euro in einen neuen Fonds der Berliner Investmentplattform Marvelous. Ziel: forschungsintensive Zukunftstechnologien endlich auf den Markt zu bringen. Das ist risikokapital forschung deutschland im großen Stil – ein Gamechanger für Innovationen!

Ergebnis & Fakten
- 20 Millionen Euro Investition der Joachim Herz Stiftung in Marvelous-Fonds
- Fokus auf Klima- und Umweltschutztechnologien
- Ziel: Schließung der Finanzierungslücke von 10 Milliarden Euro bis 2030
- Förderung von Start-ups und Vernetzung mit der Industrie
Risikokapital Forschung Deutschland: Ein Wendepunkt für Innovationen?
Die Joachim Herz Stiftung und Marvelous wollen ein Problem angehen, das viele deutsche Start-ups kennen: Nach der ersten Entwicklungsphase fehlt oft das Geld, um aus einer vielversprechenden Erfindung ein marktreifes Produkt zu machen. Klassische Geldgeber scheuen diese riskanten Übergänge. Die Stiftung und Marvelous schätzen, dass bis 2030 eine jährliche Finanzierungslücke von rund zehn Milliarden Euro in diesem Technologiesegment entstehen könnte.
Ulrich Müller, Finanzvorstand der Joachim Herz Stiftung, betont die Vorbildfunktion des Investments: «Mit dem Investment wolle die Stiftung einen Impuls im deutschen Innovationsökosystem setzen – und als Vorbild dafür dienen, wie gemeinnütziges Kapital in Deutschland stärker als Innovationsmotor wirken kann.»
Wie funktioniert die Förderung von Zukunftstechnologien?
Der neue Fonds konzentriert sich auf Technologien, die für den Klima- und Umweltschutz von Bedeutung sind. Schwerpunkte liegen dabei auf fortschrittlichen Materialien, der Wiederverwertung von Abfällen sowie der Robotik. Um den Erfindungen den Sprung in den Markt zu ermöglichen, verfolgt Marvelous eine Doppelstrategie. Einerseits wird direkt in sehr junge Firmen investiert oder man beteiligt sich gemeinsam mit anderen Partnern an vielversprechenden Unternehmensgründungen. Andererseits kümmert sich eine eigene Einheit darum, Wissenschaftler mit Partnern aus der Industrie zu vernetzen, bei der Erprobung des Marktes zu helfen und den Aufbau erster Kundenbeziehungen zu unterstützen. (Lesen Sie auch: Risikokapital: Stiftung will Forschung schneller in den…)
Die Joachim Herz Stiftung wurde 2008 nach dem Tod des Hamburger Unternehmers Joachim Herz gegründet, der Mitinhaber von Beiersdorf (Nivea, Tesa etc.) und Tchibo war. Das Stiftungsvermögen lag ursprünglich bei rund 1,3 Milliarden Euro.
Diese Kombination aus finanzieller Unterstützung und aktivem Beziehungsmanagement soll sicherstellen, dass aus Forschungsergebnissen tatsächlich marktfähige Produkte und Dienstleistungen entstehen. Es geht darum, die Brücke zwischen Labor und Markt zu schlagen – eine Herausforderung, an der viele innovative Projekte in Deutschland bisher scheitern.
Der lange Weg von der Forschung zum Markt: Warum scheitern so viele Innovationen?
Deutschlands Forschungslandschaft ist international hoch angesehen. Universitäten und Forschungseinrichtungen bringen regelmäßig bahnbrechende Erkenntnisse hervor. Doch oft fehlt es an den notwendigen Ressourcen und der Expertise, um diese Erkenntnisse in wirtschaftlichen Erfolg zu verwandeln. Das Problem liegt nicht im Ideenreichtum, sondern in der Umsetzung.
Ein Grund dafür ist die Risikoscheuheit vieler Investoren. Gerade in frühen Phasen der Entwicklung sind die Erfolgsaussichten schwer abzuschätzen. Klassische Venture-Capital-Geber bevorzugen oft Projekte, die bereits einen gewissen Reifegrad erreicht haben. Die Finanzierungslücke entsteht also genau dort, wo das Risiko am größten ist – aber auch das Potenzial für disruptive Innovationen am höchsten. (Lesen Sie auch: Digital Patente Deutschland: Aufholjagd in der Spitzentechnik)
Hinzu kommt, dass viele Wissenschaftler und Ingenieure zwar exzellente Fachleute sind, aber wenig Erfahrung im Bereich Unternehmensführung und Marketing haben. Ihnen fehlt oft das Know-how, um ein Geschäftsmodell zu entwickeln, Kunden zu gewinnen und ein Unternehmen aufzubauen. Hier setzt der Ansatz von Marvelous an, indem er nicht nur Kapital bereitstellt, sondern auch aktiv bei der Kommerzialisierung der Forschungsergebnisse unterstützt. Wie Stern berichtet, will die Stiftung hier einen wichtigen Impuls setzen.
Welche Rolle spielt die Politik bei der Förderung von Forschung und Innovation?
Die Politik spielt eine entscheidende Rolle bei der Schaffung eines innovationsfreundlichen Umfelds. Dazu gehört die Bereitstellung von Fördermitteln für Forschung und Entwicklung, der Abbau bürokratischer Hürden und die Schaffung von Anreizen für private Investitionen in innovative Technologien. Die Bundesregierung hat in den letzten Jahren verschiedene Initiativen gestartet, um die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu stärken und den Technologietransfer zu fördern. Ein Beispiel dafür ist das Programm «EXIST», das Gründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen unterstützt. Mehr Informationen zu Förderprogrammen bietet beispielsweise die Seite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz.
Allerdings gibt es weiterhin Verbesserungspotenzial. Kritiker bemängeln, dass die Förderprogramme oft zu bürokratisch und komplex sind und dass sie nicht ausreichend auf die Bedürfnisse von jungen, innovativen Unternehmen zugeschnitten sind. Zudem fehle es an einer langfristigen Strategie, um Deutschland als Innovationsstandort zu stärken. Die Investition der Joachim Herz Stiftung kann hier als ein Weckruf verstanden werden, dass auch privates Kapital eine wichtige Rolle bei der Schließung der Finanzierungslücke spielen kann.

Die Zukunft der Risikokapital-Forschung in Deutschland: Mehr als nur Geld?
Die Initiative der Joachim Herz Stiftung und Marvelous ist ein wichtiger Schritt, um die Innovationskraft Deutschlands zu stärken. Es geht darum, das Potenzial der deutschen Forschung besser zu nutzen und aus guten Ideen erfolgreiche Unternehmen zu machen. Doch es braucht mehr als nur finanzielle Mittel. Es braucht eine Kultur, die Innovationen fördert, Risikobereitschaft belohnt und den Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft erleichtert. (Lesen Sie auch: Waymo Probleme: Robotaxis Kämpfen mit überfluteten Straßen)
Die Vernetzung von Wissenschaftlern mit erfahrenen Unternehmern und Investoren ist entscheidend, um die Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen voranzutreiben. Mentoring-Programme, Innovationszentren und branchenspezifische Netzwerke können dazu beitragen, dass junge Gründer von dem Wissen und der Erfahrung anderer profitieren. Auch die Universitäten und Forschungseinrichtungen selbst müssen sich stärker für die Förderung von Unternehmertum engagieren. Sie können beispielsweise Gründungszentren einrichten, Kurse zu Themen wie Businessplan-Erstellung und Marketing anbieten und den Kontakt zu Investoren herstellen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert ebenfalls Projekte, die den Wissenstransfer unterstützen.
Letztendlich geht es darum, ein Ökosystem zu schaffen, in dem Innovationen gedeihen können – ein Ökosystem, das von der Zusammenarbeit aller Akteure geprägt ist: von Wissenschaftlern, Unternehmern, Investoren, Politikern und der Gesellschaft insgesamt.
Die Investition der Joachim Herz Stiftung ist ein Signal, dass risikokapital forschung deutschland ernst genommen wird und dass es einen wachsenden Bedarf an alternativen Finanzierungsmodellen für innovative Technologien gibt. Ob diese Initiative tatsächlich einen nachhaltigen Impuls für das deutsche Innovationsökosystem setzen kann, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist aber: Es ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.



