„In den Reichen der Sinne“ – schon der Titel klingt verheißungsvoll, doch was Nagisa Ōshima 1976 auf die Leinwand brachte, sprengte alle Konventionen. Dieser japanische Skandalfilm, der vor 50 Jahren bei der Berlinale beschlagnahmt wurde, kehrt nun zurück in die Kinos und verspricht ein ebenso verstörendes wie faszinierendes Filmerlebnis.

| Titel | In den Reichen der Sinne |
| Originaltitel | Ai no corrida |
| Regie | Nagisa Ōshima |
| Drehbuch | Nagisa Ōshima |
| Besetzung | Tatsuya Fuji, Eiko Matsuda, Aoi Nakajima |
| Genre | Drama, Erotik |
| Laufzeit | 105 Minuten |
| Kinostart | (Wiederaufführung) |
| FSK | 18 |
| Produktion | Frankreich, Japan |
Unser Eindruck: Ein verstörendes Meisterwerk, das die Grenzen des Voyeurismus auslotet und nachhaltig im Gedächtnis bleibt.
Ein Skandal, der Geschichte schrieb
Wie Moviepilot.de berichtet, sorgte die Uraufführung von „In den Reichen der Sinne“ für einen Eklat. Nicht nur die expliziten Sexszenen, sondern auch die Darstellung von Gewalt und Obsession schockierten das Publikum. Der Film wurde bei der Berlinale 1976 beschlagnahmt und in vielen Ländern zensiert oder verboten. Der Vorwurf: Pornografie und Verletzung der Menschenwürde.
Doch hinter der provokanten Oberfläche verbirgt sich ein komplexes Werk, das die Grenzen zwischen Liebe, Lust und Tod auslotet. Nagisa Ōshima inszeniert eine Geschichte, die auf einem wahren Kriminalfall aus den 1930er Jahren basiert. Eine Geisha und ihr Liebhaber leben ihre Obsession in einem Strudel aus Sex und Gewalt aus, bis die Situation eskaliert.
Was unterscheidet „In den Reichen der Sinne“ von anderen erotischen Filmen?
Anders als viele andere erotische Filme, die auf reine Stimulation abzielen, geht „In den Reichen der Sinne“ an die Substanz. Ōshima scheut sich nicht, die dunklen Seiten der menschlichen Natur zu zeigen. Die Kamera fängt die rohe Intensität der Beziehung zwischen Sada Abe und Kichizo Ishida ein, ohne dabei zu beschönigen oder zu verurteilen. Der Film ist ein Tabubruch, der den Zuschauer mit seinen eigenen sexuellen Fantasien und moralischen Vorstellungen konfrontiert. (Lesen Sie auch: Bridgerton Rückkehr? Dieser Star Wartet seit 4…)
Die explizite Darstellung von Sex und Gewalt ist kein Selbstzweck, sondern ein integraler Bestandteil der Geschichte. Sie dient dazu, die Obsession und die zunehmende Entfremdung der Protagonisten von der Realität zu verdeutlichen. Die Kameraarbeit von Hidetoshi Komatsu ist dabei ebenso präzise wie schonungslos. Sie fängt die Schönheit und die Brutalität der Szenen in eindringlichen Bildern ein.
Kultur-Kompakt
- „In den Reichen der Sinne“ ist einer der umstrittensten Filme der Kinogeschichte.
- Der Film basiert auf einem wahren Kriminalfall aus den 1930er Jahren.
- Nagisa Ōshima inszeniert ein verstörendes Drama über Liebe, Lust und Tod.
- Die explizite Darstellung von Sex und Gewalt ist kein Selbstzweck, sondern ein integraler Bestandteil der Geschichte.
Die Hintergründe des Skandals
Die Beschlagnahmung des Films bei der Berlinale war nur der Anfang einer langen Kontroverse. In vielen Ländern wurde „In den Reichen der Sinne“ zensiert oder verboten. In Deutschland dauerte es Jahrzehnte, bis der Film ungekürzt gezeigt werden durfte. Die Gegner des Films warfen Ōshima Pornografie und Verletzung der Menschenwürde vor. Sie argumentierten, dass die expliziten Sexszenen und die Darstellung von Gewalt eine Verrohung der Gesellschaft fördern würden.
Die Befürworter des Films betonten hingegen den künstlerischen Wert und die gesellschaftliche Relevanz des Werks. Sie argumentierten, dass „In den Reichen der Sinne“ ein wichtiger Beitrag zur Auseinandersetzung mit Tabus und sexuellen Normen sei. Der Film stelle unbequeme Fragen und zwinge den Zuschauer, sich mit seinen eigenen Vorurteilen auseinanderzusetzen.
Die Dreharbeiten zu „In den Reichen der Sinne“ fanden unter strengster Geheimhaltung statt. Die Schauspieler mussten eine Geheimhaltungsvereinbarung unterzeichnen und durften nicht über ihre Arbeit sprechen.
Ein Meisterwerk der Filmgeschichte?
Obwohl „In den Reichen der Sinne“ bis heute umstritten ist, gilt er für viele als ein Meisterwerk der Filmgeschichte. Der Film hat zahlreiche Regisseure und Künstler beeinflusst und gilt als ein wichtiger Meilenstein des japanischen Kinos. Ōshima hat mit seinem Werk die Grenzen des filmisch Darstellbaren neu definiert und einen Diskurs über Sexualität, Gewalt und Obsession angestoßen. (Lesen Sie auch: Diese 8-teilige Netflix-Miniserie wurde fast 50 Millionen…)
Die Kontroverse um den Film hat dazu beigetragen, dass er bis heute im Gedächtnis geblieben ist. „In den Reichen der Sinne“ ist mehr als nur ein Skandalfilm. Er ist ein Kunstwerk, das den Zuschauer herausfordert und zum Nachdenken anregt. Die Wiederaufführung des Films bietet die Gelegenheit, sich selbst ein Bild von diesem außergewöhnlichen Werk zu machen.
Für wen lohnt sich „In den Reichen der Sinne“?
„In den Reichen der Sinne“ ist kein Film für jedermann. Wer auf der Suche nach leichter Unterhaltung ist, wird hier nicht fündig. Der Film ist verstörend, provokant und geht an die Nieren. Wer jedoch bereit ist, sich auf ein außergewöhnliches Filmerlebnis einzulassen und sich mit unbequemen Fragen auseinanderzusetzen, wird von Ōshimas Werk fasziniert sein. Wer Filme wie „Letzte Tango in Paris“ oder „Irreversibel“ mochte, wird hier eine ähnliche Grenzerfahrung finden.
Der Film ist ein wichtiges Zeitdokument, das die gesellschaftlichen Konventionen der 1970er Jahre widerspiegelt. Er ist aber auch ein zeitloses Werk, das die menschliche Natur in all ihren Facetten zeigt. „In den Reichen der Sinne“ ist ein Film, der noch lange nachwirkt und den Zuschauer nicht unberührt lässt. Die Deutsche Kinemathek bietet online umfassende Informationen zum Film.

Häufig gestellte Fragen
Was ist das Besondere an dem japanischen Skandalfilm «In den Reichen der Sinne»?
Der Film von Nagisa Ōshima aus dem Jahr 1976 ist bekannt für seine expliziten Sexszenen und die Darstellung von Gewalt, die zu seinerzeitigen Beschlagnahmungen und Kontroversen führten. Er basiert auf einer wahren Begebenheit und thematisiert die obsessive Beziehung zwischen einer Geisha und ihrem Liebhaber.
Warum wurde «In den Reichen der Sinne» vor 50 Jahren bei der Berlinale beschlagnahmt?
Der Film wurde aufgrund seiner expliziten Inhalte, die als pornografisch und die Menschenwürde verletzend angesehen wurden, von den Behörden beschlagnahmt. Dies führte zu einer breiten öffentlichen Debatte über Zensur und künstlerische Freiheit.
Auf welcher wahren Begebenheit basiert der japanische Skandalfilm?
Der Film basiert auf dem Fall der Sada Abe, einer japanischen Geisha, die 1936 ihren Liebhaber ermordete und dessen Geschlechtsteil abschnitt. Dieser Vorfall erregte in Japan großes Aufsehen und diente Ōshima als Grundlage für seinen Film.
Welche Themen werden in «In den Reichen der Sinne» behandelt?
Der Film thematisiert die obsessive Liebe, sexuelle Besessenheit, die Grenzen der Lust, Gewalt und den Kontrollverlust. Er stellt die Frage nach der Natur der menschlichen Sexualität und der Rolle von Tabus in der Gesellschaft.
Wie beeinflusste «In den Reichen der Sinne» die Filmgeschichte?
Der Film gilt als ein wichtiger Meilenstein des japanischen Kinos und hat zahlreiche Regisseure und Künstler beeinflusst. Er hat die Grenzen des filmisch Darstellbaren neu definiert und einen Diskurs über Sexualität, Gewalt und Obsession angestoßen. Eine Analyse des Films findet sich auf den Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung. (Lesen Sie auch: Er ist in Deadpool 2 eine ganze…)
„In den Reichen der Sinne“ ist ein japanischer Skandalfilm, der bis heute nichts von seiner Brisanz verloren hat. Die Wiederaufführung bietet die Chance, ein verstörendes Meisterwerk der Filmgeschichte auf der großen Leinwand zu erleben.




