Das gemeinnützige Recherchezentrum Correctiv prägt seit seiner Gründung die deutsche Medienlandschaft entscheidend mit. Insbesondere seit der Veröffentlichung der Recherche „Geheimplan gegen Deutschland“ im Januar 2024 ist die Organisation, die sich dem investigativen Journalismus und der Aufklärung verschrieben hat, zum vieldiskutierten Thema geworden. Am 24.04.2026 ist die Debatte um die Arbeit und den Einfluss von Correctiv aktueller denn je.
Correctiv ist ein gemeinnütziges Medienhaus mit Sitz in Essen und Berlin, das sich durch investigativen Journalismus, Faktenchecks und Bildungsangebote für die Stärkung der Demokratie einsetzt. Das Ziel ist, aufklärenden Journalismus für alle kostenfrei zugänglich zu machen, oft in Kooperation mit anderen Medienhäusern. Finanziert wird die Arbeit durch ein Drei-Säulen-Modell aus Spenden, Stiftungsförderungen und eigenen Einnahmen.
Was ist Correctiv genau?
Gegründet im Jahr 2014 von David Schraven, hat sich Correctiv als erstes gemeinnütziges Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum etabliert. Es handelt sich um eine gemeinnützige GmbH (gGmbH) und nicht, wie oft fälschlich angenommen, um einen Verein oder eine Stiftung. Die Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, strukturelle Missstände aufzudecken und durch tiefgehende Recherchen öffentliche Debatten anzustoßen. Die Vision ist eine „redaktionelle Gesellschaft“, in der Bürgerinnen und Bürger befähigt werden, Informationen kritisch zu hinterfragen und Desinformation zu erkennen.
Die journalistischen Inhalte werden kostenfrei auf der eigenen Webseite publiziert und oft in Zusammenarbeit mit etablierten Medien wie Zeitungen, Magazinen oder Fernsehsendern veröffentlicht. Neben der investigativen Arbeit betreibt Correctiv auch die Online-Journalistenschule „Reporterfabrik“ und fördert mit Projekten wie der Jugendredaktion „Salon5“ den journalistischen Nachwuchs.
Die Finanzierung von Correctiv
Die Unabhängigkeit von Correctiv wird durch ein diversifiziertes Finanzierungsmodell gesichert, das auf drei Säulen beruht. Dieses Modell soll Abhängigkeiten von einzelnen Geldgebern vermeiden und die journalistische Integrität wahren.
Die drei Finanzierungssäulen sind:
- Spenden und Beiträge von Bürgern: Ein wesentlicher Teil der Finanzierung stammt von Privatpersonen, die die Arbeit von Correctiv durch einmalige oder regelmäßige Spenden unterstützen. Im Jahr 2023 belief sich die Summe der Spenden von Einzelpersonen auf 1.894.570,40 Euro.
- Stiftungen und Institutionen: Gemeinnützige Stiftungen sind eine weitere wichtige Einnahmequelle. Die Brost-Stiftung ermöglichte mit einer Anschubfinanzierung von drei Millionen Euro den Aufbau des Recherchezentrums.
- Eigene wirtschaftliche Aktivitäten: Einnahmen aus Buchverkäufen des eigenen Verlags oder Workshops tragen ebenfalls zur Finanzierung bei. Zudem führt die gewerbliche Tochtergesellschaft Faktenchecks für den Meta-Konzern (Facebook) durch.
Correctiv legt seine Finanzen transparent offen und veröffentlicht alle Zuwendungen, die einen bestimmten Prozentsatz des Jahresumsatzes übersteigen. Staatliche Förderungen werden nach eigenen Angaben ausschließlich für Projekte im Bereich der Medienbildung angenommen, nicht für investigative Recherchen.
Recherche „Geheimplan gegen Deutschland“
Im Januar 2024 veröffentlichte Correctiv eine Recherche über ein Treffen von Rechtsextremisten, AfD-Politikern und Unternehmern in Potsdam im November 2023. Unter dem Titel „Geheimplan gegen Deutschland“ wurde aufgedeckt, dass bei diesem Treffen Pläne zur massenhaften Ausweisung von Menschen mit Migrationshintergrund, einschließlich deutscher Staatsbürger, diskutiert wurden, ein Konzept, das als „Remigration“ bezeichnet wurde.
Die Veröffentlichung löste bundesweit eine Welle der Empörung und die größten Demonstrationen gegen Rechtsextremismus der jüngeren deutschen Geschichte aus, an denen sich Millionen Menschen beteiligten. Die Recherche prägte die politische Debatte des Jahres 2024 maßgeblich und führte zu Diskussionen über ein mögliches AfD-Verbot. Für diese Arbeit wurde das beteiligte Journalistenteam vom „medium magazin“ als „Journalistinnen und Journalisten des Jahres 2024“ ausgezeichnet.
Juristische Auseinandersetzungen und Debatte
Im Nachgang der Veröffentlichung kam es zu zahlreichen juristischen Auseinandersetzungen. Verschiedene Gerichte kamen zu unterschiedlichen Bewertungen. Während das Landgericht Hamburg im Dezember 2025 Klagen gegen die Berichterstattung abwies und zentrale Formulierungen als zulässige Meinungsäußerung wertete, untersagte das Landgericht Berlin im April 2026 die Kernaussage, es sei ein „Masterplan zur Ausweisung von deutschen Staatsbürgern“ besprochen worden. Das Gericht bezeichnete diese Formulierung als „im Wesentlichen unwahr“. Correctiv hat gegen dieses noch nicht rechtskräftige Urteil Berufung eingelegt.
Faktenchecks und Medienbildung als Kernaufgaben von Correctiv
Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit von Correctiv ist der Kampf gegen Desinformation. Die Redaktion „Correctiv.Faktencheck“ überprüft seit 2017 systematisch Falschmeldungen, Gerüchte und Halbwahrheiten, die im Netz kursieren. Diese Arbeit erfolgt nach den Kriterien des internationalen „Code of Principles“ des Poynter Institute. Im Auftrag von Meta prüft Correctiv potenziell falsche Inhalte auf Facebook und Instagram. Beiträge, die als falsch eingestuft werden, erhalten einen entsprechenden Hinweis und ihre Sichtbarkeit wird reduziert.
Darüber hinaus engagiert sich die Organisation stark im Bereich der Medienbildung. Mit Angeboten wie der „Reporterfabrik“, Workshops an Schulen („Reporter4You“) oder der Jugendredaktion „Salon5“ möchte Correctiv die Medienkompetenz in der Bevölkerung stärken. Ziel ist es, Menschen zu befähigen, Quellen kritisch zu bewerten und Manipulationen zu erkennen – ein wichtiger Baustein für eine funktionierende Demokratie.
Kritik und Kontroversen
Die Arbeit von Correctiv ist nicht unumstritten. Insbesondere die Recherche zum Potsdamer Treffen rief neben breiter Zustimmung auch scharfe Kritik hervor. Kritiker warfen der Redaktion vor, suggestiv formuliert und zentrale Aussagen nicht ausreichend belegt zu haben. Die juristischen Auseinandersetzungen und die teils widersprüchlichen Gerichtsurteile spiegeln diese Debatte wider. So argumentieren Kritiker, dass die Darstellung eines fertigen „Masterplans“ irreführend gewesen sei und die Realität verzerrt habe. Befürworter halten dem entgegen, dass die Recherche den Kern der rechtsextremen Ideologie und deren Gefahren für eine breite Öffentlichkeit sichtbar gemacht habe.
Auch frühere Recherchen oder die Zusammenarbeit mit Aktivisten von Fridays for Future sorgten für Diskussionen über die journalistischen Methoden und die Grenzen zwischen Aktivismus und Journalismus. Ein weiterer Kritikpunkt betraf den Wechsel der ehemaligen Ko-Geschäftsführerin Jeanette Gusko in das Wahlkampfteam von Robert Habeck (Grüne) im November 2024, was Fragen zur politischen Unabhängigkeit aufwarf.
Auszeichnungen und Anerkennung
Trotz der Kontroversen hat Correctiv seit seiner Gründung über 30 Preise für seine journalistische Arbeit erhalten. Dazu gehören renommierte Auszeichnungen wie der Grimme Online Award, der Nannen Preis und der Deutsche Reporter:innenpreis. Für die Recherche „Geheimplan gegen Deutschland“ wurde das Team mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Preis „Journalistinnen und Journalisten des Jahres 2024“ des „medium magazins“, dem Carlo-Schmid-Preis 2024 und dem Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien 2024. Diese Preise würdigen den Mut und die gesellschaftliche Wirkung der Recherchen, die wichtige Debatten anstoßen und zur Stärkung der Demokratie beitragen.
Die zahlreichen Auszeichnungen unterstreichen die Bedeutung von Correctiv als wichtige Stimme im deutschen Journalismus. Die Organisation hat bewiesen, dass gemeinnütziger, investigativer Journalismus eine relevante „dritte Kraft“ neben kommerziellen und öffentlich-rechtlichen Medien sein kann, wie es die Heinrich-Böll-Stiftung formuliert, die ebenfalls die Wichtigkeit des Themas betont.
| Merkmal | Information | Quelle |
|---|---|---|
| Gründung | 2014 | Wikipedia |
| Gründer | David Schraven | Wikipedia |
| Rechtsform | gemeinnützige GmbH (gGmbH) | correctiv.org |
| Standorte | Essen, Berlin | Wikipedia |
| Mitarbeiter | Über 120 | Wikipedia |
| Chefredaktion | Justus von Daniels, Anette Dowideit | Wikipedia |
| Finanzierung | Spenden, Stiftungen, eigene Einnahmen | correctiv.org |
| Bekannteste Recherche | „Geheimplan gegen Deutschland“ (Jan. 2024) | newsroom.de |
FAQ zu Correctiv
Was ist das Hauptziel von Correctiv?
Das Hauptziel von Correctiv ist die Stärkung der Demokratie durch investigativen Journalismus, Faktenchecks und Medienbildung. Sie wollen aufklärenden Journalismus für alle frei zugänglich machen und eine informierte Öffentlichkeit fördern.
Wie finanziert sich Correctiv?
Correctiv finanziert sich durch ein Drei-Säulen-Modell: Spenden von Bürgern, Förderungen durch Stiftungen sowie eigene wirtschaftliche Aktivitäten wie Buchverkäufe und die Durchführung von Faktenchecks für Meta. Dieses Modell soll die Unabhängigkeit der Redaktion sichern.
Ist Correctiv staatlich finanziert?
Nein, die investigative und redaktionelle Arbeit von Correctiv wird nicht staatlich finanziert. Staatliche Förderungen werden laut eigenen Angaben ausschließlich für klar abgegrenzte Projekte im Bereich der Medienbildung angenommen, wie beispielsweise von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).
Worum ging es bei der Recherche „Geheimplan gegen Deutschland“?
Die Recherche deckte ein Treffen von Rechtsextremisten, Unternehmern und Politikern im November 2023 in Potsdam auf. Dort wurde ein Plan zur sogenannten „Remigration“ vorgestellt, der die massenhafte Ausweisung von Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, auch deutschen Staatsbürgern, vorsah.
Warum steht die „Geheimplan“-Recherche in der Kritik?
Kritiker bemängeln, dass zentrale Formulierungen, wie die eines „Masterplans zur Ausweisung deutscher Staatsbürger“, suggestiv und nicht vollständig durch Fakten gedeckt seien. Ein Gerichtsurteil des LG Berlin stufte diese Kernaussage als „im Wesentlichen unwahr“ ein, wogegen Correctiv jedoch Berufung eingelegt hat, da andere Gerichte zuvor anders entschieden hatten. Der Vorwurf lautet, die Recherche habe die Geschehnisse zugespitzt dargestellt.
Fazit: Die Rolle von Correctiv in der Medienlandschaft
Correctiv hat sich als eine einflussreiche und oftmals preisgekrönte Kraft im deutschen Journalismus etabliert. Durch investigative Recherchen wie zum „Geheimplan gegen Deutschland“ stößt die Organisation tiefgreifende gesellschaftliche Debatten an und mobilisiert die Zivilgesellschaft. Gleichzeitig zeigen die Kontroversen und juristischen Auseinandersetzungen, wie schmal der Grat im investigativen Journalismus sein kann und wie wichtig präzise Formulierungen sind. Die Arbeit von Correctiv im Bereich Faktencheck und Medienbildung leistet zudem einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen Desinformation. Letztlich bleibt Correctiv ein zentraler Akteur, dessen Arbeit die Wichtigkeit von unabhängigem, gemeinnützigem Journalismus für eine wehrhafte Demokratie verdeutlicht.