Italiens Verteidigungsminister Guido Crosetto prägt seit seinem Amtsantritt im Oktober 2022 maßgeblich die Sicherheits- und Verteidigungspolitik Roms und hat, Stand 1. April 2026, eine neue Phase der Kooperation mit Deutschland eingeleitet. Als Mitbegründer der Partei Fratelli d’Italia und enger Vertrauter von Premierministerin Giorgia Meloni steht er für eine Stärkung der nationalen Rüstungsindustrie und eine aktivere Rolle Italiens in der NATO und EU. Seine Politik ist von der Notwendigkeit geprägt, auf neue geopolitische Realitäten zu reagieren.
Guido Crosetto ist ein italienischer Politiker und Unternehmer, der seit dem 22. Oktober 2022 als Verteidigungsminister im Kabinett von Giorgia Meloni amtiert. Er ist eine Schlüsselfigur und Mitbegründer der nationalkonservativen Partei Fratelli d’Italia (FdI) und gilt als Vertreter ihres moderaten Flügels. Seine Amtszeit ist durch eine verstärkte Zusammenarbeit mit Deutschland und eine Modernisierung der italienischen Streitkräfte gekennzeichnet.
Die Ernennung von Guido Crosetto zum Verteidigungsminister Italiens markierte einen wichtigen Moment für die Regierung Meloni. Seine politische Laufbahn begann bereits in der Jugendorganisation der Democrazia Cristiana, führte ihn über das Bürgermeisteramt in Marene und als Abgeordneter für Forza Italia bis hin zur Gründung von Fratelli d’Italia. Bevor er Minister wurde, war er zudem Präsident des Verbandes der italienischen Unternehmen für Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und Sicherheit (AIAD), was ihm tiefe Einblicke in die Rüstungsindustrie verschaffte.
Wer ist Guido Crosetto? Der Mann an der Spitze
Guido Crosetto, geboren am 19. September 1963 in Cuneo, ist eine politische Figur mit langjähriger Erfahrung. Seine Karriere ist vielschichtig: Er war zunächst Unternehmer in der familieneigenen Landmaschinenfirma, bevor er sich voll der Politik widmete. Bereits mit 25 Jahren fungierte er als Wirtschaftsberater von Ministerpräsident Giovanni Goria. Seine politische Heimat fand er nach Stationen bei der Democrazia Cristiana und Forza Italia schließlich 2012 als Mitbegründer von Fratelli d’Italia an der Seite von Giorgia Meloni und Ignazio La Russa.
Seine frühere Rolle als Staatssekretär im Verteidigungsministerium unter der vierten Regierung von Silvio Berlusconi (2008-2011) gab ihm bereits tiefgreifende Einblicke in das Ressort, das er heute leitet. Diese Kombination aus politischer Erfahrung und Industrie-Know-how prägt seinen aktuellen Kurs. Um mögliche Interessenkonflikte zu vermeiden, trat er nach seiner Ernennung zum Minister von allen Posten in Privatunternehmen zurück.
Deutsch-Italienische Verteidigungsachse: Was der neue Pakt bedeutet
Ein zentraler Pfeiler der Politik von Italiens Verteidigungsminister Crosetto ist die Vertiefung der Partnerschaft mit Deutschland. Bei Regierungskonsultationen in Rom unterzeichneten Bundeskanzler Friedrich Merz und Premierministerin Giorgia Meloni im Januar 2026 ein Abkommen zur verstärkten Kooperation in Sicherheit und Verteidigung. Dieses Abkommen ist mehr als eine Absichtserklärung; es institutionalisiert die Zusammenarbeit auf einer neuen Ebene.
Wesentliche Elemente der Vereinbarung sind:
- Regelmäßige 2+2-Gespräche: Die Außen- und Verteidigungsminister beider Länder werden sich jährlich zu strategischen Gesprächen treffen.
- Militärische Kooperation: Geplant ist eine Intensivierung der Zusammenarbeit bei Einsätzen, Ausbildung und gemeinsamen Übungen.
- Gemeinsame Rüstungsprojekte: Beide Nationen wollen Potenziale für industrielle Kooperationen und gemeinsame Beschaffungen prüfen, um die Interoperabilität zu stärken und die europäische Verteidigungsindustrie wettbewerbsfähiger zu machen.
- Neue Domänen: Die Kooperation erstreckt sich auch auf die Bereiche Cyber, Weltraum und die Abwehr hybrider Bedrohungen.
Diese verstärkte Achse Berlin-Rom wird auch als strategische Neuausrichtung gesehen, insbesondere in einer Zeit, in der die deutsch-französische Zusammenarbeit im Rüstungsbereich mit Schwierigkeiten konfrontiert ist. Die enge Abstimmung zwischen Crosetto und seinem deutschen Amtskollegen Boris Pistorius ist dabei ein entscheidender Faktor. Die Kooperation reicht von etablierten Projekten wie dem Eurofighter bis hin zu Zukunftsvorhaben wie der Eurodrohne.
Italiens Verteidigungsstrategie unter Crosetto
Die Verteidigungspolitik unter Guido Crosetto fokussiert sich auf mehrere Kernbereiche. Ein Hauptanliegen ist die Anpassung an eine veränderte globale Sicherheitslage. Insbesondere die russische Aggression und die zunehmende Instabilität im Mittelmeerraum und in Afrika prägen die strategische Ausrichtung. Crosetto betonte die Notwendigkeit, auf hybride Bedrohungen entschlossen zu reagieren und forderte die Schaffung einer neuen Einheit zur Bekämpfung von Desinformation und feindlichen Aktionen, die bis zu 5.000 Mitarbeiter umfassen könnte.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Rolle Italiens innerhalb der NATO. Crosetto hat in der Vergangenheit die Notwendigkeit einer Reform des Bündnisses angemahnt. Im Juni 2025 äußerte er, die NATO müsse sich den neuen Realitäten anpassen und enger mit dem globalen Süden zusammenarbeiten, um ihre Relevanz zu behalten. Diese Aussage unterstreicht seinen pragmatischen und zukunftsorientierten Ansatz.
Rüstung und Budget: Italiens Weg zum 2%-Ziel der NATO
Unter Verteidigungsminister Crosetto hat Italien seine Anstrengungen zur Modernisierung der Streitkräfte und zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben intensiviert. Für 2025 plante die Regierung, das NATO-Ziel von 2 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu erreichen, nachdem das Land 2024 mit 1,49 % noch deutlich darunter lag. Die Budgetplanung sieht für 2025 Ausgaben von 31,3 Milliarden Euro vor.
Wichtige Modernisierungsvorhaben umfassen:
| Waffensystem | Geplante Anzahl/Details | Geschätztes Volumen/Quelle |
|---|---|---|
| F-35 Kampfflugzeuge | Erweiterung der Flotte von 90 auf 115 Maschinen | 735 Mio. € für Erweiterung (2025) |
| Kampfpanzer KF51 Panther | 380 neue Panzer als Ersatz für den Ariete | Teil eines Joint Ventures mit Rheinmetall |
| Schützenpanzer Lynx KF41 | 1.050 neue Schützenpanzer | Teil eines Joint Ventures mit Rheinmetall |
| Eurofighter | Beschaffung von 24 neuen Jets der Tranche 4 |
Diese Investitionen, insbesondere die Kooperation mit deutschen Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall, zeigen die enge Verflechtung der deutsch-italienischen Verteidigungspolitik. Zudem profitiert Italien von EU-Initiativen wie dem Programm SAFE, das zinsgünstige Kredite für Rüstungsvorhaben bereitstellt. Diese finanzielle Unterstützung ist entscheidend, um die ambitionierten Modernisierungspläne umzusetzen, über die auch in Formaten wie ZDF Markus Lanz Heute diskutiert wird.
Kontroverse Entscheidungen und politische Positionen
Guido Crosetto ist auch für klare und manchmal unkonventionelle Positionen bekannt. Jüngstes Beispiel war die Entscheidung Ende März 2026, US-Militärflugzeugen die Landung auf dem strategisch wichtigen Stützpunkt Sigonella auf Sizilien für Operationen im Nahen Osten zu verweigern. Berichten zufolge erfolgte die Anfrage der USA erst, als die Maschinen bereits in der Luft waren, ohne vorherige Genehmigung. Dieser Vorfall demonstriert den Willen Roms, seine Souveränität auch gegenüber engen Verbündeten zu wahren.
Zudem positioniert sich Crosetto als Kritiker starrer EU-Haushaltsregeln. Er forderte wiederholt, strategisch wichtige Investitionen, etwa in Verteidigung oder den digitalen Wandel, vom europäischen Stabilitätspakt auszunehmen. Dies sei notwendig, um in einer veränderten Welt, die vom Aufstieg der BRICS-Staaten geprägt ist, den Wohlstand und die Sicherheit Europas zu gewährleisten. Solche Forderungen finden insbesondere in Deutschland, das traditionell auf Haushaltsdisziplin pocht, ein breites Echo.
Fazit: Italiens Verteidigungsminister als strategischer Partner
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Italiens Verteidigungsminister Guido Crosetto eine zentrale Figur in der europäischen Sicherheitsarchitektur darstellt. Er treibt nicht nur die Modernisierung der eigenen Streitkräfte voran, sondern schmiedet mit der vertieften Kooperation mit Deutschland eine strategische Achse, die für die Zukunft der europäischen Verteidigung von entscheidender Bedeutung sein könnte. Sein pragmatischer, auf nationale Interessen und gleichzeitig auf starke Bündnisse ausgerichteter Kurs macht ihn zu einem wichtigen, wenn auch manchmal unbequemen Partner für Berlin und Brüssel.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wer ist der aktuelle Verteidigungsminister von Italien?
Der aktuelle Verteidigungsminister Italiens ist seit dem 22. Oktober 2022 Guido Crosetto. Er ist Mitglied der Regierung von Premierministerin Giorgia Meloni und ein Mitbegründer der Partei Fratelli d’Italia.
Welche Beziehung hat Italiens Verteidigungsminister zu Deutschland?
Unter Guido Crosetto wurde die verteidigungspolitische Zusammenarbeit mit Deutschland erheblich intensiviert. Im Januar 2026 wurde ein Abkommen für eine engere Kooperation in den Bereichen Rüstung, gemeinsame Übungen und strategischer Dialog unterzeichnet.
Wie hoch sind Italiens Verteidigungsausgaben?
Für das Jahr 2025 plant Italien, rund 31,3 Milliarden Euro für Verteidigung auszugeben. Ziel ist es, die NATO-Vorgabe von 2 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu erreichen.
Welche wichtigen Rüstungsprojekte verfolgt Italien?
Italien investiert stark in die Modernisierung seiner Streitkräfte. Zu den wichtigsten Projekten gehören die Aufstockung der F-35-Flotte auf 115 Jets, die Beschaffung von 380 neuen Kampfpanzern des Typs KF51 Panther und 1.050 Schützenpanzern des Typs Lynx KF41 in Kooperation mit Rheinmetall.
Was sind die politischen Positionen von Guido Crosetto?
Guido Crosetto tritt für eine Reform der NATO ein, um sie an neue globale Gegebenheiten anzupassen. Er fordert zudem eine flexiblere Auslegung der EU-Schuldenregeln, um strategische Investitionen in Verteidigung und Industrie zu ermöglichen. Außerdem betont er die nationale Souveränität, wie die Verweigerung einer Landeerlaubnis für US-Militärflugzeuge im März 2026 zeigte.