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Gerhard Schröder ist auch am 25.03.2026, mehr als zwanzig Jahre nach dem Ende seiner Kanzlerschaft, eine der umstrittensten und meistdiskutierten Figuren der deutschen Politik. Der Altkanzler (SPD) prägte mit der Agenda 2010 die Bundesrepublik nachhaltig, sorgt aber vor allem durch seine ungebrochene Nähe zu Russland und Wladimir Putin sowie seine Tätigkeit für russische Energiekonzerne immer wieder für Schlagzeilen. Seine jüngsten Einmischungen in die aktuelle Parteipolitik der SPD zeigen, dass er nicht gewillt ist, sich aus der öffentlichen Debatte zurückzuziehen.
Inhaltsverzeichnis
- Wer ist Gerhard Schröder?
- Die Kanzlerschaft und die Agenda 2010: Schröders politisches Erbe
- Die Kontroverse nach der Kanzlerschaft: Lobbyismus für Russland
- Das schwierige Verhältnis: Gerhard Schröder und die SPD
- Aktuelle Einmischungen: Was Schröder 2026 fordert
- Gerhard Schröder privat: Fünf Ehen und zwei adoptierte Kinder
Das Wichtigste in Kürze
- Politische Karriere: Gerhard Schröder (* 7. April 1944) war von 1998 bis 2005 der siebte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und führte die erste rot-grüne Koalition auf Bundesebene an.
- Agenda 2010: Seine Amtszeit ist untrennbar mit den umstrittenen Arbeitsmarkt- und Sozialreformen der «Agenda 2010» verbunden, die bis heute nachwirken.
- Russland-Verbindung: Seit seinem Ausscheiden aus dem Amt ist Schröder als Lobbyist für russische Energiekonzerne wie Nord Stream und Rosneft tätig, was ihm massive Kritik einbrachte.
- Putin-Freundschaft: Seine persönliche Freundschaft zu Wladimir Putin und seine Haltung zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine führten zu einem (gescheiterten) Parteiausschlussverfahren der SPD.
- Aktuelle Wortmeldungen: Im März 2026 forderte Schröder seine Partei zu einer «neuen Agenda-Politik» und einem wirtschaftsfreundlicheren Kurs auf.
- Gesundheit: Im Frühjahr 2025 musste Schröder Termine, unter anderem eine Befragung im Nord Stream 2-Untersuchungsausschuss, wegen einer Burnout-Erkrankung absagen, die stationär behandelt wurde.
Wer ist Gerhard Schröder?
Gerhard Fritz Kurt Schröder, geboren am 7. April 1944 in Mossenberg-Wöhren, ist ein ehemaliger deutscher Politiker (SPD) und Jurist. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf; sein Vater fiel im Zweiten Weltkrieg. Nach einer Lehre zum Einzelhandelskaufmann holte Schröder das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nach und studierte anschließend Rechtswissenschaften in Göttingen. Seit 1963 ist er Mitglied der SPD, von 1978 bis 1980 war er Bundesvorsitzender der Jusos. Seine politische Karriere führte ihn über den Bundestag (1980–1986) ins Amt des niedersächsischen Ministerpräsidenten (1990–1998), bevor er 1998 zum siebten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt wurde.
Die Kanzlerschaft und die Agenda 2010: Schröders politisches Erbe
Von Oktober 1998 bis November 2005 regierte Gerhard Schröder an der Spitze einer Koalition aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen. Seine Kanzlerschaft war von weitreichenden Entscheidungen geprägt. Außenpolitisch fiel in seine Amtszeit die erste deutsche Beteiligung an einem Kampfeinsatz seit dem Zweiten Weltkrieg im Rahmen des Kosovo-Krieges 1999. Innenpolitisch setzte seine Regierung den Atomausstieg durch. Das prägendste Projekt seiner Amtszeit war jedoch die «Agenda 2010».
Mit diesem Reformpaket, das unter anderem die Hartz-Gesetze umfasste, sollte der deutsche Arbeitsmarkt liberalisiert und das Sozialsystem umgebaut werden. Die Reformen waren innerhalb der SPD höchst umstritten und führten zu massiven Protesten sowie einer Abspaltung von Parteimitgliedern, die später in der Partei Die Linke aufgingen. Befürworter sehen in der Agenda 2010 die Grundlage für den wirtschaftlichen Aufschwung der folgenden Jahre. Kritiker bemängeln hingegen die Zunahme des Niedriglohnsektors und die soziale Schieflage. Beispielsweise fordert die IGBCE auch in der Tarifrunde 2026 weiterhin deutliche Lohnsteigerungen, um die Folgen preiszugeben.
Die Kontroverse nach der Kanzlerschaft: Lobbyismus für Russland
Kurz nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt sorgte Gerhard Schröder für einen Eklat, als er einen Posten beim Pipeline-Konsortium Nord Stream AG annahm, einem Tochterunternehmen des russischen Staatskonzerns Gazprom. Ein Projekt, für dessen Realisierung er sich noch als Kanzler starkgemacht hatte. Dieser nahtlose Wechsel aus der Politik in die Wirtschaft, insbesondere in den Dienst eines ausländischen, staatlich kontrollierten Konzerns, wurde weithin als beispielloser Fall von Interessenkonflikt kritisiert.
In den folgenden Jahren baute Schröder seine Geschäftsbeziehungen zu Russland weiter aus. Er wurde Aufsichtsratschef beim russischen Ölkonzern Rosneft und blieb auch nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 zunächst in seinen Ämtern. Seine Weigerung, sich von seinem Freund Wladimir Putin zu distanzieren, und seine relativierenden Aussagen zum Krieg isolierten ihn politisch und gesellschaftlich in Deutschland. Transparency International Deutschland bezeichnete ihn als «Wegbereiter des größten Falls strategischer Korruption in Deutschland». Eine detaillierte Aufarbeitung der politischen Verflechtungen findet unter anderem im Deutschen Bundestag statt.
Das schwierige Verhältnis: Gerhard Schröder und die SPD
Die Beziehung zwischen Gerhard Schröder und seiner Partei, der SPD, ist seit Jahren stark belastet. Seine Agenda-Politik hatte die Partei tief gespalten, doch seine Russland-Nähe führte zum endgültigen Bruch mit weiten Teilen der Parteiführung und Basis. Mehrere SPD-Gliederungen beantragten 2022 seinen Parteiausschluss. Eine Schiedskommission der SPD Hannover entschied jedoch, dass Schröder mit seinen Äußerungen und Tätigkeiten nicht gegen die Parteiordnung verstoßen habe. Obwohl er Mitglied bleiben durfte, ist er politisch isoliert und wird beispielsweise nicht mehr zu Parteitagen eingeladen. Die andauernde Krise der SPD, die auch Politikerin Katarina Barley betrifft, wird durch die Personalie Schröder zusätzlich belastet.
Aktuelle Einmischungen: Was Schröder 2026 fordert
Trotz seiner Isolation meldet sich Gerhard Schröder weiterhin regelmäßig zu Wort. Im März 2026, nach schweren Niederlagen der SPD bei Landtagswahlen, forderte er in der «Süddeutschen Zeitung» einen radikalen Kurswechsel. Er warf der Partei vor, die Wirtschaft zu vernachlässigen und sich mit «Nebenthemen» zu beschäftigen. Seine Forderung: «Eigentlich braucht das Land jetzt eine neue Agenda-Politik, aber das kann nur klappen, wenn die SPD das mit echtem Willen und Mut angeht.» Zudem bezeichnete er die Doppelspitze der Partei als «Quatsch» und forderte eine klare Führung.
Bereits im Januar 2026 warnte er in einem Gastbeitrag für die «Berliner Zeitung» vor einer «Dämonisierung Russlands». Zwar nannte er den Krieg völkerrechtswidrig, betonte aber die Notwendigkeit diplomatischer Lösungen und einer Kooperation bei Energielieferungen. Im Februar 2026 sprach er sich zudem für eine deutsche Bewerbung um die Olympischen Spiele 2036 aus und widersprach damit Bedenken von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
| Zeitraum | Amt/Position |
|---|---|
| 1978–1980 | Bundesvorsitzender der Jusos |
| 1980–1986 | Mitglied des Deutschen Bundestages |
| 1990–1998 | Ministerpräsident von Niedersachsen |
| 1999–2004 | Bundesvorsitzender der SPD |
| 1998–2005 | Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland |
| seit 2005 | Lobbyist, u.a. für Nord Stream AG und Rosneft |
Gerhard Schröder privat: Fünf Ehen und zwei adoptierte Kinder
Auch das Privatleben von Gerhard Schröder war oft Gegenstand öffentlichen Interesses. Er ist seit 2018 in fünfter Ehe mit der südkoreanischen Wirtschaftsmanagerin Soyeon Schröder-Kim verheiratet. Zuvor war er mit Eva Schubach (1968-1972), Anne Taschenmacher (1972-1984), Hiltrud Hensen (1984-1997) und der Journalistin Doris Köpf (1997-2018) verheiratet. Aus der Ehe mit Doris Köpf ging eine Stieftochter hervor. Gemeinsam adoptierte das Paar zwei Kinder aus Russland, Viktoria und Gregor. Schröder hat keine leiblichen Kinder und lebt in Hannover.
Fazit
Gerhard Schröder bleibt auch im Jahr 2026 eine Schlüsselfigur für das Verständnis der jüngeren deutschen Geschichte und aktueller politischer Debatten. Sein politisches Erbe, die Agenda 2010, ist ebenso umstritten wie seine Rolle als Lobbyist für russische Staatsinteressen nach seiner Kanzlerschaft. Seine fortwährende Weigerung, mit seinem Freund Wladimir Putin zu brechen, hat ihn in Deutschland politisch weitgehend isoliert. Dennoch zeigen seine aktuellen Wortmeldungen, dass der Altkanzler nicht bereit ist, die politische Bühne zu verlassen und weiterhin versucht, Einfluss auf den Kurs seiner Partei und die öffentliche Meinung zu nehmen.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Gerhard Schröder
Was macht Gerhard Schröder heute?
Gerhard Schröder ist heute als Rechtsanwalt und Lobbyist tätig, insbesondere für russische Energieunternehmen. Zudem meldet er sich regelmäßig zu aktuellen politischen Themen zu Wort. Im März 2026 forderte er beispielsweise eine «neue Agenda-Politik» von der SPD.
Warum ist Gerhard Schröder so umstritten?
Die Hauptkritik an Gerhard Schröder entzündet sich an seiner engen Verbindung zu russischen Staatskonzernen wie Gazprom und Rosneft direkt nach seiner Kanzlerschaft sowie an seiner persönlichen Freundschaft mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, von der er sich auch nach dem Angriff auf die Ukraine nicht distanzierte.
Wann war Gerhard Schröder Bundeskanzler?
Gerhard Schröder war vom 27. Oktober 1998 bis zum 22. November 2005 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er führte eine rot-grüne Koalition.
Was war die Agenda 2010?
Die Agenda 2010 war ein umfassendes Reformprogramm der Regierung Schröder, das 2003 verkündet wurde. Es beinhaltete tiefgreifende Einschnitte im Sozialsystem und auf dem Arbeitsmarkt, am bekanntesten sind die sogenannten Hartz-Gesetze. Ziel war es, die deutsche Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen.
Wie viele Ehefrauen hatte Gerhard Schröder?
Gerhard Schröder war fünfmal verheiratet. Seine Ehefrauen waren Eva Schubach, Anne Taschenmacher, Hiltrud Hensen, Doris Köpf und seit 2018 Soyeon Schröder-Kim.
Social Media Snippets
Facebook: Altkanzler Gerhard Schröder mischt sich wieder ein! Nach den Wahlschlappen der SPD fordert er eine «neue Agenda-Politik». Was steckt dahinter und wie umstritten ist seine Rolle als Russland-Lobbyist heute noch? Alle Fakten und Hintergründe. #GerhardSchröder #SPD #Agenda2010 #Politik
X (Twitter): Gerhard Schröder fordert 2026 eine neue Agenda für die #SPD und kritisiert die Parteispitze scharf. Ist der Altkanzler ein kluger Mahner oder eine Belastung für seine Partei? Die Analyse. #Schröder #Deutschland
Instagram: Von der Kanzlerschaft über die umstrittene Agenda 2010 bis zur kontroversen Freundschaft mit Putin. Gerhard Schröder bleibt eine der schillerndsten und umstrittensten Figuren der deutschen Politik. Wir blicken auf seine Karriere und was er heute macht. #GerhardSchröder #Politik #Altkanzler #Geschichte #Deutschland