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Dr. Alice Weidel ist eine deutsche Politikerin und seit Juni 2022 gemeinsam mit Tino Chrupalla Bundessprecherin der Alternative für Deutschland (AfD). Seit 2017 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages und Co-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion. Ihre politische Karriere ist von einem steilen Aufstieg sowie zahlreichen Kontroversen geprägt.
Das Wichtigste in Kürze
- Aktuelle Ämter: Alice Weidel ist seit Juni 2022 Bundessprecherin der AfD und seit September 2017 Co-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion.
- Beruflicher Werdegang: Vor ihrer politischen Karriere war die promovierte Volkswirtin unter anderem für Goldman Sachs, Allianz Global Investors und als Unternehmensberaterin tätig.
- Politische Positionen: Weidel vertritt wirtschaftsliberale Positionen und fordert eine restriktive Migrationspolitik sowie eine grundlegende Reform der Europäischen Union.
- Privatleben: Sie lebt in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft mit der Filmproduzentin Sarah Bossard, die aus Sri Lanka stammt. Das Paar hat zwei Söhne.
- Kontroversen: Ihr Wohnsitz in der Schweiz sorgt regelmäßig für Debatten. Zudem stand sie wegen einer Spendenaffäre und Plagiatsvorwürfen bezüglich ihrer Doktorarbeit in der Kritik, die jedoch von der Universität Bayreuth eingestellt wurden.
- Superwahljahr 2026: Alice Weidel spielt eine zentrale Rolle im Wahlkampf für die fünf Landtagswahlen, die 2026 stattfinden.
Inhaltsverzeichnis
Die Bundessprecherin der AfD, Alice Weidel, gehört Stand 09.03.2026 zu den bekanntesten und gleichzeitig umstrittensten Persönlichkeiten der deutschen Politik. Als Co-Vorsitzende der Bundestagsfraktion und Kanzlerkandidatin ihrer Partei bei der Bundestagswahl 2025 prägt sie den Kurs der AfD maßgeblich mit. Insbesondere im laufenden Superwahljahr 2026 steht sie im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit.
Wer ist Alice Weidel? Herkunft und Ausbildung
Alice Elisabeth Weidel wurde am 6. Februar 1979 in Gütersloh, Nordrhein-Westfalen, geboren und wuchs in Harsewinkel auf. Nach ihrem Abitur 1998 studierte sie Volks- und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth, das sie 2004 als eine der Jahrgangsbesten abschloss. Im Anschluss promovierte sie 2011 mit der Bestnote «summa cum laude» über das chinesische Rentensystem. Ihre Dissertation wurde durch ein Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung, einer der CDU nahestehenden Stiftung, gefördert.
Vor ihrem Einstieg in die Politik sammelte Weidel umfassende Erfahrungen in der internationalen Finanzwelt. Sie arbeitete unter anderem für Goldman Sachs und Allianz Global Investors in Frankfurt. Ein mehrjähriger Arbeitsaufenthalt in China prägte ebenfalls ihren beruflichen Werdegang, bevor sie sich 2014 als Unternehmensberaterin selbstständig machte.
Die politische Karriere von Alice Weidel in der AfD
Im Jahr 2013 trat Alice Weidel in die neu gegründete Alternative für Deutschland (AfD) ein. Ursprünglich von der Euro-Kritik der Partei angezogen, stieg sie schnell in deren Rängen auf. 2015 wurde sie in den Bundesvorstand gewählt. Den endgültigen Durchbruch schaffte sie 2017, als sie gemeinsam mit Alexander Gauland zum Spitzenkandidaten-Duo für die Bundestagswahl gekürt wurde. Die AfD zog daraufhin erstmals in den Bundestag ein und Weidel übernahm zusammen mit Gauland den Fraktionsvorsitz.
Seit Juni 2022 führt sie die Partei als Bundessprecherin an der Seite von Tino Chrupalla. Diese Doppelspitze wurde auch für die Bundestagswahl 2021 als Spitzenkandidaten-Team aufgestellt. Innerparteilich hat sich Weidels Position über die Jahre gewandelt. Während sie 2017 noch ein Parteiausschlussverfahren gegen den als rechtsextrem eingestuften Björn Höcke befürwortete, gilt ihr Verhältnis heute als befriedet, was manche als strategisches Bündnis interpretieren.
Politische Positionen und Ziele von Alice Weidel
Die politischen Ansichten von Alice Weidel sind klar im wirtschaftsliberalen und nationalkonservativen Spektrum verortet. Sie befürwortet Steuersenkungen und den Abbau von Bürokratie, um die deutsche Wirtschaft zu stärken. Ein zentrales Thema ihrer Politik ist die Kritik an der aktuellen Migrations- und Asylpolitik, bei der sie eine deutlich restriktivere Linie und eine konsequente Abschiebung abgelehnter Asylbewerber fordert. Sie spricht sich für eine «Remigration» aus, ein Begriff, der kontrovers diskutiert wird.
In der Energiepolitik plädiert Weidel für ein Ende der Energiewende, eine Rückkehr zur Kernenergie und die Abschaffung der CO₂-Abgabe. Außenpolitisch fordert sie eine «interessengeleitete Außenpolitik für unser Land» und steht der Europäischen Union in ihrer jetzigen Form kritisch gegenüber. Ihr Ziel ist eine grundlegende Reform der EU von innen heraus. Die aktuellen Landtagswahlen und Wahlergebnisse sind für sie ein wichtiger Gradmesser für die Stimmung im Land.
Kontroversen und Kritik
Die politische Laufbahn von Alice Weidel ist von mehreren Kontroversen begleitet. Für wiederkehrende Kritik sorgt ihr Wohnsitz in der Schweiz. Weidel lebt mit ihrer Familie in Einsiedeln im Kanton Schwyz, während ihr Hauptwohnsitz offiziell in Überlingen am Bodensee gemeldet ist. Kritiker werfen ihr vor, dass ihr Lebensmittelpunkt nicht in Deutschland liege, was sie als Kanzlerkandidatin unglaubwürdig mache.
Ende 2023 wurden Plagiatsvorwürfe bezüglich ihrer 2011 verfassten Doktorarbeit laut. Die Universität Bayreuth leitete eine Vorprüfung ein, entschied sich jedoch im Januar 2024 gegen ein Hauptverfahren. Die Kommission für wissenschaftliche Integrität fand zwar vereinzelte Zitierfehler, sah aber keine Hinweise auf ein absichtliches wissenschaftliches Fehlverhalten. Weidel selbst sprach von einer politisch motivierten Kampagne.
Zudem stand die AfD unter ihrer Führung wiederholt wegen möglicher Vetternwirtschaft in der Kritik, Vorwürfe, die Weidel und Chrupalla als «haltlos» zurückwiesen. Auch die Nähe zu Russland wird immer wieder thematisiert, wobei Weidel betont, offene Kanäle sowohl zu den USA als auch zu Russland zu pflegen. Die ständigen Auseinandersetzungen beeinflussen auch die Entwicklungen an der Börse und am DAX, da politische Instabilität die Märkte verunsichert.
Das Privatleben von Alice Weidel
Alice Weidel lebt offen homosexuell, was in einem Spannungsverhältnis zum traditionellen Familienbild ihrer Partei steht, das die Ehe zwischen Mann und Frau als Leitbild propagiert. Sie ist mit der aus Sri Lanka stammenden Schweizer Filmproduzentin Sarah Bossard liiert und hat mit ihr eine eingetragene Lebenspartnerschaft geschlossen. Das Paar zieht gemeinsam zwei Söhne groß.
Weidel betont, dass der Staat sich nicht in Partnerschaftsmodelle einmischen solle und sie das Leitbild der Familie als Keimzelle der Gesellschaft vertrete. Sie sieht keinen Widerspruch zwischen ihrem persönlichen Lebensmodell und dem Parteiprogramm. Ihre sexuelle Orientierung sei innerparteilich selten ein Thema.
Alice Weidel im Superwahljahr 2026
Das Jahr 2026 ist mit fünf Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ein sogenanntes Superwahljahr. Für Alice Weidel und die AfD ist es ein entscheidender Test. Die Partei liegt in bundesweiten Umfragen stabil auf dem zweiten Platz, hinter der Union. Beim Wahlkampfauftakt in Baden-Württemberg attackierten Weidel und Chrupalla die Bundesregierung scharf und bekräftigten ihre Kernforderungen in der Energie- und Migrationspolitik.
Aktuelle Umfragewerte zur Bundestagswahl (Stand: März 2026)
| Partei | Prognose (Ipsos, 05.03.2026) |
|---|---|
| CDU/CSU | 25 % |
| AfD | 24 % |
| SPD | 15 % |
| Bündnis 90/Die Grünen | 14 % |
| Die Linke | 11 % |
| FDP | 4 % |
| BSW | 3 % |
| Sonstige | 4 % |
Quelle: Ipsos Sonntagsfrage, veröffentlicht am 05.03.2026
Die Ergebnisse dieser Wahlen werden als wichtiger Indikator für die politische Stimmung im Land und die Chancen der AfD bei zukünftigen Wahlen gewertet. Weidel positioniert sich und ihre Partei als einzige echte Alternative zur etablierten Politik und strebt Regierungsverantwortung an. Vertrauenswürdige Informationen zur politischen Lage bietet unter anderem die Website der Bundesregierung.
Fazit: Alice Weidel als Schlüsselfigur der AfD
Alice Weidel hat sich als eine der dominantesten Figuren in der deutschen Politik etabliert. Mit ihrer scharfen Rhetorik, ihrem wirtschaftlichen Sachverstand und ihrer Fähigkeit, die eigene Anhängerschaft zu mobilisieren, ist sie unbestritten die Schlüsselfigur der AfD. Ihre Karriere zeigt eine Politikerin voller Widersprüche: die promovierte Ökonomin in einer rechtspopulistischen Partei, die homosexuelle Mutter in einer Partei mit traditionellem Familienbild, die Weltbürgerin mit Wohnsitz in der Schweiz an der Spitze einer nationalkonservativen Bewegung. Genau diese Komplexität macht sie für Beobachter und politische Gegner zu einer schwer fassbaren, aber einflussreichen Kraft. Das Superwahljahr 2026 wird zeigen, wie tragfähig ihre Strategie ist und wohin sie die AfD und damit auch die politische Landschaft Deutschlands führen wird. Weitere Informationen zu ihrer Person und parlamentarischen Arbeit finden sich auf der offiziellen Seite des Deutschen Bundestages.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Alice Weidel
Was ist Alice Weidel von Beruf?
Alice Weidel ist promovierte Volkswirtin und Diplom-Kauffrau. Vor ihrer politischen Karriere arbeitete sie als Analystin bei Goldman Sachs, bei Allianz Global Investors und gründete eine eigene Unternehmensberatung.
Wo wohnt Alice Weidel?
Alice Weidel hat einen gemeldeten Hauptwohnsitz in Überlingen am Bodensee in Deutschland. Ihr familiärer Lebensmittelpunkt befindet sich jedoch in Einsiedeln in der Schweiz, wo sie mit ihrer Partnerin und ihren zwei Söhnen lebt.
Wer ist die Partnerin von Alice Weidel?
Die Lebenspartnerin von Alice Weidel ist Sarah Bossard, eine Schweizer Filmproduzentin mit Wurzeln in Sri Lanka. Sie leben in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft und ziehen gemeinsam zwei Söhne groß.
Welche Ämter hat Alice Weidel in der AfD?
Alice Weidel ist seit Juni 2022 zusammen mit Tino Chrupalla Bundessprecherin (Parteivorsitzende) der AfD. Zudem ist sie seit dem Einzug der Partei in den Bundestag 2017 Co-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion.
Wurden die Plagiatsvorwürfe gegen Alice Weidel bestätigt?
Nein. Die Universität Bayreuth hat die Plagiatsvorwürfe gegen Alice Weidel geprüft, aber im Januar 2024 entschieden, kein Hauptverfahren einzuleiten. Es wurden zwar vereinzelte Zitierfehler gefunden, diese reichten laut der zuständigen Kommission aber nicht aus, um ein wissenschaftliches Fehlverhalten zu belegen.