«Sentimental Value»-Star Stellan Skarsgård ist aktuell für einen Oscar nominiert. Wie sich auch seine Söhne einen Platz in Hollywood erobert haben.
Als Kind brachte Alexander Skarsgård, heute 49, nicht gerne Freunde mit nach Hause, weil ihm die unkonventionelle Atmosphäre peinlich war. «Ich träumte davon, eine normale, angepasste Familie zu haben, so wie alle», gab der Schwede im Doppelinterview mit seinem Vater Stellan, 74, für das Branchenblatt «Variety» kürzlich zu. «Es wäre fantastisch gewesen, wenn du eine Aktentasche gehabt hättest und keinen seltsamen Jutebeutel, den du in Indien gefunden hattest.»
Hochglanz-Rollen und Zimtschnecken
Weil in den Achtzigerjahren bei den Skarsgårds in Stockholm ständig Regisseure und Produzenten ein und ausgingen, bekam Alexander schon mit sieben Jahren seine erste Filmrolle. «Ich musste nicht einmal vorsprechen», erinnert er sich, das sei reiner Nepotismus gewesen – Bevorteilung wegen seines prominenten Vaters. Den Wunsch, auch Schauspieler zu werden, hatte Alexander damals trotzdem nicht. Das Einzige, was ihm in guter Erinnerung vom Set geblieben sei: so viele Zimtschnecken essen zu können, wie er wollte.
Schweres Hollywood-Fieber hat längst nicht nur Alexander («Big Little Lies», «Melancholia») heftig erfasst, sondern auch fünf seiner insgesamt sieben Geschwister: Gustaf, 45, («Oppenheimer», «Vikings»,) Bill, 35, («Es», «Nosferatu») und Valter, 30, («Kommissar Beck») werden nicht zuletzt wegen ihrer skandinavisch-muskulösen Körperlichkeit gecastet. Selbst Ossian, 16, und Kolbjörn, 13, aus Stellan Skarsgårds zweiter Ehe ergatterten bereits erste internationale Rollen.
Stellan Skarsgård: «Dank ihnen bekomme ich viel Wohlwollen»
Stolz auf die Karrieren seiner Kinder, nennt sich Skarsgård senior («Dune») gerne scherzhaft «Nepo-Daddy» und sagt: «Dank ihnen bekomme ich viel Wohlwollen und sicher auch Jobs!» Dabei befindet er sich gerade selbst auf dem Zenit: Nach einem Golden Globe im Januar kann er sich erstmals Hoffnungen auf den Oscar machen. In dem norwegischen Familiendrama «Sentimental Value» spielt er sehr überzeugend einen alternden Regisseur, der seine Karriere stets über die Familie gestellt hat und verzweifelt die Nähe zu seinen beiden erwachsenen Töchter sucht.
Mit der Realität hat diese Entfremdung wenig zu tun. Zwar gibt auch Stellan zu, für seine acht Kinder oft wenig Zeit gehabt zu haben, doch ihr Verhältnis gilt heute als eng. Er habe sie nie in ihren beruflichen Entscheidungen beeinflussen wollen, beteuert er, auch nicht die beiden Nicht-Schauspieler: Tochter Eija, 34, ist als Castingdirektorin noch nah am väterlichen Gewerbe, der beruflich «abtrünnige» Sohn Sam, 43, kommt nach seiner Mutter, der schwedischen Ärztin My Skarsgård, 69, und studierte Medizin.
Dass man in so einer talentierten Familie extra auffallen muss, weiß Alexander – und lief im Herbst beim Londoner Filmfestival im ärmel- und rückenfreien Hemd mit Lederhose über den roten Teppich. Perfekte Werbung für seinen neuesten Film: Im Liebesdrama «Pillion» (Kinostart: Ende März) spielt er den Anführer einer Biker-Gang, der eine SM-Beziehung zu einem schüchternen jungen Mann eingeht. Im wahren Leben ist er mit der schwedischen Schauspielerin Tuva Novotny, 46, liiert, das Paar hat einen Sohn, 3. Es ist sicher nur eine Frage der Zeit, wann der Kleine zum ersten Mal vor der Kamera steht.