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Der ehemalige südkoreanische Präsident Yoon Suk-yeol wurde am 19. Februar 2026 von einem Gericht in Seoul zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Urteil markiert den vorläufigen Höhepunkt einer Staatskrise, die das Land seit der überraschenden Ausrufung des Kriegsrechts im Dezember 2024 erschüttert. Der Schuldspruch wegen Anführung eines Aufstands und Untergrabung der Verfassung hat weitreichende politische Folgen für die Region.
Das Wichtigste in Kürze
- Urteil: Yoon Suk-yeol wurde am 19.02.2026 wegen Anführung eines Aufstands zu lebenslanger Haft verurteilt.
- Anklage: Kern der Anklage war die verfassungswidrige Ausrufung des Kriegsrechts am 3. Dezember 2024.
- Hintergrund: Yoon begründete den Schritt mit dem Schutz vor angeblichen «staatsfeindlichen Kräften» in der Opposition.
- Staatsanwaltschaft: Die Anklage hatte ursprünglich die Todesstrafe für den Ex-Präsidenten gefordert.
- Politische Folgen: Der Vorfall führte zu Massenprotesten, Yoons Amtsenthebung im April 2025 und einer Neuwahl.
- Weitere Verfahren: Yoon wurde bereits in einem separaten Prozess wegen Justizbehinderung zu fünf Jahren Haft verurteilt.
Inhaltsverzeichnis
- Der Prozess gegen Yoon Suk-yeol und das Urteil
- Was geschah im Dezember 2024? Die Ausrufung des Kriegsrechts
- Wie reagierte die Politik und Öffentlichkeit?
- Der politische Werdegang von Yoon Suk-yeol
- Die Beziehungen zwischen Deutschland und Südkorea unter Yoon
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Yoon Suk-yeol
- Fazit: Ein Urteil mit historischer Tragweite
Die Verurteilung von Yoon Suk-yeol, die am heutigen 19. Februar 2026 erfolgte, ist ein einschneidendes Ereignis in der modernen Geschichte Südkoreas. Der ehemalige Präsident, der von Mai 2022 bis zu seiner Amtsenthebung im April 2025 an der Macht war, muss sich nun für den Versuch verantworten, die demokratische Ordnung des Landes auszuhebeln. Deshalb ist die Entscheidung des Gerichts von großer nationaler und internationaler Bedeutung.
Der Prozess gegen Yoon Suk-yeol und das Urteil
Das zentrale Bezirksgericht in Seoul befand den 65-jährigen Yoon Suk-yeol für schuldig, einen Aufstand angeführt und damit gegen die Verfassung verstoßen zu haben. Die Richter verurteilten ihn zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und folgten damit nicht der Forderung der Staatsanwaltschaft, die die Todesstrafe beantragt hatte. In Südkorea wurde die Todesstrafe seit 1997 nicht mehr vollstreckt, weshalb ein inoffizielles Moratorium gilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Yoon mit der Verhängung des Kriegsrechts seine Macht missbraucht hatte, um das Parlament lahmzulegen. Allerdings schloss es sich nicht dem Vorwurf an, dass die Tat von langer Hand geplant war.
Weitere Anklagen und Verurteilungen
Dieses Urteil ist nicht das einzige juristische Problem für Yoon. Bereits Mitte Januar 2026 wurde er in einem anderen Verfahren wegen Behinderung der Justiz und Missbrauch des präsidentiellen Sicherheitsdienstes zu fünf Jahren Haft verurteilt. Damals ging es unter anderem um die Vernichtung von Beweismaterial. Yoon Suk-yeol kann gegen das jetzige Urteil noch Berufung einlegen, was einen langen juristischen Weg erwarten lässt. Sein Fall erinnert an die dunklen Kapitel der südkoreanischen Geschichte, als ehemalige Militärdiktatoren ebenfalls vor Gericht standen.
Was geschah im Dezember 2024? Die Ausrufung des Kriegsrechts
Am Abend des 3. Dezember 2024 verhängte der damalige Präsident Yoon Suk-yeol völlig überraschend das Kriegsrecht über Südkorea. In einer Fernsehansprache begründete er diesen drastischen Schritt damit, die «freiheitliche Ordnung» vor der Opposition schützen zu müssen, die angeblich von Kommunisten und Nordkorea-Sympathisanten unterwandert sei. Konkrete Beweise für diese Behauptungen legte er jedoch nicht vor. Folglich wies er Spezialeinheiten des Militärs an, die Nationalversammlung in Seoul abzusperren und die Arbeit der Abgeordneten zu behindern.
Wie reagierte die Politik und Öffentlichkeit?
Der Versuch, die demokratischen Institutionen auszuschalten, scheiterte jedoch innerhalb weniger Stunden. Abgeordnete der Opposition und sogar Mitglieder seiner eigenen Partei widersetzten sich dem Befehl, durchbrachen die militärischen Absperrungen und beriefen eine Notsitzung ein. In dieser Sitzung stimmte das Parlament einstimmig für die Aufhebung des Kriegsrechtsdekrets, womit Yoon zum Rückzug gezwungen war. Dieser Vorfall löste eine monatelange Staatskrise und landesweite Massenproteste aus, die den sofortigen Rücktritt des Präsidenten forderten. Die politische Karriere von Yoon Suk-yeol war damit praktisch beendet. Der Fall zeigt die Stärke der südkoreanischen Demokratie, die sich erfolgreich gegen einen autoritären Versuch zur Wehr setzte. Über die Ereignisse berichtete unter anderem die Berichterstattung des Deutschlandfunks.
Amtsenthebung und Neuwahlen
Die Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten. Am 14. Dezember 2024 leitete das Parlament ein Amtsenthebungsverfahren ein, das im April 2025 vom Verfassungsgericht bestätigt wurde. Dadurch wurde Yoon Suk-yeol offiziell seines Amtes enthoben. Die anschließenden Neuwahlen gewann der damalige Oppositionsführer Lee Jae-myung, der seitdem das Land regiert. Diese Entwicklungen spiegeln die tiefen politischen Gräben im Land wider, die auch durch die polarisierende Amtszeit von Yoon vertieft wurden.
Der politische Werdegang von Yoon Suk-yeol
Vor seiner Präsidentschaft war Yoon Suk-yeol ein bekannter Staatsanwalt, der sich einen Namen durch Ermittlungen gegen korrupte Politiker und Wirtschaftsführer gemacht hatte. Er wurde 2019 zum Generalstaatsanwalt ernannt. Seine politische Karriere begann er als Kandidat der konservativen Partei «Macht des Volk» (People Power Party) und gewann die Präsidentschaftswahl im März 2022 knapp. Seine Amtszeit war von Anfang an von Kontroversen und niedrigen Zustimmungswerten geprägt. Kritiker warfen ihm einen autoritären Führungsstil und eine konfrontative Politik vor. Die Ereignisse im Dezember 2024 waren der dramatische Tiefpunkt seiner Präsidentschaft, über die auch in unserem Artikel zur angespannten geopolitischen Lage berichtet wird.
Wichtige Stationen im Fall Yoon
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 03.12.2024 | Präsident Yoon Suk-yeol ruft das Kriegsrecht aus. |
| 04.12.2024 | Das Parlament hebt das Kriegsrecht nach wenigen Stunden auf. |
| 14.12.2024 | Das Parlament stimmt für die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens. |
| Januar 2025 | Yoon wird verhaftet. |
| April 2025 | Das Verfassungsgericht bestätigt die Amtsenthebung. |
| Januar 2026 | Urteil zu 5 Jahren Haft wegen Justizbehinderung. |
| 19.02.2026 | Urteil zu lebenslanger Haft wegen Anführung eines Aufstands. |
Video-Empfehlung: Für visuelle Einblicke in die damaligen Ereignisse empfehlen wir die Suche nach «DW News Yoon Suk Yeol martial law» auf YouTube. Dort finden sich zahlreiche Berichte, die die dramatischen Stunden im Dezember 2024 dokumentieren.
Die Beziehungen zwischen Deutschland und Südkorea unter Yoon
Während seiner Amtszeit pflegte Yoon Suk-yeol auch die Beziehungen zu Deutschland. Im November 2022 traf er den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Seoul. Beide betonten die verstärkte Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft und Sicherheit. Zudem gab es im Mai 2023 ein Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz, bei dem eine engere Kooperation in der Verteidigungsindustrie vereinbart wurde, wie das Auswärtige Amt bestätigt. Die durch Yoons Handeln ausgelöste innenpolitische Krise hat die außenpolitische Ausrichtung Südkoreas jedoch nachhaltig verändert. Die neue Regierung unter Lee Jae-myung verfolgt einen pragmatischeren Kurs, der stärker auf nationale Interessen ausgerichtet ist. Die Krise hat ebenfalls gezeigt, wie wichtig die Aufarbeitung politischer Vergangenheit ist, ähnlich wie es in Deutschland im Fall Uli Hoeneß in einem anderen Kontext diskutiert wurde.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Yoon Suk-yeol
Warum wurde Yoon Suk-yeol zu lebenslanger Haft verurteilt?
Yoon Suk-yeol wurde wegen Anführung eines Aufstands und Untergrabung der Verfassung verurteilt. Der Hauptgrund war seine überraschende und verfassungswidrige Ausrufung des Kriegsrechts am 3. Dezember 2024, mit der er versuchte, das Parlament zu entmachten.
Was ist das Kriegsrecht?
Das Kriegsrecht ist eine außergewöhnliche Maßnahme, bei der die Regierung die Kontrolle über die normale Rechtsprechung an das Militär übergibt. Es wird in der Regel bei Krieg, Invasion oder schweren inneren Unruhen ausgerufen und schränkt bürgerliche Freiheiten erheblich ein.
Wie lange war Yoon Suk-yeol Präsident von Südkorea?
Yoon Suk-yeol war vom 10. Mai 2022 bis zu seiner Amtsenthebung, die im April 2025 vom Verfassungsgericht bestätigt wurde, Präsident von Südkorea. Seine Präsidentschaft endete also vorzeitig.
Hatte die Staatsanwaltschaft die Todesstrafe gefordert?
Ja, die Staatsanwaltschaft hatte im Prozess gegen Yoon Suk-yeol die Todesstrafe gefordert. Das Gericht entschied sich jedoch für eine lebenslange Haftstrafe. In Südkorea gibt es de facto ein Moratorium für die Todesstrafe. Mehr Informationen dazu bietet die Wikipedia-Seite zu Yoon Suk-yeol.
Wer ist der aktuelle Präsident von Südkorea?
Nach der Amtsenthebung von Yoon und einer Neuwahl wurde Lee Jae-myung, der frühere Oppositionsführer, zum neuen Präsidenten von Südkorea gewählt. Er trat sein Amt im Sommer 2025 an.
Fazit: Ein Urteil mit historischer Tragweite
Die Verurteilung von Yoon Suk-yeol zu lebenslanger Haft ist mehr als nur das Ende einer politischen Karriere. Sie ist ein starkes Signal für die Widerstandsfähigkeit der südkoreanischen Demokratie und ein klares Zeichen, dass auch die höchsten Amtsträger für verfassungswidriges Handeln zur Rechenschaft gezogen werden. Der Fall wird die politische Landschaft des Landes noch lange prägen und dient als Mahnung vor den Gefahren des Machtmissbrauchs. Während Yoon Suk-yeol nun eine lange Haftstrafe antritt, muss das Land die durch seine actions verursachten tiefen gesellschaftlichen und politischen Wunden heilen.
Über den Autor:
Maximilian Weber ist unser Experte für internationale Politik und geopolitische Analysen. Mit jahrelanger Erfahrung als Auslandskorrespondent in Asien verfolgt er die Entwicklungen auf der koreanischen Halbinsel genau und liefert fundierte Einblicke in komplexe politische Zusammenhänge.
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Paukenschlag in Südkorea! Ex-Präsident Yoon Suk-yeol muss lebenslang ins Gefängnis. Was genau ist im Dezember 2024 passiert, als er das Kriegsrecht ausrief? Wir haben alle Fakten zum Urteil und den Hintergründen zusammengefasst. Was meint ihr zu dieser Entscheidung? #YoonUrteil #SüdkoreaNews #Weltpolitik