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Die Mehrwertsteuer ist eine der wichtigsten Einnahmequellen des deutschen Staates und betrifft uns alle täglich beim Einkauf. Stand 17.02.2026 gibt es wichtige Regelungen und eine bedeutende Änderung, die besonders die Gastronomie betrifft. Dieser umfassende Guide erklärt die aktuellen Sätze, die Funktionsweise des Systems mit Umsatzsteuer und Vorsteuerabzug und was die jüngsten Beschlüsse für Verbraucher und Unternehmer bedeuten.
Das Wichtigste in Kürze
- Regelsatz: Der reguläre Mehrwertsteuersatz in Deutschland beträgt auch 2026 weiterhin 19 %.
- Ermäßigter Satz: Für Güter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel oder Bücher gilt der ermäßigte Satz von 7 %.
- Änderung Gastronomie: Seit dem 1. Januar 2026 gilt für Speisen in Restaurants dauerhaft der ermäßigte Satz von 7 %, für Getränke bleiben es 19 %.
- Synonyme: Die Begriffe Mehrwertsteuer (MwSt.) und Umsatzsteuer (USt.) werden im allgemeinen Sprachgebrauch synonym verwendet, obwohl das Gesetz primär von der Umsatzsteuer spricht.
- Funktionsprinzip: Sie ist eine indirekte Steuer, die auf jeder Wirtschaftsstufe auf den geschaffenen Mehrwert erhoben und letztlich vom Endverbraucher getragen wird.
- Vorsteuerabzug: Unternehmen können die selbst gezahlte Mehrwertsteuer (Vorsteuer) mit der von Kunden eingenommenen Umsatzsteuer verrechnen.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist die Mehrwertsteuer? Einfach erklärt
- Aktuelle Mehrwertsteuersätze 2026 in Deutschland
- Neuerung 2026: Die Mehrwertsteuer in der Gastronomie
- Wie funktioniert das System der Mehrwertsteuer?
- Vorsteuerabzug für Unternehmen erklärt
- Sonderfall Kleinunternehmerregelung
- Fazit: Wichtige Aspekte der Mehrwertsteuer 2026
Was ist die Mehrwertsteuer? Einfach erklärt
Die Mehrwertsteuer (MwSt.), im Umsatzsteuergesetz (UStG) offiziell als Umsatzsteuer (USt.) bezeichnet, ist eine Verkehrs- und Verbrauchssteuer. Sie wird auf den Verkauf von Waren und die Erbringung von Dienstleistungen erhoben. Obwohl Unternehmen die Steuer an das Finanzamt abführen, wird sie wirtschaftlich vollständig vom Endverbraucher getragen. Folglich ist sie in fast allen Preisen, die wir täglich sehen, bereits enthalten. Eingeführt wurde das heutige System in Deutschland im Jahr 1968, um eine gerechtere Besteuerung über die gesamte Wertschöpfungskette sicherzustellen.
Der Begriff Mehrwertsteuer beschreibt das Prinzip sehr gut: Besteuert wird auf jeder Stufe der Produktion und des Handels nur der geschaffene „Mehrwert“. Ein Hersteller kauft Rohstoffe, verarbeitet sie und verkauft das fertige Produkt teurer weiter. Die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis ist der Mehrwert, auf den die Steuer anfällt. Durch den Mechanismus des Vorsteuerabzugs wird jedoch eine Doppelbesteuerung vermieden.
Aktuelle Mehrwertsteuersätze 2026 in Deutschland
Auch im Jahr 2026 gelten in Deutschland grundsätzlich zwei verschiedene Sätze für die Mehrwertsteuer. Diese Unterscheidung soll soziale Aspekte berücksichtigen, indem Produkte des Grundbedarfs geringer besteuert werden. Deshalb ist es wichtig, die beiden Sätze zu kennen.
Der Regelsatz von 19 Prozent
Der allgemeine oder reguläre Mehrwertsteuersatz beträgt 19 %. Dieser Satz gilt für die meisten Waren und Dienstleistungen, sofern sie nicht explizit für den ermäßigten Satz vorgesehen sind. Darunter fallen beispielsweise:
- Elektronikartikel und Haushaltsgeräte
- Fahrzeuge und Kraftstoffe
- Kleidung und Möbel
- Alkoholische Getränke und die meisten anderen Getränke
- Friseurdienstleistungen
Der ermäßigte Satz von 7 Prozent
Der ermäßigte Satz von 7 % soll Bürger bei den Kosten für den täglichen Lebensunterhalt entlasten. Er findet Anwendung auf eine gesetzlich definierte Liste von Gütern und Dienstleistungen. Dazu gehören unter anderem:
- Die meisten Lebensmittel (z.B. Obst, Gemüse, Fleisch, Milchprodukte)
- Bücher, Zeitungen und Zeitschriften
- Personennahverkehr
- Eintrittskarten für Kultureinrichtungen wie Theater und Museen
- Seit 2026: Speisen in der Gastronomie
Diese Aufteilung sorgt immer wieder für Diskussionen, etwa warum für manche Lebensmittel 7 %, für verwandte Produkte wie Säfte aber 19 % anfallen. Solche Abgrenzungsfragen sind ein Dauerbrenner in der Finanzpolitik.
Neuerung 2026: Die Mehrwertsteuer in der Gastronomie
Die wohl wichtigste Änderung bei der Mehrwertsteuer im Jahr 2026 betrifft die Gastronomiebranche. Nach einer temporären Senkung während der Corona-Pandemie und einer zwischenzeitlichen Rückkehr zum Regelsatz wurde eine dauerhafte Änderung beschlossen. Seit dem 1. Januar 2026 gilt für Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen, also für vor Ort verzehrte Speisen, wieder der ermäßigte Steuersatz von 7 %.
Dieser Beschluss soll die Branche stärken und die steuerliche Ungleichbehandlung zwischen Außer-Haus-Verkauf (der schon immer mit 7 % besteuert wurde) und dem Verzehr im Restaurant beenden. Allerdings gilt diese Regelung explizit nur für Speisen. Für Getränke aller Art, mit Ausnahme von Leitungswasser und bestimmten Milchmischgetränken, werden weiterhin 19 % Mehrwertsteuer fällig. Gastronomen müssen daher ihre Kassensysteme entsprechend anpassen und auf Rechnungen die Posten korrekt trennen. Wie wir bereits in unserem Artikel zum Faschingsdienstag 2026 berichtet haben, sind solche Regelungen für die Planung von Events entscheidend.
Wie funktioniert das System der Mehrwertsteuer?
Das System der Mehrwertsteuer ist als Allphasen-Nettoumsatzsteuer mit Vorsteuerabzug konzipiert. Das klingt kompliziert, ist aber im Prinzip ein logischer Kreislauf, der sicherstellt, dass die Steuerlast am Ende nur einmal anfällt – nämlich beim Endkunden.
Der Prozess lässt sich am besten an einem Beispiel verdeutlichen:
- Hersteller: Ein Möbelhersteller kauft Holz für 100 € netto. Darauf zahlt er 19 € Mehrwertsteuer (Vorsteuer) an den Holzlieferanten. Er verarbeitet das Holz zu einem Tisch und verkauft diesen für 300 € netto an einen Händler. Vom Händler vereinnahmt er 57 € Mehrwertsteuer (Umsatzsteuer). An das Finanzamt führt er die Differenz ab: 57 € – 19 € = 38 €.
- Händler: Der Händler hat 19 € Vorsteuer gezahlt. Er verkauft den Tisch für 500 € netto an einen Endkunden und nimmt 95 € Mehrwertsteuer ein. Er führt die Differenz an das Finanzamt ab: 95 € – 57 € = 38 €.
- Endkunde: Der Kunde zahlt 595 € brutto. Er trägt die gesamte Steuerlast von 95 €, kann diese aber nicht als Vorsteuer geltend machen.
Die Summe der an das Finanzamt gezahlten Beträge (38 € + 38 € + 19 € vom Holzlieferanten) ergibt exakt die 95 €, die der Endverbraucher bezahlt hat. Das System ist also für Unternehmen ein durchlaufender Posten.
Vorsteuerabzug für Unternehmen erklärt
Der Vorsteuerabzug ist das Kernstück des Mehrwertsteuersystems. Er berechtigt umsatzsteuerpflichtige Unternehmen, die ihnen in Rechnung gestellte Mehrwertsteuer von ihrer eigenen Umsatzsteuerschuld abzuziehen. Man spricht hier von der „Vorsteuer“, weil es die Steuer ist, die in einer Vorstufe der eigenen Leistungserbringung angefallen ist.
Voraussetzung für den Vorsteuerabzug ist eine ordnungsgemäße Rechnung des Lieferanten, die alle gesetzlichen Pflichtangaben enthält. Im Rahmen der regelmäßigen Umsatzsteuervoranmeldung wird die Summe der gezahlten Vorsteuer mit der Summe der eingenommenen Umsatzsteuer verrechnet. Übersteigt die eingenommene Umsatzsteuer die gezahlte Vorsteuer, muss die Differenz an das Finanzamt abgeführt werden (Zahllast). Im umgekehrten Fall, beispielsweise nach großen Investitionen, erstattet das Finanzamt den Überschuss (Vorsteuerüberhang).
Video-Empfehlung: Um die Grundlagen der Mehrwertsteuer visuell zu verstehen, empfehlen wir das Erklärvideo von „Steuern mit Kopf“ auf YouTube. Es fasst die wichtigsten Prinzipien anschaulich zusammen.
Sonderfall Kleinunternehmerregelung
Nicht jeder Unternehmer muss die Mehrwertsteuer ausweisen. Die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG stellt eine Vereinfachung dar. Unternehmer, deren Umsatz im vorangegangenen Jahr unter 25.000 Euro lag und im laufenden Jahr voraussichtlich 100.000 Euro nicht übersteigen wird (Stand 2026), können diese Regelung in Anspruch nehmen.
Kleinunternehmer erheben keine Umsatzsteuer und führen dementsprechend auch keine an das Finanzamt ab. Dies reduziert den bürokratischen Aufwand erheblich. Der Nachteil ist jedoch, dass sie im Gegenzug auch keinen Vorsteuerabzug geltend machen können. Die gezahlte Mehrwertsteuer auf betriebliche Einkäufe wird für sie zu einem echten Kostenfaktor. Die Regelung ist daher vor allem für Gründer und Selbstständige vorteilhaft, die hauptsächlich an Privatkunden verkaufen und geringe Betriebsausgaben haben. Diese Vereinfachung kann auch für Betreiber kleinerer Projekte relevant sein, wie wir es im Kontext von Non-Fungible Tokens sehen.
Tabelle: Mehrwertsteuersätze für ausgewählte Produkte 2026
| Produkt / Dienstleistung | Mehrwertsteuersatz 2026 |
|---|---|
| Apfel | 7 % |
| Apfelsaft | 19 % |
| Buch | 7 % |
| E-Book | 7 % |
| Speisen im Restaurant | 7 % |
| Cola im Restaurant | 19 % |
| Fahrkarte für den Nahverkehr | 7 % |
| Taxi-Fahrt (über 50km) | 19 % |
Fazit: Wichtige Aspekte der Mehrwertsteuer 2026
Die Mehrwertsteuer bleibt auch 2026 eine zentrale Säule des deutschen Steuersystems. Die grundlegenden Sätze von 19 % und 7 % haben Bestand. Die wichtigste Neuerung ist die dauerhafte Absenkung des Satzes für Speisen in der Gastronomie auf 7 %, was für eine Angleichung und Entlastung in der Branche sorgt. Für Unternehmer ist das Verständnis des Vorsteuerabzugs essenziell für die Liquiditätsplanung, während die Kleinunternehmerregelung eine wertvolle Option für Gründer bleibt. Letztlich tragen die Endverbraucher die Last dieser Steuer, weshalb ihre Höhe und Ausgestaltung immer ein Thema von öffentlichem Interesse bleiben wird.
Externe Trustlinks:
- Informationen zur Umsatzsteuer vom Bundesfinanzministerium (dofollow)
- Einfache Erklärung der Mehrwertsteuer von der Bundeszentrale für politische Bildung (nofollow)