Ein deutsches Startup hat mit dem erfolgreichen Test einer Hyperschallrakete für Aufsehen gesorgt. Der privat finanzierte Prototyp erreichte bei seinem Testflug Geschwindigkeiten von rund 7400 km/h. Dies markiert einen bedeutenden Schritt für die europäische Rüstungsindustrie und könnte die strategische Position Europas im Bereich der Verteidigungstechnologie stärken.

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Kernpunkte
- Das deutsch-britische Startup Hypersonica hat erfolgreich eine Hyperschallrakete getestet.
- Der Prototyp erreichte eine Geschwindigkeit von 7400 km/h.
- Die Entwicklungszeit betrug nur neun Monate.
- Das Projekt zielt darauf ab, Europa mit Hyperschall-Deep-Strike-Fähigkeiten auszustatten.
| Unternehmen: | Hypersonica GmbH |
|---|---|
| Branche: | Rüstungstechnologie, Luft- und Raumfahrt |
| Gründung: | 2023 |
| Standorte: | München und London |
| Finanzierung: | Private Investoren, SPRIND, General Catalyst |
Ein Wettlauf um die Hyperschalltechnologie
Die Entwicklung und der Stern berichtete zuerst über den erfolgreichen Hyperschallrakete Test durch das deutsch-britische Startup Hypersonica katapultiert das Unternehmen in einen globalen Wettlauf um die Vorherrschaft in der Hyperschalltechnologie. Bisher dominieren vor allem die USA, Russland und China diesen Bereich. Der erfolgreiche Testflug der Rakete, die vom norwegischen Startplatz Andøya abhob und eine Geschwindigkeit von Mach 6 erreichte, unterstreicht das Potenzial Europas, in diesem strategisch wichtigen Feld eine bedeutende Rolle zu spielen. Die vergleichsweise kurze Entwicklungszeit von nur neun Monaten deutet auf eine hohe Innovationskraft und Effizienz des Unternehmens hin.
Hypersonica wurde 2023 von Philipp Kerth und Marc Ewenz gegründet, beide promovierte Physiker mit Spezialisierung auf Luft- und Raumfahrt. Das Unternehmen hat seinen Sitz in München und London und wird von privaten Investoren der Plural-Gruppe sowie von der deutschen Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND) und General Catalyst finanziert. Die Finanzierung durch SPRIND, einer staatlichen Agentur, die disruptive Innovationen fördert, zeigt die strategische Bedeutung, die der deutschen Regierung diesem Projekt beimisst.
Hyperschallwaffen sind Raketen oder Flugkörper, die mit mehr als fünffacher Schallgeschwindigkeit (Mach 5) fliegen können. Ihre hohe Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit machen sie schwer abzufangen und stellen eine Herausforderung für bestehende Raketenabwehrsysteme dar.
Wie funktioniert die Hyperschalltechnologie?
Hyperschallflugkörper erreichen Geschwindigkeiten von Mach 5 und darüber, was etwa 6.174 km/h entspricht. Diese extremen Geschwindigkeiten werden durch spezielle Antriebssysteme und aerodynamische Designs ermöglicht. Im Gegensatz zu ballistischen Raketen, die eine ballistische Flugbahn verfolgen, sind Hyperschallwaffen in der Lage, während des Fluges zu manövrieren, was ihre Abwehr zusätzlich erschwert. Es gibt zwei Haupttypen von Hyperschallwaffen: Hyperschall-Gleitflugkörper (Hypersonic Glide Vehicles, HGVs) und Hyperschall-Marschflugkörper (Hypersonic Cruise Missiles, HCMs).
HGVs werden von einer Trägerrakete auf eine hohe Geschwindigkeit gebracht und gleiten dann mit hoher Geschwindigkeit zur Erde, wobei sie ihre Flugbahn ändern können. HCMs hingegen werden von einem Staustrahltriebwerk (Scramjet) angetrieben, das es ihnen ermöglicht, über längere Strecken mit Hyperschallgeschwindigkeit zu fliegen. Die Entwicklung von Hyperschallwaffen stellt eine technologische Herausforderung dar, da die extremen Geschwindigkeiten zu erheblicher Hitzeentwicklung und aerodynamischen Belastungen führen. (Lesen Sie auch: Lindsey Vonn Genesung: Erster Hoffnungsschimmer nach Sturz)
Ein wesentlicher Vorteil von Hyperschallwaffen liegt in ihrer Fähigkeit, bestehende Raketenabwehrsysteme zu durchdringen. Aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit können sie nur schwer verfolgt und abgefangen werden. Dies macht sie zu einem potenziell game-changing Faktor in der modernen Kriegsführung.
Die «Musk-Methode»: Wie Hypersonica Kosten spart
Ein Schlüsselfaktor für die schnelle Entwicklung und die vergleichsweise geringen Kosten des Hypersonica-Projekts ist die sogenannte «Musk-Methode». Die Gründer orientierten sich an der Vorgehensweise von Elon Musks SpaceX, die auf agilen Entwicklungsprozessen, modularer Bauweise und dem Einsatz kommerziell verfügbarer Technologien basiert. Durch die konsequente Anwendung dieser Prinzipien konnten Hypersonica nach eigenen Angaben 80 bis 90 Prozent der üblichen Entwicklungskosten einsparen.
Die modulare Bauweise der Rakete ermöglicht es, einzelne Komponenten schnell auszutauschen und zu verbessern. Dies beschleunigt den Entwicklungsprozess und reduziert das Risiko von kostspieligen Fehlentwicklungen. Der Einsatz kommerziell verfügbarer Technologien trägt ebenfalls zur Kostensenkung bei, da auf teure Spezialanfertigungen verzichtet werden kann. Die agile Entwicklung ermöglicht es dem Team, schnell auf neue Erkenntnisse und Herausforderungen zu reagieren und den Entwicklungsprozess kontinuierlich zu optimieren.
Dieser Ansatz steht im Gegensatz zu traditionellen Rüstungsprojekten, die oft von langen Entwicklungszeiten, hohen Kosten und komplexen bürokratischen Prozessen geprägt sind. Hypersonica zeigt, dass es möglich ist, mit innovativen Methoden und einer schlanken Organisation auch im Hochtechnologiebereich erfolgreich zu sein.
Der globale Markt für Hyperschallwaffen wird auf mehrere Milliarden US-Dollar geschätzt und soll in den kommenden Jahren erheblich wachsen. Haupttreiber dieses Wachstums sind die zunehmenden geopolitischen Spannungen und das Bestreben verschiedener Länder, ihre militärischen Fähigkeiten zu verbessern.
Europäische Souveränität und die Rolle der Verteidigungsindustrie
Ein zentrales Ziel von Hypersonica ist es, Europa mit sogenannten Hyperschall-Deep-Strike-Fähigkeiten auszustatten. Dies bedeutet, dass Europa in der Lage sein soll, Ziele in großer Entfernung mit schwer abfangbaren Raketen anzugreifen. Die Gründer betonen die Bedeutung europäischer Souveränität im Verteidigungsbereich und streben eine vollständige Wertschöpfungskette mit europäischen Partnern an, ohne Beteiligung der USA. (Lesen Sie auch: Samsung Galaxy S26: 100 Euro Rabatt bei…)
Philipp Kerth formulierte in einer Pressemitteilung das Ziel des Unternehmens recht deutlich: «Europa befindet sich an einem entscheidenden Punkt, an dem schnelle Innovationen im Verteidigungsbereich nicht mehr optional, sondern unverzichtbar sind. Wir wollen Europa mit dem nötigen technologischen Vorsprung ausstatten, um sich mit manövrierfähigen Hyperschallsystemen gegen militärische Aggressionen zu verteidigen und die demokratischen Werte zu schützen, die unsere Gesellschaften verbinden.»
Die Standorte des Unternehmens in Deutschland und Großbritannien spiegeln die europäische Ausrichtung wider. Die Zusammenarbeit mit britischen Partnern ist trotz des Brexit weiterhin von großer Bedeutung, da Großbritannien über eine lange Tradition und Expertise im Bereich der Luft- und Raumfahrt verfügt.
Was bedeutet das für die europäische Verteidigungsindustrie?
Der erfolgreiche Hyperschallrakete Test von Hypersonica könnte weitreichende Folgen für die europäische Verteidigungsindustrie haben. Er zeigt, dass europäische Unternehmen in der Lage sind, in einem technologisch anspruchsvollen Bereich wie der Hyperschalltechnologie mit den globalen Marktführern zu konkurrieren. Dies könnte zu einer Stärkung der europäischen Verteidigungsindustrie und zu einer größeren Unabhängigkeit von den USA führen.
Allerdings gibt es auch kritische Stimmen. Einige Experten warnen vor einem neuen Wettrüsten im Bereich der Hyperschallwaffen und fordern internationale Abkommen zur Begrenzung dieser Technologien. Zudem gibt es Bedenken hinsichtlich der hohen Kosten und der potenziellen Auswirkungen auf die globale Stabilität.

„Der erfolgreiche Test ist ein wichtiger Schritt für die europäische Verteidigungsindustrie. Es zeigt, dass wir in der Lage sind, innovative Technologien zu entwickeln und unsere strategische Autonomie zu stärken“, sagt Jan-Erik Petersen, Ökonom beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). „Allerdings müssen wir auch die ethischen und sicherheitspolitischen Aspekte dieser Technologien berücksichtigen und internationale Kooperationen suchen, um ein Wettrüsten zu vermeiden.“
Das Startup wird von Philipp Kerth und Marc Ewenz in München und London gegründet. (Lesen Sie auch: Stromverbrauch Ladegerät: So Viel kostet es Wirklich…)
Die Hyperschallrakete erreicht eine Geschwindigkeit von Mach 6 bei einem Testflug in Norwegen.
Was ist eine Hyperschallrakete?
Welche Unternehmen sind an der Entwicklung von Hyperschalltechnologie beteiligt?
Neben Hypersonica sind vor allem Unternehmen und staatliche Institutionen in den USA, Russland und China an der Entwicklung von Hyperschalltechnologie beteiligt. Dazu gehören beispielsweise Lockheed Martin, Boeing und die jeweiligen nationalen Verteidigungsministerien.
Welche Risiken birgt die Entwicklung von Hyperschallwaffen?
Die Entwicklung von Hyperschallwaffen birgt das Risiko eines neuen Wettrüstens und könnte die globale Stabilität gefährden. Zudem stellen die hohen Kosten und die potenziellen Auswirkungen auf die Umwelt weitere Herausforderungen dar.
Wie schnell war die von Hypersonica getestete Rakete?
Die von Hypersonica getestete Hyperschallrakete erreichte bei ihrem Testflug eine Geschwindigkeit von rund 7400 km/h, was etwa Mach 6 entspricht. Die Rakete hob vom norwegischen Startplatz Andøya ab. (Lesen Sie auch: Mobiles Internet 5G: Welcher Router ist der…)
Wer finanziert das Startup Hypersonica?
Hypersonica wird von privaten Investoren der Plural-Gruppe sowie von der deutschen Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND) und General Catalyst finanziert. Die Gründer sind Philipp Kerth und Marc Ewenz.
Der erfolgreiche Hyperschallrakete Test durch Hypersonica markiert einen Wendepunkt für die europäische Rüstungsindustrie. Ob dieses Ereignis tatsächlich zu einer Stärkung der europäischen Verteidigungspolitik führt, bleibt abzuwarten. Die technologische Innovation könnte jedoch einen entscheidenden Beitrag zur strategischen Autonomie Europas leisten.




