Bodycams für die Bahn sollen die Sicherheit der Mitarbeitenden erhöhen. Nach einem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter plant die Deutsche Bahn, bundesweit mehr Bodycams für ihr Personal einzusetzen. Diese Maßnahme ist Teil eines umfassenden Sicherheitskonzeptes, das auf einem Sicherheitsgipfel in Berlin vorgestellt wurde.

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Auf einen Blick
- Bahn plant flächendeckenden Einsatz von Bodycams für Mitarbeiter mit Kundenkontakt.
- Sicherheitsgipfel in Berlin nach tödlichem Angriff auf Zugbegleiter.
- Gewerkschaft EVG fordert seit längerem den Einsatz von Bodycams.
- Im vergangenen Jahr gab es rund 3.000 körperliche Übergriffe auf Bahnmitarbeiter.
Bahn setzt auf Bodycams zur Erhöhung der Sicherheit
Die Deutsche Bahn reagiert auf die zunehmende Gewalt gegen ihre Mitarbeiter mit einem verstärkten Einsatz von Bodycams. Bahnchefin Evelyn Palla kündigte an, dass noch in diesem Jahr alle Bahnbeschäftigten mit Kundenkontakt, sowohl im Fernverkehr als auch an den Bahnhöfen, auf freiwilliger Basis mit Bodycams ausgestattet werden sollen. Dies ist eine der Sofortmaßnahmen, die auf einem von ihr einberufenen Sicherheitsgipfel in Berlin vorgestellt wurden. Wie Stern berichtet, nehmen an dem Sicherheitsgipfel Vertreter von Bund und Ländern sowie Gewerkschaften, Verbänden und den Aufgabenträgern für den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) teil.
Wie funktionieren Bodycams im Einsatz?
Bodycams sind kleine Kameras, die am Körper getragen werden und Video- sowie Audioaufnahmen erstellen können. Im Einsatz werden sie in der Regel gut sichtbar getragen. Die Aufzeichnung beginnt erst, wenn eine konkrete Gefahrensituation eintritt und der Mitarbeiter die Aufnahme manuell startet. Dies soll sicherstellen, dass die Privatsphäre der Fahrgäste gewahrt bleibt und die Aufnahmen nur im Falle von tatsächlichen Übergriffen oder Bedrohungen entstehen. (Lesen Sie auch: Sicherheit Bahn: Gipfel plant Maßnahmen nach Tödlichem…)
Der Einsatz von Bodycams ist rechtlich umstritten, da er in die Persönlichkeitsrechte der Gefilmten eingreift. Daher ist es wichtig, klare Regeln für den Einsatz und die Speicherung der Aufnahmen festzulegen. Diese Regeln müssen den Datenschutzbestimmungen entsprechen und sicherstellen, dass die Aufnahmen nur für die Aufklärung von Straftaten verwendet werden.
Der tödliche Angriff als Auslöser für den Sicherheitsgipfel
Der Sicherheitsgipfel wurde nach dem tödlichen Angriff auf einen 36 Jahre alten Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz einberufen. Der Fall sorgte bundesweit für großes Entsetzen und verdeutlichte die Gefahren, denen Bahnmitarbeiter im Dienst ausgesetzt sind. Der Zugbegleiter wurde von einem Fahrgast angegriffen, der kein gültiges Ticket besaß und des Zuges verwiesen werden sollte. Dabei erlitt der 36-Jährige so schwere Kopfverletzungen, dass er im Krankenhaus verstarb. Der mutmaßliche Angreifer, ein 26 Jahre alter Grieche, befindet sich in Untersuchungshaft.
Welche weiteren Maßnahmen werden diskutiert?
Neben dem Einsatz von Bodycams werden auf dem Sicherheitsgipfel auch weitere Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit der Bahnmitarbeiter diskutiert. Dazu gehören beispielsweise eine bessere Schulung der Mitarbeiter im Umgang mit schwierigen Fahrgästen, eine verstärkte Präsenz von Sicherheitskräften an Bahnhöfen und in Zügen sowie eine verbesserte Zusammenarbeit mit der Polizei. Auch die Forderung nach Doppelbesetzungen in Regionalzügen steht im Raum. (Lesen Sie auch: Sicherheitsgipfel Bahn: Plant Krisentreffen nach Angriff)
Forderungen der Gewerkschaft EVG nach mehr Sicherheit
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) begrüßt die geplante Einführung von Bodycams, fordert aber gleichzeitig weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit der Bahnmitarbeiter. Die EVG dringt darauf, dass künftig flächendeckend stets zwei Zugbegleiter in den Regionalzügen Tickets kontrollieren, anstatt wie bisher oft nur einer. Dies soll nicht nur die Sicherheit erhöhen, sondern auch die Arbeitsbelastung der einzelnen Mitarbeiter reduzieren.
Laut Angaben der Bahn kam es im vergangenen Jahr zu insgesamt rund 3.000 körperlichen Übergriffen auf Beschäftigte des eigenen Konzerns. Obwohl dies ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr darstellt, hat sich das Sicherheitsgefühl innerhalb der Belegschaft deutlich verschlechtert, wie die EVG betont. Eine eigene Umfrage unter rund 4.000 Mitarbeitenden habe dies bestätigt.
Was bedeutet das für Bürger?
Die Einführung von Bodycams bei der Bahn soll in erster Linie die Sicherheit der Mitarbeiter erhöhen. Dies kann sich aber auch positiv auf die Fahrgäste auswirken, da ein sicheres Arbeitsumfeld der Bahnmitarbeiter indirekt auch zu einem angenehmeren Reiseerlebnis für die Fahrgäste beiträgt. Zudem könnten die Aufnahmen der Bodycams im Falle von Straftaten oder Auseinandersetzungen dazu beitragen, die Täter schneller zu identifizieren und zu überführen. (Lesen Sie auch: Bodycams Bahn: Mehr Sicherheit für Bahnbeschäftigte Geplant)
Wie werden die Daten der Bodycams geschützt?
Der Datenschutz ist ein wichtiger Aspekt beim Einsatz von Bodycams. Die Bahn muss sicherstellen, dass die Aufnahmen nur im Falle von konkreten Vorfällen gespeichert und ausgewertet werden. Zudem müssen die Daten vor unbefugtem Zugriff geschützt werden. Die Aufnahmen dürfen nur an die Strafverfolgungsbehörden weitergegeben werden, wenn dies zur Aufklärung von Straftaten erforderlich ist. Es ist zu erwarten, dass die Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder die Einhaltung dieser Vorgaben genau überwachen werden. Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) wird hier eine zentrale Rolle spielen.

Politische Perspektiven auf den Bodycam-Einsatz
Der verstärkte Einsatz von Bodycams bei der Bahn wird von den Regierungsparteien grundsätzlich begrüßt. Sie sehen darin ein geeignetes Mittel, um die Sicherheit der Bahnmitarbeiter zu erhöhen und Gewalt vorzubeugen. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, insbesondere von den Oppositionsparteien. Diese warnen vor einem möglichen Überwachungsstaat und fordern eine umfassende Debatte über die Auswirkungen des Bodycam-Einsatzes auf die Privatsphäre der Bürger. Es wird argumentiert, dass der Einsatz von Bodycams nur eine kurzfristige Lösung sei und die Ursachen der Gewalt, wie beispielsweise soziale Ungleichheit und Perspektivlosigkeit, bekämpft werden müssten.
Die Deutsche Bahn plant, die Erfahrungen mit dem Bodycam-Einsatz in einem Pilotprojekt zu sammeln und die Ergebnisse anschließend auszuwerten. Auf dieser Grundlage soll dann entschieden werden, ob und in welcher Form der Bodycam-Einsatz dauerhaft ausgeweitet wird. Die Gewerkschaften werden in diesen Prozess eng eingebunden. (Lesen Sie auch: Zugbegleiter Sicherheit: Bahn plant Mehr Schutz nach…)
Die Einführung von Bodycams bei der Bahn ist ein wichtiger Schritt zur Erhöhung der Sicherheit der Mitarbeiter. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob diese Maßnahme tatsächlich zu einer Reduzierung der Gewalt führen wird. Entscheidend wird sein, dass der Bodycam-Einsatz von weiteren Maßnahmen begleitet wird, die auf eine Verbesserung des Arbeitsumfelds und eine Stärkung des Sicherheitsgefühls der Bahnmitarbeiter abzielen. Die Diskussion um den Einsatz von bodycams bahn wird sicherlich weitergehen und die Balance zwischen Sicherheit und Privatsphäre in den Fokus rücken.



