Herbert Reul gerät Anfang Februar 2026 zunehmend unter Druck. Der nordrhein-westfälische Innenminister steht wegen hausinterner Anzeigen im Zusammenhang mit Polizeiimmobilien im Fokus von Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf prüft den Fall, während die Opposition scharfe Kritik übt. Der CDU-Politiker, der seit 2017 im Amt ist, wehrt sich gegen die Vorwürfe und betont seine Problemlösungskompetenz.
Das Wichtigste in Kürze
- Ermittlungen: Gegen Herbert Reul laufen hausinterne Anzeigen wegen eines Immobilienvorgangs in Wuppertal. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf prüft einen möglichen Anfangsverdacht.
- Vorwurf: Es geht um die Frage, ob Reul sich bei Verhandlungen über Sanierungskosten für eine Polizeiliegenschaft unzulässig eingemischt und möglicherweise Steuergeld verschwendet hat.
- Kostendebatte: Die Jahresmiete für die Wuppertaler Polizeiräume soll nach der Sanierung von vier auf fast 30 Millionen Euro steigen – ein juristisches Gutachten hält maximal 173 Millionen Euro Gesamtkosten für vertretbar.
- Reuls Reaktion: Der Innenminister gibt zu, sich persönlich in die Verhandlungen eingebracht zu haben, und schließt Fehler nicht aus. Er will zunächst die rechtlichen Prüfungen abwarten.
- Politischer Kontext: Herbert Reul ist seit dem 30. Juni 2017 NRW-Innenminister und gilt als profilierter Innenpolitiker mit Schwerpunkten wie Clankriminalität-Bekämpfung und Polizeiausbau.
Wer ist Herbert Reul? Politische Karriere und Werdegang
Herbert Reul wurde am 31. August 1952 in Langenfeld im Rheinland geboren und ist verheiratet sowie Vater von drei Kindern. Nach seinem Studium der Sozial- und Erziehungswissenschaften in Köln arbeitete er zunächst als Lehrer. Seine politische Karriere begann 1985 im nordrhein-westfälischen Landtag, dem er bis 2004 angehörte. Von 1991 bis 2003 war er Generalsekretär der CDU Nordrhein-Westfalen – länger als alle seine Vorgänger und Nachfolger.
Von 2004 bis 2017 vertrat Herbert Reul die CDU im Europäischen Parlament, wo er unter anderem den Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie leitete. Seit dem 30. Juni 2017 ist er der 16. Minister des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen und damit für die Sicherheit von rund 18 Millionen Menschen verantwortlich. Er wurde 2022 erneut vereidigt und arbeitet im schwarz-grünen Kabinett unter Ministerpräsident Hendrik Wüst.
Aktuelle Ermittlungen: Der Wuppertal-Skandal im Detail
Der Auslöser für die aktuellen Probleme von Herbert Reul liegt in Verhandlungen über die Sanierung der Polizeiliegenschaft an der Müngstener Straße in Wuppertal. Das Gelände wird vom landeseigenen Bau- und Liegenschaftsbetrieb Nordrhein-Westfalen (BLB) vermietet und gilt seit Jahren als marode. Nach Recherchen des WDR-Magazins Westpol wurden gegen den Innenminister hausinterne Anzeigen eingereicht, die nun von der Innenrevision und der Staatsanwaltschaft Düsseldorf geprüft werden.
Im Kern geht es um die Frage, ob sich Herbert Reul unzulässig in Verhandlungen eingemischt hat. Derzeit zahlt das Land etwa vier Millionen Euro Jahresmiete an den BLB. Nach einer geplanten Modernisierung soll dieser Betrag auf knapp 30 Millionen Euro pro Jahr steigen. Mitarbeiter im Innenministerium kritisieren diesen Vorstoß heftig und verweisen auf ein juristisches Gutachten, das Sanierungskosten von höchstens 173 Millionen Euro für vertretbar hält. Der Vorwurf lautet auf mögliche Untreue zulasten der Polizei und der Steuerzahler.
Reuls Verteidigung: Persönliches Engagement oder Fehlverhalten?
Herbert Reul räumte im Interview mit Westpol ein, sich bewusst persönlich in die Verhandlungen eingebracht zu haben. Gemeinsam mit Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU) habe er versucht, den Konflikt durch eine Absichtserklärung zu lösen. «Dann haben der Finanzminister und ich entschieden, dass wir einen neuen Weg wählen», erklärte Reul. Er gab zu, dass man «nie ausschließen» könne, dabei Fehler zu machen. Die Frage, ob rechtlich relevante Verfahrensfehler vorlägen, müsse nun geprüft werden.
FDP-Fraktionschef Henning Höne sprach von «sehr ernsten Vorwürfen» und kritisierte einen intransparenten Geldkreislauf zwischen Finanzministerium und BLB. Der Landtag habe über den BLB keine unmittelbare Haushaltskontrolle, da dieser als Sondervermögen organisiert sei. Auch der Bund der Steuerzahler sieht strukturelle Probleme in der Verwaltungspraxis.
Herbert Reuls Politik: Schwerpunkte und Erfolge als Innenminister
Trotz der aktuellen Kontroversen gilt Herbert Reul als profilierter Innenpolitiker mit klaren Schwerpunkten. Seit seinem Amtsantritt 2017 steht er für harte Hand gegen organisierte Kriminalität, insbesondere im Kampf gegen Clankriminalität. Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen hat 2024 rund 6.700 Straftaten von kriminellen Clanmitgliedern registriert. Reul hat zudem das Polizeigesetz reformiert, für bessere Ausstattung der Polizei gesorgt und einen deutlichen Stellenzuwachs erreicht.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit ist der entschlossene Kampf gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie. Im Februar 2026 äußerte sich Herbert Reul zum Fall des getöteten 14-jährigen Yosef aus Dormagen und forderte eine Debatte über Sanktionen für straffällige Jugendliche. Bereits im Januar hatte er eine Absenkung der Strafmündigkeit auf zwölf Jahre zur Diskussion gestellt. «Wenn wir ehrlich sind, sind Zwölfjährige heute nicht mehr so, wie sie vor 20 Jahren waren», argumentierte der Innenminister.
Messergewalt und neue Sicherheitskonzepte
Im August 2024 stellte Herbert Reul ein umfassendes Lagebild zur Messergewalt in Nordrhein-Westfalen vor. Rund 3.500 Taten wurden 2023 mit dem Tatmittel Messer begangen. «Erst der Mensch, der es in der Hand hat, macht aus dem Messer eine Waffe», betonte Reul bei der Präsentation. Die Auswertung zeige, dass Messergewalt «jung und männlich» sei. Um diese schrecklichen Angriffe zu verhindern, hat das Innenministerium ein Bekämpfungskonzept entwickelt, das individuell an örtliche Gegebenheiten angepasst werden kann.
Politische Reaktionen und Rücktrittsforderungen in der Vergangenheit
Herbert Reul ist nicht zum ersten Mal mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Im Missbrauchsskandal von Lügde 2019 forderte die SPD-Opposition seinen Rücktritt, weil Polizei-Pannen die Ermittlungen behindert hatten. Reul überstand diese Krise, indem er Transparenz versprach und strukturelle Defizite aufarbeiten ließ. Auch bei den Einsätzen gegen Besetzer des Hambacher Forsts bewies er eine klare, wenn auch umstrittene Position. «Es müssen sich alle an die Regeln halten, sonst funktioniert das Zusammenleben nicht», lautet einer seiner Grundsätze.
Der leidenschaftliche Karnevalist aus Leichlingen gilt als leutselig und volksnah. Er lebt gemeinsam mit seiner Frau weiterhin in seiner Heimatstadt und ist mittlerweile Großvater. Seine drei erwachsenen Töchter sind längst aus dem Haus. Politische Beobachter beschreiben Herbert Reul als erfahrenen Politprofi, der auch in schwierigen Situationen gelassen bleibt.
Tabelle: Herbert Reul – Wichtige Stationen und Daten
| Datum/Zeitraum | Ereignis/Position |
|---|---|
| 31. August 1952 | Geboren in Langenfeld, Rheinland |
| 1985-2004 | Mitglied des NRW-Landtags |
| 1991-2003 | Generalsekretär der CDU Nordrhein-Westfalen |
| 2004-2017 | Mitglied des Europäischen Parlaments |
| Seit 30. Juni 2017 | Minister des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen |
| 29. Juni 2022 | Erneute Vereidigung als NRW-Innenminister |
| Februar 2026 | Hausinterne Anzeigen und Ermittlungen wegen Wuppertal-Immobilienvorgangs |
Häufig gestellte Fragen zu Herbert Reul
Wer ist Herbert Reul und welche Funktion hat er?
Herbert Reul ist seit dem 30. Juni 2017 der Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen. Der CDU-Politiker ist für die Sicherheit im bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands verantwortlich und gilt als Verfechter einer Null-Toleranz-Politik gegen Kriminalität.
Warum ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Herbert Reul?
Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf prüft einen möglichen Anfangsverdacht wegen eines Immobilienvorgangs in Wuppertal. Es geht um die Frage, ob sich Herbert Reul unzulässig in Verhandlungen über Sanierungskosten für eine Polizeiliegenschaft eingemischt hat und ob dies zulasten der Steuerzahler geht.
Wie hoch sind die umstrittenen Kosten im Wuppertal-Fall?
Die Jahresmiete für die Wuppertaler Polizeigebäude soll nach der Sanierung von derzeit vier Millionen Euro auf knapp 30 Millionen Euro steigen. Ein juristisches Gutachten hält maximal 173 Millionen Euro Gesamtkosten für vertretbar, was deutlich unter den geplanten 650 Millionen Euro liegt.
Was sind die Schwerpunkte von Herbert Reuls Innenpolitik?
Herbert Reul setzt auf den Kampf gegen Clankriminalität, entschlossenes Vorgehen gegen Kindesmissbrauch, die Bekämpfung von Messergewalt und eine bessere Ausstattung der Polizei. Er hat das Polizeigesetz reformiert und für einen deutlichen Stellenzuwachs bei den Sicherheitsbehörden gesorgt.
Hat Herbert Reul früher schon mit Rücktrittsforderungen zu kämpfen gehabt?
Ja, im Missbrauchsskandal von Lügde 2019 forderte die SPD-Opposition seinen Rücktritt wegen Polizei-Pannen. Auch seine harte Linie gegen die Besetzer des Hambacher Forsts löste heftige Kritik aus. Herbert Reul überstand beide Krisen und blieb im Amt.
Wie reagiert Herbert Reul auf die aktuellen Vorwürfe?
Herbert Reul räumt ein, sich persönlich in die Verhandlungen eingebracht zu haben, und schließt Fehler nicht aus. Er betont, das Problem lösen zu wollen, und wartet die rechtlichen Prüfungen durch die Innenrevision und die Staatsanwaltschaft ab, bevor er weitere Schritte unternimmt.
Welche politische Erfahrung bringt Herbert Reul mit?
Herbert Reul verfügt über jahrzehntelange politische Erfahrung: 19 Jahre im NRW-Landtag (1985-2004), 13 Jahre im Europäischen Parlament (2004-2017) und seit 2017 als Innenminister. Er war außerdem zwölf Jahre lang Generalsekretär der CDU Nordrhein-Westfalen.
Fazit: Herbert Reul zwischen Problemlöser und politischer Krise
Herbert Reul steht im Februar 2026 vor einer der schwierigsten Phasen seiner Amtszeit als NRW-Innenminister. Die hausinternen Anzeigen und Ermittlungen wegen des Wuppertal-Immobilienvorgangs setzen den 73-jährigen CDU-Politiker erheblich unter Druck. Während die Opposition scharfe Kritik übt und strukturelle Probleme in der Verwaltungspraxis anprangert, verteidigt sich Herbert Reul mit dem Argument, Probleme aktiv lösen zu wollen – auch wenn dabei Fehler nicht auszuschließen seien.
Trotz der aktuellen Kontroversen bleibt Herbert Reul ein profilierter und erfahrener Innenpolitiker, der in den vergangenen Jahren wichtige Reformen auf den Weg gebracht und die Sicherheitsarchitektur in Nordrhein-Westfalen modernisiert hat. Ob er die aktuellen Ermittlungen unbeschadet übersteht, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Die rechtlichen Prüfungen durch die Innenrevision und die Staatsanwaltschaft Düsseldorf werden entscheidend sein für seine politische Zukunft. Fest steht: Herbert Reul ist nicht der Typ, der bei der ersten Krise das Handtuch wirft – seine lange politische Karriere hat ihm gezeigt, wie man auch schwierige Phasen übersteht.
Autor-Info: Dieser Artikel wurde von der Redaktion von Welt der Legenden recherchiert und verfasst. Alle Informationen basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen und aktuellen Medienberichten vom Februar 2026.