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Der traditionsreiche Baumaschinenhersteller Atlas aus Ganderkesee hat am 6. Februar 2026 beim Amtsgericht Delmenhorst ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das 1919 gegründete Unternehmen will sich durch eine umfassende Restrukturierung sanieren und setzt dabei auf einen internationalen Investorenprozess. Rund 400 Beschäftigte sind betroffen, ihre Löhne bleiben bis April 2026 durch Insolvenzgeld gesichert.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Insolvenzgericht ordnete mit Beschluss vom 6. Februar 2026 die vorläufige Eigenverwaltung für Atlas an
- Die rund 400 betroffenen Beschäftigten haben ihre Löhne und Gehälter über das Insolvenzgeld bis einschließlich April 2026 gesichert
- Eine seit Längerem andauernde Marktschwäche in der Baumaschinen- und Bauwirtschaft führte zu deutlich rückläufigen Auftragseingängen
- Der Geschäftsbetrieb wird fortgeführt. Produktion, Ersatzteilservice und Kundendienst laufen planmäßig weiter
- Die Restrukturierung wird von der Geschäftsführung und Sanierungsexperten umgesetzt; parallel startet ein strukturierter internationaler Investorenprozess
- Atlas ist ein seit 1919 bestehendes Traditionsunternehmen für Mobil- und Raupenbagger sowie Ladekrane mit zuletzt rund 150 Millionen Euro Umsatz
- Weitere Gesellschaften der Firmengruppe – Atlas Spare Parts GmbH, Atlas FF GmbH & Co. KG, Atlas Group Services GmbH und Atlas Kompakt GmbH – sind ebenfalls betroffen
Was ist beim Atlas Insolvenzverfahren passiert?
Am 9. Februar 2026 wurde bekannt, dass der Baumaschinenhersteller Atlas-Gruppe ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestartet hat. Dieser Schritt markiert einen dramatischen Wendepunkt für eines der ältesten deutschen Baumaschinenunternehmen. Die Atlas GmbH mit Hauptsitz in Ganderkesee bei Delmenhorst hat nicht nur für sich selbst, sondern auch für mehrere Tochtergesellschaften Insolvenzanträge gestellt.
Das Besondere am gewählten Verfahren: Ein Eigenverwaltungsverfahren wird vom Insolvenzgericht nur angeordnet, wenn nach einer besonders sorgfältigen Prüfung belastbare Sanierungsaussichten bestehen. Dies deutet darauf hin, dass das Gericht dem Traditionsunternehmen durchaus Chancen auf eine erfolgreiche Sanierung einräumt.
Welche Unternehmensteile sind betroffen?
Neben der Atlas GmbH selbst sind auch strategisch wichtige Tochtergesellschaften vom Insolvenzverfahren erfasst. Das gesamte Firmengeflecht umfasst mehrere Standorte in Deutschland und England. Die Atlas-Gruppe betreibt Werke in Ganderkesee, Delmenhorst, Vechta und im englischen Bradford.
Die betroffenen Gesellschaften beschäftigen gemeinsam etwa 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für die Bauwirtschaft ist Atlas ein wichtiger Name – viele Bauunternehmen, die Deutsche Bahn und sogar das Technische Hilfswerk setzen auf Bagger aus den Atlas-Werken.
Warum musste Atlas Insolvenz anmelden?
Die Gründe für das Atlas Insolvenzverfahren sind vielfältig und spiegeln die schwierige Situation der gesamten Baumaschinenbranche wider. Hintergrund für die Insolvenz ist laut Atlas die Marktschwäche in der Baumaschinen- und Bauwirtschaft. In der Folge habe es weniger Aufträge und eine niedrigere Auslastung gegeben.
Strukturelle Probleme der Baumaschinenbranche
Die Baumaschinenindustrie kämpft seit Monaten mit erheblichen Herausforderungen. Bereits 2023 hatte Atlas mit Absatzproblemen zu kämpfen, zahlreiche Fahrzeuge standen damals auf Halde. Die aktuellen Probleme sind jedoch tiefer gehend.
Als Hintergrund nennt Atlas eine seit längerem andauernde Marktschwäche in der Baumaschinen- und Bauwirtschaft. Diese habe zu deutlich rückläufigen Auftragseingängen und einer niedrigeren Auslastung geführt. Hinzu kommen strukturelle Belastungen, die eine Sanierung außerhalb eines Insolvenzverfahrens unmöglich machten.
Frühere Rettungsversuche scheiterten
Das Unternehmen hatte keineswegs tatenlos zugeschaut. Bereits vor Antragstellung hatte der Konzern umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet und wurde hierbei auch durch Liquiditätsbeiträge der Gesellschafterseite unterstützt. Trotz dieser Anstrengungen sei es allerdings nicht gelungen, Liquiditätsengpässe vollständig zu vermeiden.
Für Atlas ist dies nicht die erste Krise. Bereits 2010 stand das Unternehmen kurz vor der Insolvenz, konnte damals aber durch den US-Investor Fil Filipov und Geschäftsführer Brahim Stitou gerettet werden. Filipov verstarb 2022, was möglicherweise auch zur aktuellen Situation beigetragen hat.
Wie funktioniert die Eigenverwaltung bei Atlas?
Das Eigenverwaltungsverfahren ist ein besonderes Instrument im deutschen Insolvenzrecht. Anders als bei einer Regelinsolvenz bleibt die Geschäftsführung im Amt und behält die operative Kontrolle. Die Geschäftsführung bleibe im Amt und steuere die Restrukturierung weiterhin selbst, wobei das Verfahren durch einen gerichtlich bestellten Sachwalter überwacht werde.
Wer kontrolliert das Verfahren?
Für die Überwachung und Unterstützung der Sanierung wurden erfahrene Experten berufen. Rechtsanwalt Hendrik Gittermann von der Kanzlei Reimer wurde zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Als Generalbevollmächtigte fungieren Dr. Malte Köster und Dr. Hans-Joachim Berner von der Kanzlei Kösterberner Sanierungsrecht.
Diese Experten bringen umfangreiche Erfahrung in der Unternehmenssanierung mit. Ihr Ziel ist es, die Möglichkeiten des Sanierungsrechts zu nutzen, um zukunftsfähige Strukturen zu schaffen.
Was bedeutet das Atlas Insolvenzverfahren für Mitarbeiter?
Für die etwa 400 Beschäftigten ist die Situation naturgemäß beunruhigend. Allerdings gibt es zunächst eine wichtige Entwarnung: Die finanzielle Absicherung ist kurzfristig gewährleistet. Das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit übernimmt die Lohnansprüche für einen befristeten Zeitraum.
Wie lange sind die Gehälter gesichert?
Die Geschäftsleitung hat die Belegschaft umfassend informiert. Ein zentraler Punkt dabei: Die Löhne und Gehälter sind durch das staatliche Insolvenzgeld bis einschließlich April 2026 gesichert. Dies verschafft sowohl den Mitarbeitern als auch dem Unternehmen etwas Luft für die notwendigen Sanierungsschritte.
Wie es danach weitergeht, hängt vom Erfolg der Restrukturierung und der Investorensuche ab. Die Geschäftsführung zeigt sich optimistisch und betont die operative Leistungsfähigkeit sowie die starke Marke von Atlas.
Suche nach Investoren läuft bereits
Ein entscheidender Faktor für die Zukunft von Atlas ist die Suche nach neuen Geldgebern. Parallel startet Atlas Ganderkesee in den kommenden Tagen einen strukturierten internationalen Investorenprozess. Ziel ist es, zusätzliche Optionen für eine nachhaltige Fortführung zu eröffnen.
Die Sanierungsexperten sind zuversichtlich. Dr. Malte Köster erklärte: «Atlas ist operativ leistungsfähig und verfügt über eine starke Marke. Das Eigenverwaltungsverfahren schafft jetzt den rechtlichen Rahmen, um die Restrukturierung konsequent umzusetzen und das Unternehmen nachhaltig zu stabilisieren.»
Welche Chancen hat Atlas am Markt?
Trotz der aktuellen Krise hat Atlas durchaus Stärken vorzuweisen. Das Unternehmen ist seit über 100 Jahren am Markt und genießt in der Branche einen guten Ruf. Besonders im Bereich Defence gibt es interessante Entwicklungen – mehrere NATO-Armeen setzen auf Atlas-Technik, und die Nachfrage für spezialisierte Baumaschinen zur Kampfmittelbeseitigung steigt.
Zudem hat Atlas in den vergangenen Jahren in emissionsarme und energieeffiziente Baumaschinen investiert, um den strengeren Umweltauflagen gerecht zu werden. Diese Innovationskraft könnte für potenzielle Investoren attraktiv sein.
Atlas Insolvenz im Branchenkontext
Die Schieflage von Atlas ist kein Einzelfall in der Baumaschinenbranche. Andere Hersteller kämpfen mit ähnlichen Problemen. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) berichtet, dass europäische Baumaschinenexporte in die USA im vergangenen Jahr um fast 30 Prozent zurückgingen.
Ursachen sind neben der schwachen Baukonjunktur auch Stahlzölle und zunehmender Wettbewerbsdruck durch Billigimporte aus China. Diese strukturellen Herausforderungen treffen die gesamte Branche und machen Sanierungen besonders komplex.
Weitere Informationen zur Eigenverwaltung im deutschen Insolvenzrecht finden Sie beim Bundeswirtschaftsministerium.
Vergleichbare Fälle und Perspektiven
Wer sich für Unternehmenskrisen und deren Bewältigung interessiert, findet auf unserer Seite weitere aktuelle Berichte. So berichteten wir kürzlich über die Herausforderungen bei Volkswagen, wo Betriebsratschefin Daniela Cavallo ebenfalls um Arbeitsplätze kämpft. Auch die allgemeine wirtschaftliche Lage, wie wir sie in unserem Artikel zur Münchner Sicherheitskonferenz 2026 analysierten, spielt für die Baumaschinenbranche eine wichtige Rolle.
| Merkmal | Details zum Atlas Insolvenzverfahren |
|---|---|
| Verfahrensart | Insolvenz in Eigenverwaltung |
| Antragsdatum | Februar 2026 |
| Gerichtsbeschluss | 6. Februar 2026 (Amtsgericht Delmenhorst) |
| Betroffene Mitarbeiter | Rund 400 Beschäftigte |
| Lohnsicherung | Bis einschließlich April 2026 durch Insolvenzgeld |
| Unternehmensalter | Seit 1919 (über 100 Jahre) |
| Umsatz (zuletzt) | Rund 150 Millionen Euro |
| Standorte | Ganderkesee, Delmenhorst, Vechta, Bradford (England) |
| Sachwalter | RA Hendrik Gittermann (Kanzlei Reimer) |
| Generalbevollmächtigte | Dr. Malte Köster, Dr. Hans-Joachim Berner |
| Hauptprodukte | Mobil- und Raupenbagger, Ladekrane |
| Exportmärkte | Über 70 Länder weltweit |
Häufig gestellte Fragen zum Atlas Insolvenzverfahren
Was genau ist bei Atlas passiert?
Die Atlas GmbH und mehrere Tochtergesellschaften haben am 6. Februar 2026 beim Amtsgericht Delmenhorst ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das Gericht hat die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet, sodass die Geschäftsführung weiterhin die Kontrolle behält und die Sanierung selbst steuern kann.
Sind die Jobs bei Atlas sicher?
Kurzfristig ja – die Löhne und Gehälter der rund 400 Beschäftigten sind durch Insolvenzgeld bis einschließlich April 2026 gesichert. Langfristig hängt die Arbeitsplatzsicherheit vom Erfolg der Restrukturierung und der Investorensuche ab. Der Geschäftsbetrieb läuft planmäßig weiter.
Warum musste Atlas Insolvenz anmelden?
Die Hauptgründe sind eine anhaltende Marktschwäche in der Baumaschinen- und Bauwirtschaft, deutlich rückläufige Auftragseingänge, niedrigere Auslastung und strukturelle Belastungen. Trotz umfangreicher Restrukturierungsmaßnahmen und Liquiditätshilfen der Gesellschafter konnten Liquiditätsengpässe nicht vermieden werden.
Was ist eine Insolvenz in Eigenverwaltung?
Bei der Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt und behält die operative Kontrolle über das Unternehmen. Ein gerichtlich bestellter Sachwalter überwacht das Verfahren und unterstützt bei der Sanierung. Dieses Verfahren wird nur angeordnet, wenn belastbare Sanierungsaussichten bestehen.
Wie lange dauert das Insolvenzverfahren bei Atlas?
Die genaue Dauer steht noch nicht fest. Das hängt vom Verlauf der Restrukturierung, dem Erfolg der Investorensuche und der Entwicklung des Geschäftsbetriebs ab. Das Eigenverwaltungsverfahren bietet den rechtlichen Rahmen für eine nachhaltige Stabilisierung.
Hat Atlas schon früher Krisen überstanden?
Ja, das Traditionsunternehmen stand bereits 2010 kurz vor der Insolvenz, konnte damals aber durch den US-Investor Fil Filipov und Geschäftsführer Brahim Stitou gerettet werden. Auch 2023 gab es aufgrund der schwächelnden Baubranche eine Absatzkrise. Atlas hat also Erfahrung mit schwierigen Phasen.
Welche Rolle spielen Investoren für die Zukunft von Atlas?
Eine zentrale Rolle. Atlas startet in den kommenden Tagen einen strukturierten internationalen Investorenprozess. Neue Investoren könnten zusätzliche finanzielle Mittel und strategische Perspektiven einbringen, die für eine nachhaltige Fortführung des Unternehmens notwendig sind.
Fazit: Atlas kämpft um Neustart
Das Atlas Insolvenzverfahren markiert einen kritischen Wendepunkt für den traditionsreichen Baumaschinenhersteller aus Ganderkesee. Die Entscheidung für eine Insolvenz in Eigenverwaltung zeigt, dass sowohl das Management als auch das Insolvenzgericht an eine mögliche Rettung glauben. Die gewählte Verfahrensart ermöglicht es Atlas, die Kontrolle zu behalten und aktiv an der eigenen Sanierung zu arbeiten.
Kurzfristig ist die Situation für die 400 Mitarbeiter durch das Insolvenzgeld bis April 2026 stabilisiert. Der laufende Geschäftsbetrieb, die planmäßige Produktion und der funktionierende Ersatzteilservice sind positive Signale. Die Unterstützung durch erfahrene Sanierungsexperten und die bevorstehende Investorensuche bieten realistische Chancen für einen Neustart.
Allerdings bleibt die Situation angespannt. Die strukturellen Probleme der Baumaschinenbranche – von rückläufigen Exporten über Billigkonkurrenz aus China bis zur schwachen Baukonjunktur – werden nicht über Nacht verschwinden. Der Erfolg des Atlas Insolvenzverfahrens wird davon abhängen, ob es gelingt, tragfähige Zukunftsperspektiven zu entwickeln und überzeugende Investoren zu gewinnen.
Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob der über 100 Jahre alte Traditionshersteller gestärkt aus der Krise hervorgehen kann. Die Voraussetzungen – eine starke Marke, qualifizierte Mitarbeiter, anerkannte Produktqualität und innovative Technologien – sind vorhanden. Jetzt kommt es darauf an, diese Potenziale in einem äußerst schwierigen Marktumfeld zur Entfaltung zu bringen.