Bell – Gray 1876: Der Jahrhundert-Patentstreit ums Telefon – wer war der wahre Erfinder?
Der Patentstreit Telefon ist eine der spannendsten Geschichten der Technikgeschichte. Wer hat das Telefon wirklich erfunden? Alexander Graham Bell oder Elisha Gray? Am Valentinstag 1876 reichten beide fast zeitgleich ihre Patente ein, doch am Ende setzte sich Bell durch. Aber war das wirklich alles mit rechten Dingen zugegangen? Die Frage nach dem wahren Erfinder beschäftigt die Gemüter bis heute.

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- Bell – Gray 1876: Der Jahrhundert-Patentstreit ums Telefon – wer war der wahre Erfinder?
- Wie konnte Bell den Patentstreit gewinnen?
- Der Vorwurf der Bestechung: Hat Bell betrogen?
- Das Patent Nr. 174 465: Ein Triumph mit Schönheitsfehlern?
- Johann Philipp Reis: Der vergessene Pionier der Telefonie?
- Was bedeutet der Ausgang des Patentstreits?
- Häufig gestellte Fragen
Auf einen Blick
- Alexander Graham Bell erhielt am 7. März 1876 das Patent für das Telefon.
- Elisha Gray reichte seine Patentanmeldung nur wenige Stunden später ein.
- Es gibt Vorwürfe der Bestechung gegen Bell und den Patentbeamten Zenas Fisk Wilber.
- Auch Johann Philipp Reis gilt als einer der frühen Pioniere der Telefonie.
- Der Patentstreit um das Telefon gilt als einer der bedeutendsten der Geschichte.
| Event | Ergebnis | Datum | Ort | Schlüsselmomente |
|---|---|---|---|---|
| Patentanmeldung Telefon | Bell vor Gray | 14. Februar 1876 | Washington D.C. | Knappe Zeitdifferenz, Vorwürfe der Bestechung |
Wie konnte Bell den Patentstreit gewinnen?
Es war ein Wettlauf gegen die Zeit, ein Krimi im US-Patentamt in Washington D.C. Wie Stern berichtet, reichte Alexander Graham Bell am Morgen des 14. Februar 1876 seinen Patentantrag für ein «Verfahren zur Übertragung von Sprache oder anderen Tönen durch telegrafische Wellen» ein. Nur wenige Stunden später folgte Elisha Gray mit einer sogenannten Caveat, einer Art vorläufigen Patentanmeldung, die seine Idee für ein Jahr schützen sollte. Doch diese wenigen Stunden entschieden über das wertvollste Patent aller Zeiten.
Bells Anwalt war schneller, er übergab die Unterlagen früher. Gray kam zu spät. Hätte Gray seine Papiere zuerst eingereicht, wäre die Geschichte vielleicht anders verlaufen. Doch es gibt noch weitere Ungereimtheiten in dieser Geschichte.
Eine Caveat war im 19. Jahrhundert eine Möglichkeit, eine Erfindung vorläufig zu schützen, bevor die vollständige Patentanmeldung eingereicht wurde. Sie gewährte dem Anmelder ein Jahr Zeit, die Erfindung weiterzuentwickeln und die vollständigen Unterlagen vorzubereiten.
Der Vorwurf der Bestechung: Hat Bell betrogen?
Bis heute halten sich hartnäckig Gerüchte, dass Alexander Graham Bell bei der Patentanmeldung nicht mit ganz sauberen Mitteln gearbeitet hat. Der Vorwurf: Bell soll den Patentbeamten Zenas Fisk Wilber bestochen und Einblick in Grays geheime Voranmeldung erhalten haben. Ein Skandal, der die Technikgeschichte für immer überschatten würde. (Lesen Sie auch: Bitcoin Kurs fällt: Anleger in Sorge vor…)
Dieser Vorwurf wiegt schwer. Er würde bedeuten, dass Bell seinen Erfolg nicht nur seinem Erfindergeist, sondern auch unlauteren Methoden zu verdanken hätte. Historiker streiten bis heute über die Rolle Wilbers. Beweise für die Bestechung gibt es zwar nicht, aber der Verdacht bleibt bestehen.
Das Patent Nr. 174 465: Ein Triumph mit Schönheitsfehlern?
Am 7. März 1876 war es offiziell: Alexander Graham Bell erhielt das Patent Nr. 174 465 für die «Methode und den Apparat zur telegrafischen Übermittlung von gesprochenen und anderen Geräuschen durch elektronische Wellenbewegungen». Ein Meilenstein der Technikgeschichte, der Bell zu einem reichen und berühmten Mann machte.
Doch der Triumph hat einen bitteren Beigeschmack. Denn Bell hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nie ein funktionierendes Telefongespräch geführt. Das gelang ihm erst drei Tage nach der Patenterteilung am 10. März 1876. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Wer mehr über die Geschichte des Telefons erfahren möchte, kann sich im Deutschen Museum in München informieren. Dort gibt es eine umfangreiche Sammlung historischer Telefone und Informationen zur Entwicklung der Telefonie.
Johann Philipp Reis: Der vergessene Pionier der Telefonie?
Neben Bell und Gray gibt es noch einen weiteren Namen, der im Zusammenhang mit der Erfindung des Telefons genannt werden muss: Johann Philipp Reis. Der deutsche Erfinder entwickelte bereits in den 1860er Jahren einen Apparat, mit dem Töne über elektrische Leitungen übertragen werden konnten. In seiner hessischen Heimat gilt er bis heute als einer der ersten Telefonerfinder. (Lesen Sie auch: Rufnummernmissbrauch: Zehntausende Klagen über Betrug)
Reis‘ Apparat war zwar noch nicht perfekt, aber er zeigte bereits die grundlegende Funktionsweise eines Telefons. Warum also wurde nicht er als Erfinder gefeiert? Reis‘ Erfindung war noch nicht ausgereift genug und er erhielt kein Patent. So blieb ihm die Anerkennung, die er verdient hätte, verwehrt.
Was bedeutet der Ausgang des Patentstreits?
Der Ausgang des Patentstreit Telefon hatte weitreichende Folgen für die Entwicklung der Telekommunikation. Bell gründete die Bell Telephone Company, die später zu AT&T wurde, einem der größten Telekommunikationsunternehmen der Welt. Gray hingegen ging leer aus und blieb weitgehend unbekannt.
Der Fall Bell gegen Gray zeigt, wie wichtig Patente für den wirtschaftlichen Erfolg von Erfindungen sind. Wer das Patent hat, hat das Sagen – auch wenn die Umstände der Patenterteilung fragwürdig sind. Der Patentstreit um das Telefon ist ein Lehrstück über technische Innovation, juristische Winkelzüge und die Macht des Geldes.
Die Geschichte des Telefons ist voller Wendungen und Kontroversen. Sie zeigt, dass die Wahrheit oft komplizierter ist, als es auf den ersten Blick scheint. Und sie erinnert uns daran, dass Erfolg nicht immer auf faire Weise erreicht wird.

Die Telekom bietet einen Überblick über die Geschichte der Telekommunikation. (Lesen Sie auch: LED Sternenhimmel: Mehr als nur ein Nachtlicht?)
Stern berichtet ausführlich über den Patentstreit.
Häufig gestellte Fragen
Wer gilt als der offizielle Erfinder des Telefons?
Alexander Graham Bell gilt offiziell als der Erfinder des Telefons, da er das Patent dafür erhielt. Allerdings gab es auch andere Pioniere wie Elisha Gray und Johann Philipp Reis, die wichtige Vorarbeiten leisteten.
Warum hat Elisha Gray das Patent für das Telefon nicht erhalten?
Elisha Gray reichte seine Patentanmeldung nur wenige Stunden nach Alexander Graham Bell ein. Diese knappe Zeitdifferenz führte dazu, dass Bell das Patent zugesprochen wurde. Zudem gab es Vorwürfe, Bell habe unlautere Methoden angewendet. (Lesen Sie auch: TikTok Suchtgefahr: Droht Strafe der EU-Kommission?)
Welche Rolle spielte Johann Philipp Reis bei der Entwicklung des Telefons?
Johann Philipp Reis entwickelte bereits in den 1860er Jahren einen Apparat, mit dem Töne über elektrische Leitungen übertragen werden konnten. Obwohl seine Erfindung noch nicht ausgereift war, gilt er als einer der frühen Pioniere der Telefonie.
Welche Nummer hatte das Patent, das Alexander Graham Bell erhielt?
Alexander Graham Bell erhielt das Patent Nr. 174 465 für seine Erfindung des Telefons. Dieses Patent sicherte ihm die Rechte an seiner Erfindung und ermöglichte ihm die Gründung der Bell Telephone Company.
Gab es Beweise für die Bestechung des Patentbeamten Zenas Fisk Wilber?
Es gibt keine eindeutigen Beweise für die Bestechung des Patentbeamten Zenas Fisk Wilber. Dennoch halten sich die Gerüchte hartnäckig, da Bell angeblich Einblick in Grays Voranmeldung erhalten haben soll.
Der Patentstreit Telefon zwischen Bell und Gray bleibt ein faszinierendes Kapitel der Technikgeschichte. Er zeigt, dass Innovation oft mit Konkurrenz, Kontroversen und sogar unfairen Mitteln verbunden ist. Die Frage nach dem wahren Erfinder wird wohl nie vollständig beantwortet werden können.




