„Young-oak hadert inmitten der Testosteronströme einer Jungenschule mit seinem weiblich konnotierten Namen.“ Der MY Name Film von Chung Ji-young, angesiedelt im Südkorea des Jahres 1998, thematisiert Identitätssuche und die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Erwartungen. Im Zentrum steht ein junger Mann, der mit seinem Namen und den damit verbundenen Konnotationen ringt.

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Was ist der Hintergrund des Films «My Name»?
Der Film «My Name» entführt den Zuschauer ins Südkorea des Jahres 1998, einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs. Young-oak, ein junger Mann, kämpft mit seinem weiblich konnotierten Namen inmitten einer von Testosteron geprägten Jungenschule. Die Geschichte verwebt persönliche Identitätssuche mit den dunklen Kapiteln der koreanischen Geschichte, insbesondere dem Jeju-Aufstand von 1948.
Eine Geschichte von Identität und Trauma
Südkorea, 1998: Das Land befindet sich im Wandel, demokratische Strukturen festigen sich. Doch inmitten dieses Fortschritts hadert Young-oak mit seinem Namen. In einer Umgebung, die von männlicher Dominanz geprägt ist, versucht er, seinen eigenen Platz zu finden. Die Schule wird zum Mikrokosmos gesellschaftlicher Erwartungen, in dem subtile und offene Gewaltspiele an der Tagesordnung sind. Young-oak sehnt sich nach einem Neuanfang, einem Namen, der seine Identität besser widerspiegelt. (Lesen Sie auch: Tiefste Blau Film: Was macht Diesen so…)
Parallel zu Young-oaks Geschichte entfaltet sich das Schicksal seiner Mutter, Jeong-sun. Hinter ihrer scheinbar unerschütterlichen Fassade verbirgt sich eine lange verdrängte Vergangenheit. Zögerlich beginnt sie, sich dieser Vergangenheit zu stellen, doch die Konfrontation ist unausweichlich. Sie führt zurück zu den traumatischen Ereignissen des Jeju-Aufstands vom 3. April 1948, einer nationalen Tragödie, die tiefe Wunden in der koreanischen Gesellschaft hinterlassen hat.
Das Wichtigste in Kürze
- «My Name» ist ein südkoreanischer Film von Chung Ji-young, der auf der Berlinale 2026 gezeigt wurde.
- Der Film spielt im Jahr 1998 und thematisiert die Identitätssuche eines jungen Mannes namens Young-oak.
- Die Geschichte ist eng mit dem Jeju-Aufstand von 1948 verwoben, einem dunklen Kapitel der koreanischen Geschichte.
- Der Film beleuchtet die Gewaltverhältnisse in Südkorea und die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Tabus.
Die Inszenierung der Gewalt
Chung Ji-young, eine Ikone des linken Kinos in Südkorea, setzt in «My Name» auf Suspense-Effekte und eine besondere Form des Reenactments. Die Bilder des Films sind vielschichtig und verdrehen ihre Bedeutung, wodurch die Gewaltverhältnisse im Land – sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart – eindrücklich dargestellt werden. Der Film ist mehr als nur ein historisches Drama; er ist eine Auseinandersetzung mit der koreanischen Identität und den Traumata, die die Gesellschaft bis heute prägen.
Die Suche nach Identität und die Konfrontation mit der Vergangenheit sind zentrale Themen des Films. Mutter und Sohn ringen an unterschiedlichen Punkten ihres Lebens um ihren Platz in einer Gesellschaft, die von Tabus und Rollenerwartungen geprägt ist. Traumata treten an die Oberfläche, Verdrängtes und Verschwiegenes bricht hervor. Die Fassade der Normalität explodiert, und am Ende steht das dokumentarische Bild des Denkmals – als Zeichen der politischen Aktualität. (Lesen Sie auch: Gerard Butler Film: Dieser Flop ist Besser…)
Die Suche nach einem Platz in der Gesellschaft
Der Film «My Name» ist eine vielschichtige Auseinandersetzung mit der koreanischen Gesellschaft und ihren Verstrickungen in die Vergangenheit. Er zeigt, wie persönliche Schicksale von historischen Ereignissen geprägt werden und wie die Suche nach Identität zu einem Kampf gegen gesellschaftliche Normen und Erwartungen werden kann. Chung Ji-young gelingt es, die Zuschauer in eine Welt voller Spannungen und Emotionen zu entführen und sie zum Nachdenken über die eigene Identität und die Bedeutung von Geschichte anzuregen.
Der Jeju-Aufstand von 1948 war ein blutiger Konflikt, bei dem Zehntausende Menschen ums Leben kamen. Er gilt als eines der dunkelsten Kapitel der koreanischen Geschichte und wird bis heute kontrovers diskutiert.
Die Aktualität der Vergangenheit
Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist in Südkorea ein aktuelles Thema. Viele Familien fordern Aufklärung über die Ereignisse des Jeju-Aufstands und eine offizielle Entschuldigung der Regierung. Filme wie «My Name» tragen dazu bei, das Bewusstsein für diese Thematik zu schärfen und eine öffentliche Debatte anzustoßen. Die Regisseurin Chung Ji-young, bekannt für ihre kritische Auseinandersetzung mit der koreanischen Geschichte, scheut sich nicht, Tabus zu brechen und unbequeme Fragen zu stellen. (Lesen Sie auch: Neuer Film Gaten Matarazzo: Das ist Sein…)
Die Bilder des Films sind eindringlich und verstörend. Sie zeigen die Brutalität der Gewalt und die Ohnmacht der Opfer. Gleichzeitig vermitteln sie aber auch Hoffnung und den Wunsch nach Versöhnung. «My Name» ist ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der koreanischen Geschichte und ein Plädoyer für eine Gesellschaft, die sich ihrer Vergangenheit stellt und aus ihr lernt. Die Produktionsfirmen Let’s Films & Aura Pictures trugen maßgeblich zur Realisierung dieses Projekts bei.

Ein Mahnmal gegen das Vergessen
Der Film endet mit dem dokumentarischen Bild des Denkmals, einem Ort der Erinnerung und des Gedenkens an die Opfer des Jeju-Aufstands. Dieses Bild ist ein Mahnmal gegen das Vergessen und ein Appell an die politische Aktualität. Es erinnert daran, dass die Vergangenheit nicht einfach abgehakt werden kann, sondern dass sie uns auch heute noch beeinflusst. «My Name» ist ein Film, der lange nachwirkt und zum Nachdenken anregt. Wie die Bundesregierung betont, ist die Aufarbeitung von Geschichte ein wichtiger Schritt zur Versöhnung und zum Frieden.
Der Film wirft einen Blick auf die koreanische Gesellschaft und ihre Schwierigkeiten, mit der Vergangenheit umzugehen. Er zeigt, wie die Traumata der Vergangenheit das Leben der Menschen bis heute beeinflussen. Die Suche nach Identität und die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Erwartungen sind universelle Themen, die auch im deutschen Kontext relevant sind. (Lesen Sie auch: Umstrittener Film Netflix: Jetzt das Phänomen Endlich)
Abschließend lässt sich sagen, dass «My Name» ein wichtiger und bewegender Film ist, der die Zuschauer nicht unberührt lässt. Chung Ji-young gelingt es, ein komplexes Thema aufzugreifen und es auf eine Art und Weise zu präsentieren, die sowohl informativ als auch emotional berührt. Der Film ist ein Plädoyer für die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und ein Aufruf zu mehr Menschlichkeit und Toleranz.




